Kiel (SHL/27.01.)
Regierungsfraktionen und Opposition wollen die
Beschäftigungssituation von Nachwuchswissenschaftlern und die
finanzielle Ausstattung der Hochschulen einer kritischen Analyse
unterziehen. Die Abgeordneten reagierten damit auf einen Antrag der
Linken, der zur weiteren Beratung an den Bildungsausschuss
überwiesen wurde. Die Oppositionsfraktion hatte unter anderem
gefordert, für Zeitverträge der Wissenschaftler eine
Mindestlaufzeit von einem Jahr festschreiben zu lassen und
sogenannte Kettenbefristungen abzuschaffen.
Den konkreten Forderungen der Linken mochte eine
breite Mehrheit in der Debatte allerdings nicht folgen:
Vertragsverhandlungen sei Sache der Hochschulen und der Bewerber,
konstatierten Redner von CDU, SPD und FDP. Zudem stelle sich die
Frage, ob die Universitäten und Fachhochschulen überhaupt in der
Lage seien, derartige Arbeitsverhältnisse dauerhaft zu finanzieren.
Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) wies darauf hin, es sei das
Wesen von Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, dass diese
befristet seien. Würden Sie fest eingerichtet, könnte sich neuer
Nachwuchs darauf nicht mehr qualifizieren, womit der Wissenschaft
"ein Bärendienst" erwiesen würde, so de Jager.
Die "prekäre Beschäftigung" sei für 85
Prozent der Wissenschaftler "traurige Realität", beklagte
dagegen Björn Thoroe (Linke) und nannte als Grund dafür, eine
dauerhafte Unterfinanzierung der Universitäten. Die Landesregierung
würde dadurch die Abwanderung von wissenschaftlichen Fachkräften
in Kauf nehmen und damit langfristig die Qualität von Wissenschaft
und Forschung gefährden. Grüne und SSW schlossen sich den Aussagen
der Linken an. Die SSW-Fraktionschefin Anke Spoorendonk warf dem
"akademsichen Mittelbau" allerdings vor, sich nicht mit
Hilfe der Gewerkschaften für eine Änderung der
Beschäftigungsbedingungen einzusetzen.
An Schleswig-Holsteins Hochschulen arbeiten nach
einem Bericht der Landesregierung insgesamt 2.028 Personen im
wissenschaftlichen Bereich. Darunter sind neben den gut 1.000
Professoren insgesamt 956 Doktoranden oder wissenschaftliche
Mitarbeiter.