Gute Noten für die Ausbildung im Lande erteilte
die Ministerin vor allem den Berufsschulen: Deren hohe
"Durchlässigkeit" beim Erwerb von Schulabschlüssen und
die "vielfältige Praxis" bezeichnete sie als
"beispielgebend". Erdsiek-Rave warb vor diesem
Hintergrund erneut für den Ausbau aller Berufsschulen zu
regionalen Bildungszentren, in denen Erstausbildung und
Weiterbildung Hand in Hand gehen. Unisono würdigten auch die
Abgeordneten die Ausbildungsleistungen der Berufschulen.
Gleichzeitig wurde im Plenum aber eine mangelnde Präsenz dieser
Schulart in der öffentlichen Wahrnehmung bedauert; dies werde der
Bedeutung der Berufschule nicht gerecht.
Kritische Stimmen galten der allgemeinen
Ausbildungssituation im Land: So warben insbesondere die
Oppositionsparteien angesichts der hohen Zahl von Schulabgängern
ohne dualen Ausbildungsplatz für eine Flexibilisierung und
Modernisierung der Ausbildungsbedingungen und -möglichkeiten.
Union und SPD monierten unter anderem die hohe Zahl der
Ausbildungsabbrecher.
Die Landesmittel für die berufliche Bildung haben
sich von 1990 bis 2005 von 145,6 Millionen Euro auf 192,8
Millionen erhöht. Der Löwenanteil kam dabei aus dem Haushalt des
Bildungsministeriums. Hierzu gehören auch die Gehälter der
Lehrer. Seit 1990 hat sich die Zahl der Jugendlichen, die im
traditionellen dualen System ausgebildet werden, von 66.596 auf
54.376 verringert. Demgegenüber ist die Schülerzahl an den
Vollzeit-Berufsschulen (Berufsfachschule und Berufliches
Gymnasium) gestiegen: 1990 waren es 14.480, 2005 dann 20.910.
Die Antwort zur Großen Anfrage wurde an den
Bildungsausschuss und mit beratend an den Wirtschaftsausschuss
überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Ekkehard Klug (FDP): Die berufliche Bildung
ist für die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft von zentraler
Bedeutung. Für 86.000 junge Bürger des Landes ist sie die
Ausgangsbasis für den Weg ins Berufsleben.
Sylvia Eisenberg (CDU): Es wird viel zu
häufig vergessen, dass die berufliche Bildung den Weg zu allen
Schulabschlüssen bietet. Dieses Nischendasein zeigt sich daran,
dass sich im Landtag lediglich fünf Prozent aller
Bildungsdebatten mit der beruflichen Bildung befassen.
Jutta Schümann (SPD): Trotz des Bündnisses
für Arbeit gibt es keinen Grund zur Entwarnung auf dem
Ausbildungsmarkt: 25 bis 30 Prozent der Ausbildungsverträge
werden vorzeitig aufgelöst; ein Großteil vor Ende der Probezeit.
Angelika Birk (Grüne): Neben den aktuellen
Schulabgängern gibt es die Bugwelle der Altbewerber. Deren Zahl
liegt bei 57 Prozent. Dieses Problem kann das duale System nicht
allein lösen. Deshalb muss man sich Gedanken über die
beruflichen Lernfelder der Zukunft machen.
Anke Spoorendonk (SSW): Es kann nicht angehen,
dass heute ein Drittel aller Abiturienten den Umweg über das
Berufliche Gymnasium machen müssen, um die allgemeine
Hochschulreife zu erlangen. Dies sollte Aufgabe der
allgemeinbildenden Schulen sein.