Koalition, SPD und Grüne sind sich prinzipiell
darüber einig, dass der Norden ab 2020 keine Schulden mehr
aufnehmen soll, und dass die neuen Kredite bis dahin schrittweise
heruntergefahren werden müssen. Ausnahmen soll es nur in Notlagen
geben, etwa bei Naturkatastrophen oder schweren Wirtschaftskrisen.
Die SPD will jedoch eine „Nachhaltigkeitsklausel"
für den Fall einbauen, dass der Bund per Steuergesetz die Einnahmen
der Länder schmälert – wie zuletzt beim
Wachstums-Beschleunigungsgesetz. Es dürfe „keinen
Blankoscheck" für den Bund geben, bekräftigte Stegner. Das
Land müsse sich „gegen unverantwortliche Steuerpolitik
verteidigen" können. Damit brachte er FDP-Fraktionschef
Wolfgang Kubicki auf die Zinnen. Der Vorschlag der Sozialdemokraten
sei „absurd und fatal", sagte er und warf der SPD vor, sie wolle
in Wirklichkeit keine Schuldenbegrenzung, sondern eine Hintertür
für neue Schulden installieren.
Diskussion auch um Altschuldenpakt
Zudem brachte Stegner sein Modell eines
Altschuldenpakts von Bund, Ländern und Kommunen wieder ins Spiel.
In einem solchen Fond sollen nach Willen der SPD die Defizite aller
staatlichen Ebenen gebündelt und gemeinsam abgebaut werden. Diesen
Plan hielt CDU-Fraktionschef Christian von Boetticher für
unrealistisch. „Wir können uns nicht zurücklehnen, sondern wir
müssen den Nachweis erbringen, dass wir uns ernsthaft
bemühen", stellte er fest und erinnerte an den im Grundgesetz
verankerten Fahrplan. Demnach muss Schleswig-Holstein seine
Sparanstrengungen regelmäßig gegenüber einem Stabilitätsrat
darlegen – ansonsten droht der Verlust der jährlichen 80
Millionen Euro Konsolidierungshilfe. ,
Anke Spoorendonk (SSW) zeigte Sympathie für die
Pläne der Sozialdemokraten, etwa für die Nachhaltigkeitsklausel:
„Wir können uns nicht an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen,
wenn der Bund uns ständig den Kopf kahl rasiert". Auch die
Forderung der SPD nach der Einrichtung eines „fairen
Altschuldenfonds" von Bund, Ländern und Kommunen sei „richtig
und notwendig", so Spoorendonk.
„Richtig gemacht ist die Schuldenbremse Teil einer
modernen linken Politik", betonte Grünen-Fraktionschef Robert
Habeck. Die SPD-Vorstellungen bezeichnete er dagegen als „alt-links".
Der Koalition warf Habeck vor, Schleswig-Holstein „kaputtsparen" zu wollen. Wenn im sozialen Bereich bei Bildung und
Kultur gekürzt werde, „dann gehen die Lichter aus". Vor
diesem Hintergrund wollen die Grünen per Verfassungsänderung
sicherstellen, dass das Land seine Null-Schulden-Haushalte ab 2020
nicht auf Kosten der Kommunen finanziert.
Linke lehnen Schuldenbremse ab
Fundamentalkritik
kam von den Linken. Ihr Abgeordneter Heinz-Werner Jezewski (Foto)
bezeichnete es als „große Legende", dass das Land eine
Schuldenbremse brauche. Stattdessen schlug er vor, den Spitzensatz
bei der Einkommenssteuer zu erhöhen und eine Börsenumsatzsteuer
einzuführen. „Wir müssen die Einnahmen erhöhen, weil wir die
Ausgaben nicht mehr senken können", unterstrich Jezewski.
Alle Fraktionen erneuerten die Drohung, gegen die
Null-Schulden-Regel im Grundgesetz vor dem Bundesverfassungsgericht
zu klagen. Die Berliner Vorgaben schränken die Haushaltshoheit als
Kernbestandteil der Eigenstaatlichkeit jedes Bundeslandes ein, so
die Auffassung im Landtag.