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Auf dieser Seite: Konjunktur-Initiativen

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Top 23
Konjunkturpaket II

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
     Aufruf gemeinsam mit
Top 28
Initiativen zur Stabilisierung von 
Wirtschaftswachstum und Beschäftigung

Antrag der Fraktionen FDP, CDU, SPD, B´90/DIE GRÜNEN sowie der Abgeordneten des SSW

Drs.: 16/2423

     Aufruf gemeinsam mit
Top 29
Programm für Zukunft und Beschäftigung
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD
Änderungsantrag der Fraktion B´90/GRÜNE – Drs. 16/2429

Drs.: 16/2425


CDU und SPD unterstützen Konjunkturpaket II – und streiten 
über die Rolle des Staates

Finanzminister fordert Beteiligung der Länder an Tilgungsfonds / Opposition bezeichnet 50-Milliarden-Programm als „Sammelsurium"

Kiel (SHL/29.01.) Das zweite Konjunkturpaket des Bundes ist nach Ansicht der Großen Koalition im Lande ein wichtiger Schritt, um die Folgen der Finanzkrise für Wirtschaft und Arbeitsmarkt abzumildern. CDU und SPD sahen das 50-Milliarden-Programm aus Investitionen und Entlastungen für die Bürger als Beleg für die Handlungsfähigkeit des Staates in einer schwierigen Lage. Sie betonten in der zweistündigen Debatte zudem, der schleswig-holsteinische Anteil am Investitionspaket von insgesamt 430 Millionen Euro müsse nun zügig und zielgerichtet verteilt werden, wobei die Federführung bei den Kommunen liegen soll. Die Opposition stand dem Paket hingegen weitgehend kritisch gegenüber: Es sei nicht viel mehr als ein „Sammelsurium" von Einzelmaßnahmen, das weder wirtschaftlich noch ökologisch oder sozial eine breite Wirkung erzielen werde.

Finanzminister Rainer Wiegard (CDU/Foto) stellte die einzelnen Aspekte des Investitionspakets auf Antrag der Grünen im Plenum vor. Demnach sollen 280 Millionen im Lande in den Bildungsbereich fließen, etwa in den energetischen Ausbau von KiTas, in die bessere Ausrüstung von Schulen sowie in Hochschulen und Forschungsprojekte. Weitere 150 Millionen sollen in die Infrastruktur gehen – hier sind zusätzliche Gelder für Krankenhäuser, für den Städtebau, für die landwirtschaftliche Infrastruktur, für Lärmschutz und für den Ausbau der Breitband-Internetversorgung vorgesehen.  Wiegard kündigte an, dem Landtag im Februar detaillierte Regelungen zur Umsetzung des Konjunkturpaketes vorzulegen.

Wiegard fordert Beteiligung der 
Länder an Tilgungsfonds

70 Prozent der Summe ist für die Kommunen eingeplant. Wiegard will hier die „regionale Kompetenz" nutzen und den Städten und Gemeinden die Entscheidung über die Verwendung des Geldes überlassen. Finanzschwachen Kommunen sagte er Hilfe zu. Schleswig-Holstein werde dem Paket im Bundesrat am 20. Februar zustimmen, betonte der Minister. Dies verknüpfte er aber mit der Forderung an den Bund, Länder und Kommunen am Tilgungsfonds für das zweite Konjunkturpaket zu beteiligen. Er könne nicht einsehen, so Wiegard, dass sich der Bund hier verweigere: „Ich fordere den Bund auf, seine Haltung zu überdenken." Und: „Wir wollen verdeutlichen, dass diese Schulden nur vorübergehend aufgenommen werden und mit einem verbindlichen Ziel der Tilgung verknüpft sein müssen."

Koalitionsspitzen beleuchten die 
Rolle des Staates

Die zusätzlichen Schulden, die durch die Kofinanzierung der Bundeszuschüsse auch auf Schleswig-Holstein zukommen, dürften nicht zukünftige Generationen belasten, mahnte auch CDU-Fraktionschef Johann Wadephul (Foto): „Wir müssen sofort mit dem Tilgen beginnen". Er warnte zudem vor zu hohen Erwartungen an staatliche Konjunkturhilfen. Der Staat sei „nicht der bessere Unternehmer" und dürfe nicht zu stark in die Wirtschaft eingreifen.

