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Aktionsplan für mehr Dänisch-Unterricht im
Landesteil Schleswig

Antrag der Abgeordneten des SSW
Änderungsantrag der Fraktionen von CDU / SPD – Drs. 16/1509
Drucksache: 16/1467
-Plenarprotokoll-

Mehr Dänisch-Kenntnisse
angestrebt – ohne "Aktionsplan"

Regierungstragende Fraktionen setzen sich durch

Kiel (SHL/12.07.) Die Menschen im Norden Schleswig-Holsteins sollen bessere Möglichkeiten zum Erlernen der dänischen Sprache erhalten. Diese Forderung unterstrichen Redner aller Fraktionen bei einer vom SSW angestoßenen Debatte. Dänisch sei der Schlüssel zum boomenden Arbeitsmarkt im Norden und verbreitere das Verständnis für die Kultur des Nachbarlandes, hieß es parteiübergreifend. Ob hierzu allerdings ein "Aktionsplan" der Landesregierung notwendig ist, wie vom SSW angeregt, blieb umstritten. CDU und SPD beantragten in einem nachgereichten Antrag als ersten Schritt zunächst von der Regierung einen Zustandsbericht, der bis Oktober vorliegen soll. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) betonte ihre Skepsis gegenüber dem SSW-Konzept: Das Dänisch-Angebot müsse sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.

Damit spielte die Ministerin auf die zuletzt rückläufigen Schüler-Zahlen in diesem unterrichtsfach an. Laut dem im Juni vorgestellten Sprachencharta-Bericht der Landesregierung haben 2005/06 insgesamt 157 Grundschulkinder im Lande Dänisch gelernt. 2002/03 waren es noch 374. Die rückläufige Tendenz erklärt der Bericht mit der Einführung des Englisch-Unterrichts an Grundschulen. Die Volkshochschulen freuen sich demgegenüber über großen Zulauf. Im Lande wurden 2005 in 438 Dänischkursen 4.604 Interessierte unterrichtet. Damit ist Dänisch nach Englisch, Spanisch und Französisch die viert beliebteste Sprache.

SSW peilt "obligatorischen Dänisch-Unterricht" an
allen Schulen im Landesteil Schleswig an

Anke Spoorendonk (SSW) führte den zuletzt rückläufige Trend an den Schulen darauf zurück, dass es zu wenige Dänisch-Lehrer gebe. Deshalb müsse die Lehrerausbildung verbessert werden. Ziel müsse ein "obligatorischer Dänisch-Unterricht" an allen Schulen im Landesteil Schleswig sein. "Die Dänen sprechen Deutsch sehr viel besser" als die meisten Deutschen Dänisch, ergänzte Detlef Matthiessen (Grüne).

Angesichts der Nachfrage sei die SSW-Forderung "überzogen", befand Ministerin Erdsiek-Rave. Auch Susanne Herold (CDU) bemängelte mangelndes Interesse: Vor allem die Jugendlichen hätten die Bedeutung der dänischen Sprache vielfach noch nicht erkannt. Das Thema dürfe nicht nur auf den Norden des Landes fixiert werden, mahnte Detlef Buder (SPD). Die dänische Sprache müsse auch im südlichen Landesteil gestärkt werden, denn: "Auch von dort pendeln viele Arbeitskräfte."

Ekkehard Klug (FDP) warf der Koalition vor, den weiterführenden Antrag des SSW "auszubremsen". Der von CDU und SPD beantragte Bericht sei überflüssig, da die Zahlen schon bekannt seien.

Der Antrag des SSW wurde mit den Stimmen von CDU und SPD abgewiesen, der Koalitionsantrag anschließend einstimmig angenommen.

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Hintergrund:
  Der SSW fordert die Landesregierung auf, bis September einen "Aktionsplan" zur Förderung des Dänisch-Unterrichts für die deutschsprachige Mehrheitsbevölkerung im Landesteil Schleswig zu erarbeiten. Demnach sollen die Unterrichtsangebote an Kindergärten, Schulen und Volkshochschulen sowie die Lehrerausbildung bis 2010 verbessert werden. Langfristiges Ziel der Partei der dänischen Minderheit ist ein obligatorischer Dänisch-Unterricht im nördlichen Landesteil.
  Zu Begründung verweist der SSW auf die Bedeutung des dänischen Arbeitsmarktes für den Norden Deutschlands und die wachsende grenzüberschreitende Zusammenarbeit in vielen Lebensbereichen. Mit Bezug auf die Antworten der Landesregierung auf zwei Kleine Anfragen (
16/227, 16/878) bedauert der SSW, dass die Anzahl der Schüler, die am Dänisch-Unterricht teilnehmen, rückläufig ist. Dies liege auch an der nicht ausreichenden Zahl an Lehrern. In der Erwachsenen-Bildung wiederum sei die Nachfrage zwar stark, das Lehrangebot reiche aber nicht aus.
  Laut dem im Juni vorgestellten Sprachencharta-Bericht der Landesregierung erhalten zurzeit etwa 540 Kinder an sieben Kindergärten im Lande Dänisch-Unterricht. Das Angebot reicht von einer halben Stunde pro Woche bis zur ganztägigen Sprachförderung. An Grundschulen kann die nördliche Nachbarsprache in den Klassen drei und vier gelernt werden. Im Schuljahr 2004/05 haben 157 Kinder das Angebot wahrgenommen, gegenüber 374 im Jahr 2202/03. Die rückläufige Tendenz erklärt der Bericht mit der Einführung des Englisch-Unterrichts an Grundschulen.
  An den weiterführenden öffentlichen Schulen im Lande haben dem Bericht zufolge im Schuljahr 2005/06 insgesamt 4.312 Schüler Dänisch gelernt. 353 Schüler lernten die Sprache im Fachgymnasium. Die Lehrer-Ausbildung erfolgt an den Universitäten Kiel (für Gymnasien und bis zum Wintersemester 2007/08 für Realschulen) und Flensburg (für Grund-, Haupt- und Sonderschulen sowie ab dem kommenden Wintersemester auch für Realschulen). Die Volkshochschulen im Lande haben 2005 in 438 Dänischkursen 4.604 Interessierte unterrichtet. Damit ist Dänisch nach Englisch, Spanisch und Französisch die viert beliebteste Sprache.
  In einem Änderungsantrag fordern die Regierungsfraktionen CDU und SPD zum Oktober einen Regierungsbericht, der über den "Stand und die Perspektiven des Dänisch-Lernens" Aufschluss geben soll. 

Debatte zum Sprachencharta-Bericht: plenum-online, Juni 2007

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