Den jüngst vorgestellten Plänen zufolge will die
Koalition von den 4.200 Lehrerstellen, die angesichts sinkender
Schülerzahlen zwischen 2010 und 2020 abgebaut werden könnten,
1.300 an den neuen Gemeinschafts- und Regionalschulen halten. Die
Hälfte des Geldes, das das Land in dieser Zeit wegen sinkender
Schülerzahlen sparen könnte, soll in die Bildung fließen – das
wären etwa 540 Millionen Euro. Dies sei "kein
Aufbruchssignal", bemängelte die Grüne Birk, denn
schließlich sollten insgesamt 2.900 Stellen wegfallen.
Einheitliche 26 Wochenstunden: FDP kritisiert
unterschiedliche Startvoraussetzungen
Für die Lehrer im Lande bedeuten die schwarz-roten
Pläne neue Pflichtstunden: Vom Schuljahr 2010/2011 an sollen alle
Lehrer an Regional- und Gemeinschaftsschulen einheitlich 26
Wochenstunden in der Sekundarstufe I, den Klassen 5 bis 10, geben.
Die Regelung gilt für Pädagogen, die bisher an Hauptschulen
(bisher 27,5 Stunden) und Realschulen (27) unterrichten, ebenso wie
für Lehrer in Sekundarstufe I an Gesamtschulen (25,5), die zu
Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. Für Oberstufenlehrer
bleibt es bei 24,5 Stunden.
FDP-Bildungsexperte Ekkehard Klug kritisierte, dass
diese Angleichung erst in drei Jahren in Kraft treten soll. So
würden die Lehrer in den neuen Gemeinschafts- und Regionalschulen
mit unterschiedlichen Startvoraussetzungen den Dienst antreten –
dies sei eine "heftige Hypothek". Es werde einen
fließenden Übergang geben, verteidigte dagegen Ministerin
Erdsiek-Rave die Koalitionslinie: Die neuen Schulen würden von
unten, von der 5. Klasse aufwachsen, und die Lehrer würden
zunächst noch überwiegend im gegliederten System arbeiten.
Außerdem haben sich CDU und SPD darauf
verständigt, etwa 15 so genannte gebundene Ganztagsschulen an
sozialen Brennpunkten mit vielen Einwanderer-Kindern zu fördern.
Dafür soll es bis 2009 dann 50 zusätzliche Lehrerstellen geben.
Einer weiteren Einführung von gebundenen Ganztags-Schulen trat Anke
Spoorendonk (SSW) entgegen: Der Ganztags-Unterricht könne zur
"Überforderung" vieler Kinder führen. Sie plädierte
stattdessen dafür, offene Ganztags-Schulen mit "qualifiziertem
Personal" und sozialpädagogischer Betreuung zu fördern.
CDU und SPD kritisieren "ständiges
Herumbasteln"
der Grünen-Fraktion an der Reform
Susanne Herold (CDU) und Henning Höppner (SPD)
hielten die Grünen-Forderungen für "kalten Kaffee" und
mittlerweile "gegenstandslos". Herold hielt das
Bildungspaket für einen "bedeutenden und zukunftsweisenden
Schritt". Höppner warf den Grünen vor, durch "ständiges
Herumbasteln" am Schulgesetz bei den Betroffenen
"Rechtsunsicherheit" zu schaffen. Beide lehnten
insbesondere die Forderung ab, die Neugründung von
Gemeinschaftsschulen "auf der grünen Wiese" zuzulassen.
Herold sah dies als "Fantastereien von Neugründungen" an
– aufgrund der Geburtenzahlen würden Gemeinschaftsschulen
grundsätzlich aus bereits bestehenden Einrichtungen hervorgehen.
Grundlage der Debatte waren ein Gesetzentwurf und
zwei Anträge der Grünen, die nun im Bildungsausschuss weiter
beraten werden sollen.