„Der Staat muss sich einmischen", erwiderte Ralf Stegner, Vorsitzender der SPD-Fraktion (Foto). Die Krise biete eine „große Chance für eine neue Balance zwischen Markt und Staat". Stegner sprach sich gegen Forderungen von FDP und CSU nach „weitergehenden milliardenschweren Steuerentlastungen" aus. Dies gehe zu Lasten der Handlungsfähigkeit der öffentlichen Haushalte. Zur Abstimmung über das Konjunkturpaket in der Länderkammer sagt er: „Ohne eine faire Altschuldenregelung wird Schleswig-Holstein nicht zustimmen können."

Generalkritik der Opposition

Als „verantwortungslos" stufte Heiner Garg (FDP/Foto) das Paket ein. Er warf die Frage auf: „Meistern wir eine Krise, die durch gigantische Schulden ausgelöst wurde, dadurch, dass wir noch mehr Schulden machen?" und beantwortete sie mit einem „Nein". Vielmehr gehe es darum, durch Steuersenkungen den Mittelstand zu entlasten. „Nicht mehr Staat" sei die Antwort auf die Krise, sondern „mehr Markt mit konsequenten Spielregeln und Sanktionen", so Garg. Zudem bemängelte er eine „Kakophonie innerhalb der Großen Koalition". Es sei noch völlig unklar, „was wo investiert werden soll".

Karl-Martin Hentschel (Grüne/Foto) kritisierte insbesondere die geplanten Investitionen in den Straßenbau und die Abwrackprämie von 2.500 Euro für Altautos – dies sei der „größte Aberwitz", weil die Umweltwirkung gering sei und wirtschaftlich nur ein „Strohfeuer" ausgelöst werde. Stattdessen forderte der Fraktionschef der Grünen eine „grüne industrielle Revolution" und mehr Geld für Klimaschutzmaßnahmen und erneuerbare Energien.

Frage der Ausrichtung auch Thema
für den Wirtschaftsausschuss

„CDU, SPD und CSU haben jeder in ihre Richtung gezogen, und die Richtungsentscheidung heißt, dass die Große Koalition in alle Richtungen geht", beklagte auch Anke Spoorendonk (SSW/Foto). Besonders den angekündigten Steuererleichterungen stand sie skeptisch gegenüber – denn sie brächten „in den meisten Fällen nicht mehr als 10 bis 20 Euro pro Monat". Und: „Die Senkung der Krankenkassenbeiträge zum 1. Juli entspricht so mal gerade der Erhöhung, die wir zum 1. Januar bekommen haben."

Der Wirtschaftsausschuss berät weiter.

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Hintergrund:
Gemeinsam sprechen sich alle Fraktionen des Landtages dafür aus, angesichts der heraufziehenden Wirtschaftskrise öffentliche Investitionen in Schleswig-Holstein vorzuziehen. So sollen der Sanierungsstau bei Kommunal- und Landesstraßen abgebaut, Schulen renoviert, öffentliche Gebäude energetisch nachgerüstet und der ländliche Raum besser mit Breitband-Internet versorgt werden.

CDU und SPD bekunden in diesem Zusammenhang ihre Unterstützung für das auf Bundesebene aufgelegte Konjunkturpaket II. Es stehe für einen „starken und handlungsfähigen Staat" und sei geeignet, „die Auswirkungen der größten Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahrzehnte abzumildern". Auch die Grünen begrüßen in ihrem Antrag das Konjunkturpaket im Grundsatz. Sie fordern allerdings eine stärkere Förderung von Klimaschutztechnologien und erneuerbaren Energien und wenden sich gegen Investitionen in den Straßenbau. Zudem sprechen sich die Grünen gegen „weitergehende Steuersenkungen" aus und fordern die Landesregierung auf, ihre Zustimmung zu dem Paket im Bundesrat von einer CO2-sparsamen Ausgestaltung der so genannten Abwrackprämie abhängig zu machen.

   Konjunkturpaket soll im Februar in Berlin 
   abgesegnet werden

Das Bundeskabinett hat sich am Dienstag in Berlin auf ein zweites Konjunkturpaket verständigt, nachdem im vergangenen Jahr bereits ein Rettungsfonds für die Finanzbranche aufgelegt worden war. Das Paket soll am Freitag dieser Woche in Erster Lesung im Bundestag beraten und bis zum 13. Februar von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.

Ein Kernpunkt ist das Investitionspaket von rund 17,3 Milliarden Euro. Hiermit sollen in den nächsten zwei Jahren Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser, Städtebau, Straßen und Schienen sowie die ländliche Infrastruktur gestärkt werden. Der Bund unterstützt die Investitionen der Kommunen und der Länder mit zehn Milliarden und stellt vier Milliarden an zusätzlichen Bundesinvestitionen bereit. Länder und Kommunen geben 3,3 Milliarden.

