plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Kreisreform – Volksinitiative

xxx

Top 17:
Entwurf eines Gesetzes zur Änderung der Kreisordnung
Antrag der Volksinitiative gegen die Zusammenlegung von Kreisen ohne deren Zustimmung – Drucksache 16/1147
(Ausschussüberweisung am 9. Mai 2007)
Bericht und Beschlussempfehlung des Innen- und Rechtsausschusses
Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 16/1489,
16/1495
 
-Plenarprotokoll-

Kreisreform? Gespaltenes Echo auf
Dithmarscher Volksinitiative

Kiel (SHL/12.07.) Die Dithmarscher Volksinitiative gegen eine von "oben" verordnete Kreisreform hat im Landtag erneut die unterschiedlichen Auffassungen in dieser Frage zu Tage gefördert: Innenminister Ralf Stegner (SPD) und seine Parteikollegen in der Fraktion machten sich bei der Ersten Lesung des Entwurfes der Initiative zur Änderung der Kreisordnung erneut für eine Neugestaltung der Kommunalstruktur nach ökonomischen Gesichtspunkten stark. Wirtschaftlichkeit sei nicht alles, hieß es dagegen bei der CDU. Grundsätzlich betonte die schwarz-rote Koalition ihren Zeitplan: Eine Expertenkommission soll bis zum Herbst Zahlen präsentieren, danach soll über eine mögliche Zusammenlegung der elf Landkreise und vier kreisfreien Städte im Lande entschieden werden. Auch die Opposition vertrat unterschiedliche Standpunkte: Während die Grünen eine umfassende "Reform der gesamten Kommunalstruktur" forderten, unterstützten FDP und SSW die kritische Position der Dithmarscher.

Die zwischen Elbe und Eider gestartete "Volksinitiative gegen die Zusammenlegung von Kreisen ohne deren Zustimmung" hatte 32.000 Unterschriften gesammelt und damit das nötige Quorum von 20.000 für eine intensive Behandlung im Parlament  erfüllt. Sollte der Landtag den Vorstoß auch nach der Beratung im Innen- und Rechtsausschuss und Zweiter Lesung ablehnen, so haben die Initiatoren die Möglichkeit, über ein Volksbegehren einen Volksentscheid herbeizuführen. Die Zweite Lesung ist im September geplant.

SPD-Politiker weist "regional-opportunistisches Einzelbegehren" zurück

Nicht nur mögliche Einsparungen seien entscheidend, betonte Werner Kalinka (CDU) in der Aussprache. Auch die lokale Tradition und die Interessen kommunaler Ehrenamtler an überschaubaren Verwaltungsgebieten müssten eine Rolle spielen. Demgegenüber wies Klaus-Peter Puls (SPD) "regional-opportunistisches Einzelbegehren" scharf zurück: "Die Dithmarscher wollen, dass alles so bleibt wie es ist, auch wenn eine Reform wirtschaftlicher und kostengünstiger ist." Auch Innenminister Stegner sprach sich für eine "übergeordnete Betrachtungsweise" anstatt "regionaler Betroffenheiten" und "Kirchturmpolitik" aus.

Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel wandte sich gegen eine "Gebietsreform nach Lust und Laune". Wichtig sei es, zunächst starke Kommunen zu bilden und Aufgaben vom Land auf die Ämter und Gemeinden zu übertragen. Erst danach würden Großkreise Sinn machen.

FDP: "Nehmen Sie die Signale wahr..."

Günther Hildebrand (FDP) und Anke Spoorendonk (SSW) sahen die Initiative als Beleg dafür, wie weit sich die Koalition "von den Bürgern entfernt" habe. "Nehmen Sie die Signale wahr, es kann für Sie sonst nur noch schlimmer kommen", appellierte Hildebrand in Richtung der schwarz-roten Koalition. Und Spoorendonk lobte die "ganz hervorragende" Arbeit der derzeitigen Kreisstruktur. Sie forderte, einen möglichen Volksentscheid zeitgleich mit der Kommunalwahl am 25. Mai nächsten Jahres abzuhalten. Dieses Ansinnen wies Minister Stegner zurück: "Die vorgeschriebenen Verfahren sind einzuhalten" – dies brauche Zeit.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
  Der Gesetzentwurf der "Volksinitiative gegen die Zusammenlegung von Kreisen ohne deren Zustimmung" wird in Erster Lesung vom Landtag debattiert, nachdem der Vorstoß in den vergangenen Monaten alle formalen Hürden übersprungen hat (plenum-online Mai 2007).
  Die vor allem aus Dithmarschen stammenden Kreisreform-Gegner fordern, die Kreisordnung um folgenden Satz zu erweitern: "Gebietsänderungen sind nur zulässig, wenn die betroffenen Kreise einverstanden sind." Damit reagieren sie auf die aktuelle Diskussion um eine mögliche Kreisgebietsreform. Innenminister Ralf Stegner (SPD) hat im März ein Gutachten vorgelegt, das erhebliche Einspar-Potenziale bei der Einführung von Großkreisen sieht: Sollten die derzeit elf Kreise und vier kreisfreien Städte zu Einheiten von 500.000 Einwohnern zusammengefasst werden, so würden sich der Studie zufolge jährliche Einspar-Potenziale von 80 Millionen Euro ergeben. Dies wird unter anderem vom Landkreistag bestritten, der dem Minister "konstruierte Argumente" vorwarf. In den nächsten Monaten will die Landesregierung ein Expertengutachten zu dem Thema vorlegen. Ursprünglich hatte die Koalition geplant, Grundlagen für eine Kreisreform bis 2008 festzuschreiben, so dass die Reform 2010 in Kraft treten kann.
  Die Dithmarscher Reform-Kritiker hatten Landtagspräsident Martin Kayenburg im Dezember 32.000 Unterschriften überreicht und damit das nötige Quorum von 20.000 Unterschriften erfüllt. Im Frühjahr hat dann der Innen- und Rechtsausschuss, basierend auf einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Landtages, festegestellt, dass das Anliegen nicht im Widerspruch zu den Bestimmungen der Landesverfassung steht.

