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Auf dieser Seite: Berufliche Bildung

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Top 22
Berufliche Bildung stärken

Antrag der Fraktionen von CDU und SPD
  Aufruf gemeinsam mit
Top 26
Neue Perspektiven der Berufliche Bildung

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Drs.:16/2407  


Berufsausbildung:  
Gering Qualifizierten 
bessere Chancen eröffnen

Koalition will Ausbildungsgänge flexibler 
und „offener" gestalten 

Kiel (SHL/29.01.) Koalition und Grüne legen unterschiedliche Maßnahmenpakete vor, um die Berufsausbildung zu reformieren und die Lehrstellenknappheit insbesondere bei gering Qualifizierten zu bekämpfen. Dabei waren sich die Abgeordneten fraktionsübergreifend über die Probleme einig, wie die SPD-Abgeordnete Jutta Schümann betonte: „Trotz aller Anstrengungen der Länder und des Bundes stehen nicht für jeden Schulabsolventen in Quantität und Qualität ausreichende Ausbildungsplatzangebote zur Verfügung." Über die richtigen Gegenmittel herrschte indes kein Einvernehmen.

Nach Vorstellung von CDU und SPD sollen vollzeitschulische Ausbildungsgänge gleichwertig neben einer Lehre im dualen System anerkannt werden, wenn es auf dem Markt nicht genug Ausbildungsplätze in diesem Bereich gibt. Land und Bund sollen gegen die „Zersplitterung und Überspezialisierung der Ausbildungsberufe" vorgehen und so den späteren Wechsel in einen anderen Beruf zu erleichtern. Und: Für leistungsschwächere Jugendliche soll es in mehr Branchen als bisher praxisorientierte zweijährige Ausbildungsgänge geben. Es gehe darum, die Ausbildung „offen zu gestalten, damit ein gewählter Weg nicht in die Sackgasse führt", merkte Sylvia Eisenberg (CDU) an.

Grüne fordern „Produktionsschulen"

Das reichte den Grünen nicht aus. Sie fordern weitergehende Schritte, damit alle Jugendlichen die Schule mit einem Berufsabschluss oder dem Abitur verlassen – etwa die Einrichtung von „Produktionsschulen", an denen eine Berufsausbildung mit hohem Praxisanteil angeboten wird. Dieser Bildungsgang soll der klassischen Lehre im Betrieb prinzipiell gleichgestellt werden. Zudem sollen Hauptschüler grundsätzlich zehn Jahre zur Schule gehen, um ihre Bewerbungschancen zu erhöhen. Für Gymnasiasten, die nach dem Abi eine Lehre starten wollen, soll eine „polyvalente Oberschule" eingerichtet werden. Eine solche „grundlegende systematische Verbesserung" sei notwendig, so Karl-Martin Hentschel (Grüne), da über ein Drittel aller Jugendlichen inzwischen im Übergangssystem wie etwa in berufsvorbereitenden Maßnahmen landen würden.

Ekkehard Klug (FDP) sah vor allem im Koalitionsantrag „diskussionswürdige Punkte", aber er hatte noch Fragen: Wie solle etwa die von CDU und SPD angestrebte Anwerbung von Quereinsteigern als Berufsschullehrer genau funktionieren? Demgegenüber entdeckte Anke Spoorendonk (SSW) „interessante Vorschläge" bei den Grünen, zum Beispiel die Modularisierung und die Anerkennung von Teilqualifikationen in der beruflichen Bildung.

Ministerin warnt vor Fachkräftemangel

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) unterstrich die Dringlichkeit des Problems: Für das Jahr 2020 sei ein Mangel an rund zwei Millionen Fachkräften zu erwarten. Zudem werde es immer weniger Arbeitsplätze für schlecht Qualifizierte geben.

Der Bildungsausschuss berät den Koalitionsantrag weiter. Das Grünen-Papier, das die Oppositionsfraktion bereits fast wortgleich vor einem Jahr vorgelegt hatte, wurde erneut von CDU, SPD und FDP bei Enthaltung des SSW abgelehnt, nachdem sich die Koalition zuvor einer Ausschussüberweisung widersetzt hatte.

