Hintergrund
der Gespräche waren Spekulationen, der Konzern verzögere
bewusst die Wieder-Inbetriebnahme des Meilers
Brunsbüttel: Vattenfall wolle das Atomkraftwerk, das laut
Atomkonsens ursprünglich in diesem Jahr stillgelegt
werden sollte, bis nach der Bundestagswahl ruhen lassen,
um dann bei möglicherweise anderen
Mehrheitsverhältnissen in Berlin über die
AKW-Restlaufzeiten neu verhandeln zu können. Im Gespräch
mit Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) und
Finanzstaatssekretär Arne Wulf Anfang November
vergangenen Jahres in Hamburg habe die Vattenfall-Spitze
aber dargelegt, dass es keine „strategischen
Überlegungen" für den langen Stillstand der Meiler
gebe, heißt es dazu in dem Regierungsbericht.
Tatsächlich sei die Instandsetzung sehr zeitaufwendig.
Antrag zum Wiederanfahren des AKW in
Krümmel im Mai geplant
Minister
Marnette hat im November zudem, in Begleitung von
Staatssekretär Hellmut Körner aus dem für
Reaktorsicherheit zuständigen Sozialministerium, das AKW
Brunsbüttel besucht. „Der Umfang und die professionelle
Art", wie das Kraftwerk in Stand gesetzt werde, sei
„beeindruckend" gewesen, so das Regierungspapier.
Vattenfall wolle voraussichtlich im Mai beim
Sozialministerium den Antrag zum Wiederanfahren des Werks
in Krümmel stellen. Der Antrag für Brunsbüttel soll im
September oder Oktober gestellt werden.
Unterdessen
hat auch das Sozialministerium einen Sachstandsbericht
über die Arbeiten in den beiden Kraftwerken vorgelegt (Umdruck
16/3721).
Demnach scheitert ein Neustart nicht in erster Linie an
den spektakulären Pannen vom vorletzten Sommer, sondern
an hunderten fehlerhafter Dübel, an Rissen in dutzenden
Armaturen und an weiteren Defiziten, die nun nachgebessert
werden müssen. Die Probleme aus der Aufarbeitung der
Störfälle sind nach Angaben des Ministerium hingegen
weitgehend abgearbeitet.
Rückblick
In Krümmel
verursachte am 28. Juni 2007 ein Transformatoren-Brand die
Abschaltung. In Brunsbüttel trat am selben Tag ein
Kurzschluss auf. Nach einem zwischenzeitlichen
Wiederanfahren steht auch dieser Meiler seit dem 20. Juli
2007 still. Der AKW-Ausfall hat Diskussionen um die
Sicherheit der Energieversorgung im Lande ausgelöst.
Durch den Stillstand der beiden Anlagen fehle dem Markt
eine Erzeugungskapazität von 2.117 Megawatt und eine
Produktionsmenge von 16,5 Terrawattstunden Strom pro Jahr,
so der Regierungsbericht.
Auch über
die finanziellen Aspekte wurde debattiert: Das
Sozialministerium hat bestätigt, dass der Stillstand das
Land im Jahr 2008 rund 12,7 Millionen Euro kostet. Dies
sind Mindereinnahmen aus der so genannten
Oberflächenwasserabgabe. Diese entrichten die Betreiber
für die Entnahme von Kühlwasser aus der Elbe. Das
Ministerium betont aber, es werde für das Land insgesamt
keine Einnahmeausfälle geben; die Einnahmen fielen nur
später an. Denn: Die AKW haben laut Atomkonsens
festgelegte Reststrommengen. So darf das 1976 gestartete
Werk in Brunsbüttel noch elf Terrawattstunden Strom
produzieren. Das entspricht etwa zwei Jahren Laufzeit.
Krümmel (1983) hat noch acht bis neun Jahre vor sich.