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Auf dieser Seite: Rechtsextremen-Demonstration

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Top 25
Aufmarsch der Faschist_innen in Lübeck verbieten
Antrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 17/2154(neu) 
Änderungsantrag der Fraktionen von SPD, B90/DIE GRÜNEN
und SSW - Drucksache 17/2214
Änderungsantrag der Fraktionen von CDU und FDP, SPD, 
B90/DIE GRÜNEN und SSW - Drs. 17/2216(neu)

Landtag: Alle Register für ein rechtssicheres Verbot von Lübecker Neonaziaufmarsch ziehen

Kiel (SHL/27.01.) Der Landtag stellt sich einvernehmlich und mit Nachdruck gegen die geplante Demonstration von Rechtsextremen am 31. März in Lübeck. CDU, SPD, FDP, Grüne und SSW forderten nach emotionaler Debatte in einem gemeinsamen Antrag Innenminister Klaus Schlie (CDU) auf, "alle Informationen und Anhaltspunkte, die eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit begründen", der Versammlungsbehörde in Lübeck mitzuteilen und so auf ein rechtssicheres Verbot des Aufmarsches hinzuwirken . Hintergrund: Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hatte mit Blick auf das Demonstrationsrecht Bedenken geäußert und befürchtet, vor Gericht mit einem Verbotsantrag zu scheitern. Ein Verbot kann nur die Stadt als oberste Versammlungsbehörde aussprechen.

In der von den Linken angestoßenen Debatte wiederholte auch Innenminister Schlie seine Forderung an Saxe (SPD), den Aufmarsch in diesem Jahr zu verbieten. Er werde der Stadt Lübeck in enger Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden bis kurz vor der Versammlung alle relevanten Daten und Erkenntnisse zur Sicherheitslage überlassen, so Schlie.

Die Verbindungen der sogenannten Zwickauer Terrorzelle nach Schleswig-Holstein seien deutlich, betonte Uli Schippels (Linke) und zog das Fazit: Da "von den Faschisten eine konkrete Gefahr" ausgehe, sei ein Verbot auch zu rechtfertigen. Doch genau an diesem Punkt entzündete sich ein Streit: Auch Verwaltungen müssten sich an geltendes Recht halten und dürften nicht den Eindruck erwecken, willkürlich zu handeln und so den Neonazis die Chance bieten, vor Gericht Recht zu bekommen, meinte der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki. "Geben wir die Grundrechte von Versammlungs- und Meinungsfreiheit preis, haben uns die Nazis genau da, wo sie uns haben wollen", gab auch die SSW-Fraktionsvorsitzende Anke Spoorendonk zu Bedenken.

Schlie wies im Plenum die Kritik der Opposition zurück, er habe es mit seiner öffentlichen Aufforderung für ein Verbot der Demo schwerer gemacht, tatsächlich die Versammlung zu verhindern. "Das ist absurd." Er sei dazu sogar "verpflichtet", weil es aufgrund der rechtsterroristischen Morde "eine andere Situation als in den Vorjahren gibt, um die Demo in anderer Weise mit anderen Mitteln zu begutachten".

Landtag würdigt auch die Arbeit der Polizei

In dem interfraktionellen Antrag, dem sich zwei Politiker der Linken nicht anschlossen, sprachen sich die Abgeordneten gegen "jede Form von Rassismus, Faschismus und rechter Gewalt" aus und lobten die Arbeit der Polizei, "die immer wieder unter schwierigsten Bedingungen das Grundrecht der Demonstrationsfreiheit schützen, mögliche Ausschreitungen unterbinden und Leben und Gesundheit in ihrem Dienst am Gemeinwesen einsetzen".

Die Demonstration der Neonazis in Lübeck findet seit mehreren Jahren am Jahrestag der Bombardierung der Hansestadt im Jahr 1942 statt. Im vergangenen Jahr waren rund 4.000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz, um den Aufmarsch zu ermöglichen. Am 1. Mai ist zudem eine Demonstration von Neonazis in Neumünster geplant, die zeitgleich mit den Feiern der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit stattfinden soll.

Weitere Hauptredner: Werner Kalinka (CDU), Serpil Midyatli (SPD), Gerrit Koch (FDP), Luise Amtsberg (Grüne)

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Hintergrund:
Die Linken rufen die Landesregierung auf, die alljährliche Demo von Rechtsexteremen in Lübeck, die für den 31. März geplant ist, zu verbieten. Das Land müsse der Lübecker Stadtverwaltung eine entsprechende Weisung erteilen. Die Demonstration findet seit mehreren Jahren am Jahrestag der Bombardierung Lübecks im Jahr 1942 statt. Es sei "nicht zu akzeptieren", dass Rechtsextreme das Leid der Bombenopfer missbrauchten, um den Völkermord der Nazis zu relativieren, so die Linken.

Im Innen- und Rechtsausschuss des Landtages hat Innenminister Klaus Schlie (CDU) in der vergangenen Woche berichtet, dass eine Arbeitsgruppe von Innenministerium, Stadt Lübeck und Polizei ein Verbot des Aufmarschs prüfe. Die Gesamteinschätzung der Situation in Lübeck sei nach Aufdeckung der Morde durch das rechtsextreme Zwickauer Neonazi-Trio eine andere als vorher. Schlie hatte Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) öffentlich aufgefordert, ein Verbot zu erlassen. Saxe hat jedoch angesichts des hohen Stellenwerts des Demonstrationsrechts rechtliche Bedenken und fürchtet, vor Gericht mit einem Verbotsantrag zu scheitern.

Ob und welche Erkenntnisse konkret vorliegen, um den Aufmarsch am 31. März zu verbieten, wollte Schlie nicht sagen. Er verwies aber allgemein auf mögliche Verbindungen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zur NPD und Vorfälle in Ratzeburg. Dort hatte es Silvester Randale mit Rechtsradikalen gegeben. Später schrieben Unbekannte Drohungen gegen den Bürgermeister und volksverhetzende Graffitis an die Wände.

vorherige Debatte zum Thema:
plenum-online
März 2011

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