Hintergrund:
Der Landtag diskutiert Konzepte von CDU/SPD sowie von
den Grünen zur Stärkung der beruflichen Bildung im
Lande.
Die
Koalition…
…schlägt ein Bündel von Maßnahmen vor. So sollen nach
Vorstellung von Christ- und Sozialdemokraten auch
vollzeitschulische Berufsausbildungen gleichwertig neben
einer Lehre im dualen System anerkannt werden, wenn es auf
dem Markt nicht genug Ausbildungsplätze in diesem Bereich
gibt. Land und Bund sollen gegen die „Zersplitterung und
Überspezialisierung der Ausbildungsberufe" vorgehen
und so den späteren Wechsel in einen anderen Beruf zu
erleichtern.
Für
leistungsschwächere Jugendliche soll es in mehr Branchen
als bisher zweijährige Ausbildungsgänge geben; die
Mittel für Berufsvorbereitungskurse sollen effizienter
eingesetzt werden. Und: Die Landesregierung soll dem
Mangel an Berufsschullehrern in einigen Fächer, etwa
Metall- und Elektrotechnik, bekämpfen – zum Beispiel
durch die Einstellung von Quereinsteigern und konkrete
Zusagen an die Lehrer zur Übernahme ins
Beamtenverhältnis.
Die Grünen…
… legen dem Landtag ihr Konzept noch einmal wortgleich
vor, das sie bereits im letzten Februar eingebracht
hatten, und das damals von CDU und SPD abgelehnt wurde (plenum-online,
Februar
2008). Ziel der Oppositionsfraktion ist es, dass
jeder Jugendliche die Schule mit einem Berufsabschluss
oder dem Abitur verlässt. Nach Angaben der Grünen
bleiben derzeit 15 Prozent der jungen Menschen ohne
Ausbildungsplatz.
Da
inzwischen nur noch 55 Prozent der Schulabgänger in eine
Lehre im traditionellen dualen System wechseln, sollen
gleichwertige Angebote mit hohem Praxisanteil an „Berufs-
oder Produktionsschulen" geschaffen werden. Als „Sofortmaßnahme"
wird die Landesregierung aufgefordert, die bereits jetzt
mögliche Berufsausbildung mit Kammerprüfung an den
Beruflichen Schulen auszuweiten.
Um die
Wettbewerbsfähigkeit der Hauptschüler auf dem
Lehrstellenmarkt gegenüber den Realschülern zu erhöhen,
fordert die Grünen-Fraktion zudem die Verlängerung der
Hauptschule um ein Jahr auf zehn Jahre.
Die Grünen
sprechen sich zudem für eine „Modularisierung" der
Lehrpläne aus, um einen flexibleren Wechsel zwischen
Berufsschulen oder Betrieben zu ermöglichen. Damit
könnten Auszubildende Teilqualifikationen erwerben, die
bei einer Neuorientierung angerechnet werden könnten.
Positive Zahlen für das Ausbildungs-Jahr 2008
Nach
Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat
Schleswig-Holstein das Ausbildungsjahr 2008 positiv
abgeschlossen: Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen ist im
letzten Oktober, vor der Nachvermittlung, gegenüber dem
Vorjahr von 14.000 auf 14.400 gestiegen. 539 Bewerber
blieben ohne Lehrstelle, ein Jahr zuvor waren es 1.040.
519 Lehrstellen blieben unbesetzt, zum Beispiel im
Einzelhandel oder in Hotels und Gaststätten. Die
beliebtesten Ausbildungsberufe im Lande sind im
Elektrobereich und im Bereich Fahrzeugbau und -wartung,
gefolgt vom Koch. Im Norden gibt es 376 Berufliche
Schulen, an denen rund 4.500 Lehrer etwa 45.000 Schüler
unterrichten. Seit 1997 gibt es im Lande ein
"Bündnis für Ausbildung", in dem
Wirtschaftskammern, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften
zusammenarbeiten.
Vorherige Debatte zum Thema:
plenum-online, Februar
2008, plenum-online, Juli
2007
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