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Auf dieser
Seite: Vogelschutz-Gebiete
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Top 27:
Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen
unzureichender Ausweisung von Vogelschutzgebieten
Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen |
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Landtag streitet über
Brüsseler
Klage um Ausweisung von Vogelschutzflächen
Grüne: Minister nimmt Strafgelder in Kauf
Kiel (SHL/ 12.07.).
Die von der EU beabsichtigte Klage vor dem Europäischen
Gerichtshof um die unzureichende Ausweisung von
Vogelschutzgebieten in sieben Bundesländern, darunter auch in
Schleswig-Holstein, sorgt im Landtag für Zündstoff: Insbesondere
die Grünen warfen der Union vor, den Naturschutz bewusst zu
hintertreiben und dafür sogar Strafgelder aus Brüssel in Kauf zu
nehmen. Dem widersprach Umweltminister Christian von Boetticher
(CDU): Es sei bislang gar "nicht klar, um welche
Gebiete" es sich in der Klageschrift handele. Auch die
Begründung läge ihm noch nicht vor, erklärte er in einem von
den Grünen beantragten mündlichen Bericht. Deshalb sei eine
fachlich fundierte Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt nicht
möglich. Es gelte zunächst, so von Boetticher, den Wortlaut der
Klage abzuwarten.
Rückendeckung erhielt der Minister von Seiten der
CDU- und der FDP-Fraktion: "Was Sie hier betreiben, ist reine
Kaffeesatz-Leserei", warf die Abgeordnete der Union, Herlich
Marie Todsen-Reesen, den Grünen vor. "Die Klage verpflichtet
niemanden, Nachmeldungen im vorauseilenden Gehorsam
vorzunehmen", argumentierte Günther Hildebrand (FDP) in
dieselbe Richtung.
Sie riskieren Zwangsgelder in Millionenhöhe und
betreiben "Naturschutz mit der Flinte", wiederholte der
Grünen-Abgeordnete Detlef Matthiessen die Vorwürfe seiner
Fraktion. Kritische Töne schlugen auch die Vertreter von SPD und
SSW an: "Die Klage war vorhersehbar", konstatierte
Konrad Nabel (SPD). Und Lars Harms vom SSW befand. "Die
Landesregierung hat lediglich die politisch gewollten 2.800 Hektar
Vogelschutzgebiet ausgewiesen". Das habe der EU-Kommission
nicht gefallen können.
Zur Vorgeschichte: Die Schutzgebietsausweisung an
der Westküste ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der
Landespolitik. Die alte rot-grüne Koalition wollte ursprünglich
einen Großteil der 30.000 Hektar großen nordfriesischen
Halbinsel Eiderstedt zur Vogelschutzfläche erklären. Das
Argument: Hier leben fünf Vogelarten, die auf der EU-Schutzliste
stehen, darunter die Trauerseeschwalbe und der Goldregenpfeifer.
Damit hatte Rot-Grün massive Proteste der ansässigen Landwirte
auf sich gezogen. Sie befürchteten hierdurch wirtschaftliche
Nachteile. Die CDU hatte diese Proteste damals unterstützt. Nach
dem Regierungswechsel 2005 meldete der neue CDU-Umweltminister
Christian von Boetticher statt der geplanten 19.800 Hektar auf der
Halbinsel nur noch 2.700 Hektar als Vogelschutz-Gebiet an die EU.
Insgesamt, so die EU-Kommission nun, entspreche Deutschland nicht
den eingegangenen Verpflichtungen. Sie fordert daher
Nachbesserungen und droht mit Geldbußen.
Hintergrund:
Die Grünen verlangen einen mündlichen
Regierungsbericht, in dem die Landesregierung ihre
Einschätzung zur Ende Juni angekündigten Klage der
EU-Kommission gegen die Bundesrepublik vor dem
Europäischen Gerichtshof darlegt. Streitpunkt ist die
nach Ansicht Brüssels unzureichende Ausweisung von
Vogelschutzgebieten in Schleswig-Holstein und sieben
anderen Bundesländern.
Im Zentrum der Debatte im Lande steht die
nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt. Die
Schutzgebietsausweisung an der Westküste ist seit Jahren
ein Dauerbrenner in der Landespolitik. Die alte rot-grüne
Koalition wollte ursprünglich einen Großteil der 30.000
Hektar großen Halbinsel zur Vogelschutzfläche erklären.
Das Argument: Hier leben fünf Vogelarten, die auf der
EU-Schutzliste stehen, darunter die Trauerseeschwalbe und
der Goldregenpfeifer. Damit hatte Rot-Grün massive
Proteste der ansässigen Landwirte auf sich gezogen. Sie
befürchteten hierdurch wirtschaftliche Nachteile. Die CDU
hatte diese Proteste unterstützt.
Nach dem Regierungswechsel 2005 hat der neue
CDU-Umweltminister Christian von Boetticher statt der
geplanten 19.800 Hektar auf der Halbinsel nur noch 2.700
Hektar als Vogelschutz-Gebiet an die EU gemeldet. Dies, so
die EU-Kommission nun, entspreche nicht den von
Deutschland eingegangenen Verpflichtungen. Sie fordert
daher Nachbesserungen und droht mit Geldbußen.
Das "Dauer"-Thema basiert auf dem 1992
beschlossenen Programm "Natura 2000", in dem
sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union
verpflichtet haben, Naturschutzgebiete im Sinne der "Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
(FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie auszuweisen. Mit
Stand Juni 2006 hat das Land Schleswig-Holstein nach
Angaben des Landesamts für Natur und Umwelt 271
FFH-Gebiete mit einer Landfläche von rund 122.000 Hektar
und einer Meeresfläche von rund 572.000 Hektar
ausgewählt und gemeldet. Hinzu kommen 46
Vogelschutzgebiete mit rund 103.000 Hektar Land- und rund
741.000 Hektar Meeresfläche.
Vorherige Debatten zum
Thema: plenum-online, Januar
2006
plenum-online,
Mai
2005
Info der
Landesregierung zum Programm Natura
2000
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