Vorherige Debatten zum Thema: plenum-online, Mai 2007
plenum-online, Oktober 2006

Stichwort: Volksinitiative, Volksbegehren, Volksentscheid
  
Schleswig-Holstein kennt ein dreistufiges Verfahren der Bürgerbeteiligung, bestehend aus Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid.
Eine Volksinitiative kann mit den Unterschriften von 20.000 Stimmberechtigten Bürgern eingeleitet werden. Entscheidet der Landtag innerhalb von vier Monaten nicht oder ablehnend über den Antrag der Volksinitiative, kommt es zu einem Volksbegehren. Das Begehren ist erfolgreich, wenn es von mindestens fünf Prozent der Stimmberechtigten unterstützt wird – das sind derzeit rund 110.000 Bürger. Die Unterschriften dürfen nicht frei gesammelt, sondern müssen in amtlichen Eintragungsräumen geleistet werden. Die Frist hierfür beträgt sechs Monate.
   Beim anschließenden Volksentscheid, der innerhalb von neun Monaten nach dem Volksbegehren durchzuführen ist, ist der vorgelegte Gesetzentwurf angenommen, wenn ihm mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten zustimmen.
   In Schleswig-Holstein verlief bislang ein Volksentscheid erfolgreich: 1998 lehnten die Schleswig-Holsteiner die Einführung der umstrittenen Rechtschreibreform ab – mehr als 41 Prozent der Wahlberechtigten stimmten gegen die Reform. Allerdings hob der Landtag von Schleswig-Holstein diese Willensbekundung des Souveräns nicht einmal ein Jahr nach dem Volksentscheid auf und beschloss, die Rechtschreibreform an den Schulen des Landes einzuführen.

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde: - - -

Dringlichkeit: - - -

Regierungserklärung:
Fehmarnbelt-Querung

Außerdem notiert: 

I n n e n  / R e c h t

2. Lesungen:
Landesverfassung / Kinderschutz
Kommunal-Abgabengesetz
Architekten-/Ingenieur-
kammergesetz

(ohne Aussprache)
1. Lesungen:
Landes-Verfassungsgericht
Maßregelvollzug
Jugendstrafvollzug
Kreisreform / Volksinitiative
Anträge:
Abschiebehaft
Staats-Angehörigkeitsrecht
Minderjährige Flüchtlinge
(ohne Aussprache)
Berichte:
Organstreitverfahren um
5-Prozent-Sperrklausel

(ohne Aussprache)
Verfassungsgerichtsverfahren
(ohne Aussprache)

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

2. Lesung:
Öffentl. Gesundheitsdienst
1. Lesungen:
Nichtrauchergesetz
Kinder-Untersuchungen
Heilberufe-Gesetz
(ohne Aussprache)
Anträge:
Atomkraftwerke / Unfälle
"Arbeitshilfe" für seelisch-
behinderte Jugendliche
Hartz IV / ARGEN
Dt.-dän. Arbeitsvermittlung
Aktionsplan Demenz
Pflege
Bericht:
Patientenverfügung

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

1. Lesungen:
Einschulung
Gemeinschaftsschulen
Wahl:
Medienrat
(ohne Aussprache)
Anträge:
Stundenzahl Lehrer
Ganztagsschulen
Dänisch-Unterricht
Informatik-Unterricht
Bachelor-/Masterausbildung
im Lehramtsstudium
Große Anfrage:
Berufliche Bildung
Bericht:
KiTa-Angebote
(ohne Aussprache)

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

2. Lesung:
Strategische Umweltprüfung
(ohne Aussprache)
1. Lesungen:
Landes-Wassergesetz
Bodenschutz / Staatsvertrag
(ohne Aussprache)
Anträge:
Vogelschutz-Gebiete
Bericht:
Klimaschutz Landwirtschaft
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

2. Lesung:
Tariftreue-Gesetz
Regierungserklärung:
Fehmarnbelt-Querung

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Anträge:
EU-Ratspräsidentschaft
Parlamentsforum
Südliche Ostsee

F i n a n z e nt

- - -