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Hintergrund:
Der Landtag diskutiert Konzepte von CDU/SPD sowie von den Grünen zur Stärkung der beruflichen Bildung im Lande.

Die Koalition…
…schlägt ein Bündel von Maßnahmen vor. So sollen nach Vorstellung von Christ- und Sozialdemokraten auch vollzeitschulische Berufsausbildungen gleichwertig neben einer Lehre im dualen System anerkannt werden, wenn es auf dem Markt nicht genug Ausbildungsplätze in diesem Bereich gibt. Land und Bund sollen gegen die „Zersplitterung und Überspezialisierung der Ausbildungsberufe" vorgehen und so den späteren Wechsel in einen anderen Beruf zu erleichtern.

Für leistungsschwächere Jugendliche soll es in mehr Branchen als bisher zweijährige Ausbildungsgänge geben; die Mittel für Berufsvorbereitungskurse sollen effizienter eingesetzt werden. Und: Die Landesregierung soll dem Mangel an Berufsschullehrern in einigen Fächer, etwa Metall- und Elektrotechnik, bekämpfen – zum Beispiel durch die Einstellung von Quereinsteigern und konkrete Zusagen an die Lehrer zur Übernahme ins Beamtenverhältnis.

Die Grünen…
… legen dem Landtag ihr Konzept noch einmal wortgleich vor, das sie bereits im letzten Februar eingebracht hatten, und das damals von CDU und SPD abgelehnt wurde
(plenum-online, Februar 2008). Ziel der Oppositionsfraktion ist es, dass jeder Jugendliche die Schule mit einem Berufsabschluss oder dem Abitur verlässt. Nach Angaben der Grünen bleiben derzeit 15 Prozent der jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz.

Da inzwischen nur noch 55 Prozent der Schulabgänger in eine Lehre im traditionellen dualen System wechseln, sollen gleichwertige Angebote mit hohem Praxisanteil an „Berufs- oder Produktionsschulen" geschaffen werden. Als „Sofortmaßnahme" wird die Landesregierung aufgefordert, die bereits jetzt mögliche Berufsausbildung mit Kammerprüfung an den Beruflichen Schulen auszuweiten.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Hauptschüler auf dem Lehrstellenmarkt gegenüber den Realschülern zu erhöhen, fordert die Grünen-Fraktion zudem die Verlängerung der Hauptschule um ein Jahr auf zehn Jahre.

Die Grünen sprechen sich zudem für eine „Modularisierung" der Lehrpläne aus, um einen flexibleren Wechsel zwischen Berufsschulen oder Betrieben zu ermöglichen. Damit könnten Auszubildende Teilqualifikationen erwerben, die bei einer Neuorientierung angerechnet werden könnten.

   Positive Zahlen für das Ausbildungs-Jahr 2008

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat Schleswig-Holstein das Ausbildungsjahr 2008 positiv abgeschlossen: Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen ist im letzten Oktober, vor der Nachvermittlung, gegenüber dem Vorjahr von 14.000 auf 14.400 gestiegen. 539 Bewerber blieben ohne Lehrstelle, ein Jahr zuvor waren es 1.040. 519 Lehrstellen blieben unbesetzt, zum Beispiel im Einzelhandel oder in Hotels und Gaststätten. Die beliebtesten Ausbildungsberufe im Lande sind im Elektrobereich und im Bereich Fahrzeugbau und -wartung, gefolgt vom Koch. Im Norden gibt es 376 Berufliche Schulen, an denen rund 4.500 Lehrer etwa 45.000 Schüler unterrichten. Seit 1997 gibt es im Lande ein "Bündnis für Ausbildung", in dem Wirtschaftskammern, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften zusammenarbeiten.

Vorherige Debatte zum Thema: 
plenum-online,
Februar 2008 plenum-online, Juli 2007

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