Schwarz-Gelb nur noch mit
hauchdünner Mehrheit
Plenum bestätigte Korrektur des Wahl-Ergebnisses /
FDP-Abgeordnete verliert ein Mandat
Kiel (lno/SHL/28.01.) Die
Mehrheit der schwarz-gelben Koalition im Landtag ist auf nur noch
eine Stimme zusammengeschmolzen. Vier Monate nach der Landtagswahl
bestätigte das Parlament am Donnerstagabend eine Korrektur des
Wahl-Ergebnisses mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP. Grüne und
Linke stimmten dagegen, der SSW enthielt sich. Daraus folgt, dass
die FDP ihr 15. Mandat an die Linke abgibt, die nun sechs
Abgeordnete stellt. Die deutliche Drei-Stimmen-Mehrheit von CDU/FDP
geht damit auf einen einzigen Sitz zurück. Hintergrund ist ein
Auszählungsfehler im Wahlkreis Husum 3. Wie eine Nachzählung am
vergangenen Freitag ergab, waren für die Linke am 27. September
dort 41 Zweitstimmen abgegeben statt der am Wahlabend nur 9
festgestellten.
Betroffen
ist die FDP-Abgeordnete Christina Musculus-Stahnke (Foto),
die nur eine wenige Minuten vor der Bestätigung der Nachzählung
– der Tagesordnungspunkt wurde ohne Aussprache abgehandelt –
ihre letzte Rede im Parlament hielt. Die 47-Jährige wurde mit
Applaus und einem Blumenstrauß von Landtagspräsident Torsten
Geerdts verabschiedet. „Sie haben ihr Mandat bis zum letzten
Wortbeitrag vorbildlich ausgeübt, sie sind hoch anerkannt und
genießen eine hohe Wertschätzung", sagte Landtagspräsident
Geerdts bei der Verabschiedung. Nach ihrem kurzen Ausflug ins
Förde-Parlament will Musculus-Stahnke wieder in ihren Beruf als
Rechtsanwältin zurückkehren.
Große Freude dagegen bei Björn Thoroe: Der 25
Jahre alte Geschichtsstudent aus Kiel stärkt künftig die
Linke-Fraktion und soll bereits am Freitag vereidigt werden.
Regierungschef braucht jede Stimme
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) kann
jetzt nur noch auf eine Stimme mehr bauen als SPD, Grüne, Linke und
der SSW zusammen. Damit ist der Regierungschef zum einen auf jede
Stimme angewiesen. Mit einer so hauchdünnen Mehrheit hat auch die
SPD von 1992 bis 1996 regiert.
Der Innen- und Rechtsausschuss des Landtages hatte
die Nachzählung der 928 Stimmen aus dem Husumer Wahlbezirk
beschlossen, nachdem es zu Unstimmigkeiten und Auffälligkeiten im
Vergleich zur parallel durchgeführten Bundestagswahl gekommen war.
So waren den Linken damals 47 Zweitstimmen für den Bundestag
zugeordnet worden, aber nur 9 für das Landesparlament.