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Hochschulen:
Wissenschaftsminister will Controlling verbessern
Kiel (SHL/28.01.)
Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) hat angeregt, die
Berichterstattung der Landesregierung zur Situation der Hochschulen
im Lande zu überarbeiten. „Der Steuerungsgewinn läuft gegen
Null, wenn wir auf Zahlen aus dem Jahr 2004 zurückgreifen",
sagte de Jager bei Vorstellung der Auswertung der
Zielvereinbarungen, die das Land mit seinen Hochschulen für die
Jahre 2004 bis 2008 abgeschlossen hat. Sein Vorschlag, bei der
Novelle des Hochschulgesetzes das Controlling so anzupassen, dass
die Ergebnisse besser genutzt werden könnten, stieß auf breite
Zustimmung.
Grundlage des
jüngsten Berichts sind Stellungnahmen der Universitäten und
Fachhochschulen wie auch eine Vergleichsstudie der
Controlling-Agentur HIS GmbH, die insgesamt 14 Unis im nord- und
ostdeutschen Raum unter die Lupe genommen hat (Ergebnisse
siehe unten auf dieser Seite)
Während CDU, FDP und der Minister die
Universitäten und Fachhochschulen im Lande grundsätzlich „auf
einem guten Weg" sehen, kritisierte die Opposition den geringen
Informationswert der Studie sowie die finanzielle Unterausstattung
und die schlechten Studienbedingungen der Hochschulen, insbesondere
an der Uni Flensburg.
Die Mitglieder des Bildungsausschusses werden sich
mit der Studie noch einmal abschließend vertiefend beschäftigen.
Weitere
Redner: Daniel Günther (CDU), Martin
Habersaat (SPD), Christina Musculus-Stahnke (FDP), Rasmus Andresen
(Grüne), Ellen Streitbörger (Linke), Anke Spoorendonk (SSW)
Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Landtag eine Auswertung
der Zielvereinbarungen vor, die das Land mit seinen
Hochschulen für die Jahre 2004 bis 2008 abgeschlossen
hat. Grundlage des Berichts sind Stellungnahmen der
Universitäten und Fachhochschulen wie auch eine
Vergleichsstudie der Controlling-Agentur HIS, die
insgesamt 14 Unis im nord- und ostdeutschen Raum unter die
Lupe genommen hat.
Ein
Ergebnis der Uni-Kontrolleure: Die Studiengänge sind im
Lande sehr unterschiedlich ausgelastet. Während zum
Beispiel die Agrar- und Ernährungswissenschaften an der
der Kieler Christian Albrechts Universität (CAU) mit
einer Quote von 114,4 Prozent überfüllt sind, gibt es
bei den Ingenieurwissenschaften Luft nach oben: Hier sind
lediglich 66,3 Prozent der Studienplätze belegt. Auch
zwischen den schleswig-holsteinischen Unis klaffen große
Unterschiede. So weist die Universität Lübeck mit 73
Prozent die geringste Auslastungsquote aller norddeutschen
Unis im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften auf.
Die CAU liegt im gleichen Bereich mit 95,6 Prozent
hingegen über dem norddeutschen Schnitt.
Professor der Ingenieurwissenschaften betreute
an der CAU durchschnittlich 1,9 Studenten
Starke
Unterschiede gibt es zudem bei den Kosten eines
Studienplatzes. So schlägt ein Platz im sprach- und
kulturwissenschaftlichen Sektor an der Uni Flensburg mit
4.500 Euro pro Jahr zu Buche. Ein Agrar-Platz in Kiel
kostet hingegen 16.700 Euro. Auch die Absolventenquoten
zeigen eine große Spreizung zwischen den Unis und den
verschiedenen Studiengängen. So führte ein Professor der
Ingenieurwissenschaften an der CAU im Jahr 2006
durchschnittlich lediglich 1,9 Studenten zum Abschluss –
im norddeutschen Schnitt waren es 4,9. Demgegenüber
legten an der Uni Flensburg pro Jahr 18,1 junge Leute ihre
Abschlussprüfungen in Rechts-, Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften ab. Damit rangierte die Nord-Uni ein
Drittel über dem Schnitt.
Bei der
Einschätzung der eigenen Lage zeigt sich ein buntes Bild
im Lande. Die CAU hat die Vorgaben der Zielvereinbarung,
etwa bei der Schärfung von Studienschwerpunkten,
überwiegend erfüllt, macht aber Probleme bei der
Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem geltend.
Eine „schwierige Lage" attestiert das
Wissenschaftsministerium der Uni Flensburg, wo die
Anerkennung des Lehramtsstudiums wegen der mangelhaften
Personalausstattung zwischenzeitlich auf der Kippe stand.
Demgegenüber stellt die Uni Lübeck fest, dass es ihr in
den vergangenen Jahren gelungen sei, ihr Profil zu
schärfen, etwa im Bereich Medizintechnik/Life Sciences.
Vorgaben an die Profilbildung
Mit den
Zuschüssen sind Vorgaben an die Profilbildung der
Hochschulen verbunden. So soll die CAU neben den
Schwerpunkten Meereswissenschaften und Geowissenschaften
die Bereiche Nanowissenschaften und Oberflächenforschung
sowie das geistes- und gesellschaftswissenschaftliche
Themenfeld "Kulturelle Räume" in den Blickpunkt
rücken. Die Uni Lübeck, deren Schwerpunkt in der
Biomedizintechnik liegt, soll sich besonders um die Themen
"Gehirn, Hormone und Verhalten", „Infektion
und Entzündung" sowie "Technik und Informatik
in der Biomedizin" kümmern. Die Uni Flensburg ist
die "Lehrerschmiede" des Landes. Hier stehen
Erziehungs- und Vermittlungswissenschaften im Zentrum.
Kernaufgabe ist es laut der Zielvereinbarung zwischen Land
und Uni, „diese Studiengänge insbesondere durch eine
verbesserte Personalstruktur zu konsolidieren".
Vorherige
Debatte zum Thema:
plenum-online Dezember
2008
Stichwort: Zielvereinbarungen
Derzeit läuft die Förderperiode 2009 bis 2013. Hier sind
pro Jahr rund 240 Millionen Euro für die neun
Universitäten und Fachhochschulen im Lande vorgesehen.
Größter Empfänger ist die Kieler CAU mit 141,4
Millionen. Es folgen die Uni Lübeck (23,5 Millionen
Euro), die Fachhochschule Kiel (19,2 Millionen), die Uni
Flensburg (16,7 Millionen) und die Fachhochschule Lübeck
(15,9 Millionen / Zahlen für 2009). Etwaige
Kostensteigerungen im Personalbereich durch neue
Tarifabschlüsse sollen zusätzlich aus dem Landeshaushalt
finanziert werden.
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