   322 Millionen Euro für das Land?

Auf Schleswig-Holstein würden so 322 Millionen Euro Bundesmittel sowie ein 110-Millionen-Beitrag des Landes und der Kommunen entfallen. Das Geld soll zu zwei Dritteln für den Bereich Bildung, etwa in den Ausbau von Schulen, KiTas und Unis, und zu einem Drittel in sonstige Infrastrukturprojekte fließen. Über die genaue Verwendung der Gelder müsste der Landtag entscheiden. Ein Nachtragshaushalt ist im Gespräch.

Aus den Bundesmitteln könnte weiteres Geld nach Schleswig-Holstein fließen. So ist ein 169-Millionen-Euro-Zuschuss für den Weiterbau der Autobahn 20 im Gespräch. Hiermit soll der Lückenschluss zur A 21 bei Bad Segeberg und die Ortsumgehung von Bad Bramstedt finanziert werden. Darüber hinaus hat die Landesregierung Medienberichten zufolge in Berlin Unterstützung für 13 weitere Straßenprojekte beantragt, etwa für den Lückenschluss der A 23 bei Itzehoe und den Ausbau der A 21 zwischen Stolpe und Nettelsee.

Über die genauen Auswirkungen des Konjunkturpakets auf das Land berichtet die Landesregierung dem Plenum auf Antrag der Grünen.

   Weitere Aspekte des Konjunkturpakets II des Bundes:

STEUERN: Der Grundfreibetrag wird von 7.664 zunächst rückwirkend zum 1. Januar auf 7.834 Euro und 2010 dann auf 8.004 Euro angehoben. Der Eingangssteuersatz wird von 15 auf 14 Prozent gesenkt. Zugleich sollen die Steuersätze erst bei höheren Einkommen beginnen. Dazu wird der Tarifverlauf zugunsten der Steuerzahler verändert.

KINDER / HARTZ IV: Für jedes Kind gibt es 100 Euro. Der "Kinderbonus" wird bei der Einkommensteuererklärung für 2009 mit den Kinderfreibeträgen verrechnet, Besserverdiener profitieren daher nur kurzfristig. Der Regelsatz für Kinder aus Hartz-IV-Familien im Alter von sechs bis 13 Jahren steigt von 60 auf 70 Prozent.

ABGABEN: Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse wird zum 1. Juli von 15,5 auf 14,9 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer reduziert. Zum Ausgleich steigt der bisher vorgesehene Bundeszuschuss im Jahr 2009 um 3,2 Milliarden Euro und in den Jahren 2010 und 2011 um je 6,3 Milliarden. 2012 erreicht der Bundeszuschuss den bisher für 2016 vorgesehenen Endwert von 14 Milliarden Euro. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung wird bei 2,8 Prozent stabilisiert.

KRAFTFAHRZEUGE: Wer 2009 sein mindestens neun Jahre altes Auto verschrottet und ein neues Fahrzeug ab Euro-4-Abgasnorm kauft, bekommt eine Prämie von 2.500 Euro. Die Kfz-Steuer soll zum 1. Juli vom Hubraum auf den CO2-Ausstoß umgestellt werden.

FORSCHUNG: Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) wird um 900 Millionen Euro aufgestockt; für die Erforschung neuer Antriebstechnologien werden 500 Millionen Euro bereitgestellt.

ARBEIT: Zur Förderung von Kurzarbeit übernimmt die Bundesagentur für Arbeit (BA) bis 2010 die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber zur Hälfte oder bei Qualifizierung ganz. Die BA übernimmt die Finanzierung bei neu geförderten Umschulungen zu Alten- und Krankenpflegern. Zur Qualifizierungs-Förderung werden zusätzlich 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Für die Wiedereinstellung von Leiharbeitern gibt es Qualifizierungs-Zuschüsse.

"SCHUTZSCHIRM": Um die Kreditversorgung der Wirtschaft zu sichern, wird ein Bürgschaftsvolumen von 100 Milliarden Euro bereitstehen.

TILGUNGSFONDS: Es wird ein Sondervermögen geschaffen, in das ein Teil der Ausgaben des Bundes für das Konjunkturpaket II ausgegliedert wird. Es wird über neue Kredite finanziert und umfasst einschließlich Zinsen bis zu 21 Milliarden Euro. Die Kredite werden mit einem Teil des Bundesbank-Gewinns getilgt. Es könnten später bei besserer Konjunktur auch Steuermehreinnahmen zur Tilgung genutzt werden.

Vorherige Debatte zum Thema:
plenum-online,
Dezember 2008

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