Novelle des
Hochschulgesetzes reagiert auf Studentenproteste
Leistungsdruck in Bachelor- und
Masterstudiengängen wird entschärft
Kiel (SHL/26.01.) Mit den
Stimmen der schwarz-gelben Koalition hat der Landtag die von der
Landesregierung vorgelegte Neufassung des Hochschulgesetzes
verabschiedet. Für Schleswig-Holsteins Studenten bedeutet dies
einige Erleichterungen. So verringert sich beispielsweise die Zahl
ihrer Prüfungen auf eine pro Themenschwerpunkt. Damit hat die
Landesregierung Konsequenzen aus den Klagen der Studenten gezogen,
die vor zwei Jahren bundesweit gegen den Leistungsdruck in den neuen
Bachelor- und Masterstudiengängen protestiert hatten. Neu ist auch,
dass besonders gute Bachelor-Absolventen von Fachhochschulen
künftig auch ohne einen Masterabschluss zur Promotion zugelassen
werden. Ferner sollen Bewerber mit „einschlägigen"
beruflichen Vorkenntnissen ihren Master machen können.
Mit Blick auf die Studenten-Proteste sprach
Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) in der Debatte von
zeitlich drängenden und notwendigen „Nachjustierungen". Er
kündigte darüber hinaus eine noch umfangreichere, grundsätzliche
Reform des Hochschulgesetzes an. Die Opposition kritisierte indes
einige Eckpunkte in der jetzt verabschiedeten Novelle: So monierten
Abgeordnete von SPD und Grünen, dass die Master-Zulassung künftig
von der Bachelor-Note abhängen soll. Diese Änderung sei per
Änderungsantrag im "Hau-Ruck-Verfahren" in den Ausschuss
eingebracht worden und ohne gründliche Beratung in das Gesetz
eingeflossen. In der alten, breiter
angelegten Regelung sei von „besonderen Zulassungskriterien"
die Rede gewesen.
Koalition lehnt "Teilzeit-Studium" ab
Keine Mehrheit fanden die Änderungsanträge der
Opposition. SPD, Grüne und SSW hatten unter anderem die Stärkung
der Gleichstellungsbeauftragten sowie eine flexiblere
Studiengestaltung, die ein Teilzeit-Studium ermöglicht, ins Auge
gefasst.
Grundsätzlich gesprächsbereit zeigte sich Minister
de Jager, was die von SPD, Grünen und SSW sowie von den Linken
geforderte Abschaffung des Universitätsrates anbelangt. Allerdings
warnte er vor einer übereilten Entscheidung. Zunächst müsse
herausgefunden werden, ob man diese Klammer zwischen den
Universitäten Kiel und Lübeck beibehalten oder ob man zurück zum
alten Zustand wolle. Erst wenn das geklärt sei, könne man sich „über
Neues" unterhalten.
Der turnusmäßige Bericht des Ministers zum
Zielvereinbarungs-Controlling mit den Universitäten wurde an den
Bildungsausschuss überwiesen. Darin konstatierte de Jager, dass
sich die Universitäten „alles in allem positiv entwickeln".
Er kündigte in diesem Zusammenhang an, dass es künftig statt der
jährlich geforderten Berichterstattung nur noch einen Bericht zur
Mitte und zum Ende der Legislaturperiode geben werde. Dies würde
den Hochschulen Arbeit abnehmen und gleichzeitig zu
aussagekräftigeren Berichten führen.
Die Landesregierung wurde zudem von CDU, SPD, FDP
und Grünen aufgefordert, das Parlament bis zum Herbst über die
Möglichkeiten zur Umstrukturierung des Universitätsrates und des
Medizinausschusses zu unterrichten.
Hauptredner:
Daniel Günther (CDU), Martin Habersaat (SPD), Kirstin Funke (FDP),
Rasmus Andresen (Grüne), Björn Thoroe (Linke), Anke Spoorendonk
(SSW)