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Dänisch-Kenntnisse
angestrebt – ohne "Aktionsplan"
Regierungstragende
Fraktionen setzen sich durch
Kiel (SHL/12.07.)
Die Menschen im Norden Schleswig-Holsteins sollen bessere
Möglichkeiten zum Erlernen der dänischen Sprache erhalten. Diese
Forderung unterstrichen Redner aller Fraktionen bei einer vom SSW
angestoßenen Debatte. Dänisch sei der Schlüssel zum boomenden
Arbeitsmarkt im Norden und verbreitere das Verständnis für die
Kultur des Nachbarlandes, hieß es parteiübergreifend. Ob hierzu
allerdings ein "Aktionsplan" der Landesregierung
notwendig ist, wie vom SSW angeregt, blieb umstritten. CDU und SPD
beantragten in einem nachgereichten Antrag als ersten Schritt
zunächst von der Regierung einen Zustandsbericht, der bis Oktober
vorliegen soll. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) betonte
ihre Skepsis gegenüber dem SSW-Konzept: Das Dänisch-Angebot
müsse sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.
Damit spielte die
Ministerin auf die zuletzt rückläufigen Schüler-Zahlen in
diesem unterrichtsfach an. Laut dem im Juni vorgestellten
Sprachencharta-Bericht der Landesregierung haben 2005/06 insgesamt
157 Grundschulkinder im Lande Dänisch gelernt. 2002/03 waren es
noch 374. Die rückläufige Tendenz erklärt der Bericht mit der
Einführung des Englisch-Unterrichts an Grundschulen. Die
Volkshochschulen freuen sich demgegenüber über großen Zulauf.
Im Lande wurden 2005 in 438 Dänischkursen 4.604 Interessierte
unterrichtet. Damit ist Dänisch nach Englisch, Spanisch und
Französisch die viert beliebteste Sprache.
SSW peilt
"obligatorischen Dänisch-Unterricht" an
allen Schulen im Landesteil Schleswig an
Anke Spoorendonk (SSW)
führte den zuletzt rückläufige Trend an den Schulen darauf
zurück, dass es zu wenige Dänisch-Lehrer gebe. Deshalb müsse
die Lehrerausbildung verbessert werden. Ziel müsse ein
"obligatorischer Dänisch-Unterricht" an allen Schulen
im Landesteil Schleswig sein. "Die Dänen sprechen Deutsch
sehr viel besser" als die meisten Deutschen Dänisch,
ergänzte Detlef Matthiessen (Grüne).
Angesichts der
Nachfrage sei die SSW-Forderung "überzogen", befand
Ministerin Erdsiek-Rave. Auch Susanne Herold (CDU) bemängelte
mangelndes Interesse: Vor allem die Jugendlichen hätten die
Bedeutung der dänischen Sprache vielfach noch nicht erkannt. Das
Thema dürfe nicht nur auf den Norden des Landes fixiert werden,
mahnte Detlef Buder (SPD). Die dänische Sprache müsse auch im
südlichen Landesteil gestärkt werden, denn: "Auch von dort
pendeln viele Arbeitskräfte."
Ekkehard Klug (FDP)
warf der Koalition vor, den weiterführenden Antrag des SSW
"auszubremsen". Der von CDU und SPD beantragte Bericht
sei überflüssig, da die Zahlen schon bekannt seien.
Der Antrag des SSW
wurde mit den Stimmen von CDU und SPD abgewiesen, der
Koalitionsantrag anschließend einstimmig angenommen.
Hintergrund:
Der SSW fordert die
Landesregierung auf, bis September einen
"Aktionsplan" zur Förderung des
Dänisch-Unterrichts für die deutschsprachige
Mehrheitsbevölkerung im Landesteil Schleswig zu
erarbeiten. Demnach sollen die Unterrichtsangebote an
Kindergärten, Schulen und Volkshochschulen sowie die
Lehrerausbildung bis 2010 verbessert werden. Langfristiges
Ziel der Partei der dänischen Minderheit ist ein
obligatorischer Dänisch-Unterricht im nördlichen
Landesteil.
Zu Begründung verweist der SSW auf die Bedeutung
des dänischen Arbeitsmarktes für den Norden Deutschlands
und die wachsende grenzüberschreitende Zusammenarbeit in
vielen Lebensbereichen. Mit Bezug auf die Antworten der
Landesregierung auf zwei Kleine Anfragen (16/227,
16/878)
bedauert der SSW, dass die Anzahl der Schüler, die am
Dänisch-Unterricht teilnehmen, rückläufig ist. Dies
liege auch an der nicht ausreichenden Zahl an Lehrern. In
der Erwachsenen-Bildung wiederum sei die Nachfrage zwar
stark, das Lehrangebot reiche aber nicht aus.
Laut dem im Juni vorgestellten
Sprachencharta-Bericht der Landesregierung erhalten
zurzeit etwa 540 Kinder an sieben Kindergärten im Lande
Dänisch-Unterricht. Das Angebot reicht von einer halben
Stunde pro Woche bis zur ganztägigen Sprachförderung. An
Grundschulen kann die nördliche Nachbarsprache in den
Klassen drei und vier gelernt werden. Im Schuljahr 2004/05
haben 157 Kinder das Angebot wahrgenommen, gegenüber 374
im Jahr 2202/03. Die rückläufige Tendenz erklärt der
Bericht mit der Einführung des Englisch-Unterrichts an
Grundschulen.
An den weiterführenden öffentlichen Schulen im
Lande haben dem Bericht zufolge im Schuljahr 2005/06
insgesamt 4.312 Schüler Dänisch gelernt. 353 Schüler
lernten die Sprache im Fachgymnasium. Die
Lehrer-Ausbildung erfolgt an den Universitäten Kiel (für
Gymnasien und bis zum Wintersemester 2007/08 für
Realschulen) und Flensburg (für Grund-, Haupt- und
Sonderschulen sowie ab dem kommenden Wintersemester auch
für Realschulen). Die Volkshochschulen im Lande haben
2005 in 438 Dänischkursen 4.604 Interessierte
unterrichtet. Damit ist Dänisch nach Englisch, Spanisch
und Französisch die viert beliebteste Sprache.
In einem Änderungsantrag fordern die
Regierungsfraktionen CDU und SPD zum Oktober einen
Regierungsbericht, der über den "Stand und die
Perspektiven des Dänisch-Lernens" Aufschluss geben
soll.
Debatte zum Sprachencharta-Bericht: plenum-online, Juni
2007
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