plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Gesundheitscheck 

xxx

Top 34:
Gesundheitscheck der Gemeinsamen Agrarpolitik
Landtagsbeschluss vom 19. Juni 2008 – Drs. 16/2101neu
Federführend ist das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume

EU-Agrarreform: Minister kritisiert „Gesundheitscheck"

Landtag uneins über Direktzahlungen an die Bauern

Kiel (SHL/18.07.) Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher (CDU) hat bei der Neuausrichtung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik „Verlässlichkeit" für die schleswig-holsteinischen Landwirte gefordert. Die im so genannten "Gesundheitscheck" der EU vorgesehene verstärkte Umstellung der Beihilfen von Direktzahlungen an die Betriebe auf Infrastruktur-Investitionen in den ländlichen Raum würden nicht nur die Bauern, sondern auch den Landeshaushalt vor große Schwierigkeiten stellen, so der Minister. Denn: Jeder Euro aus Brüssel müsse dann in Kiel kofinanziert werden. CDU und FDP unterstützten die Kritik des Ministers. SPD, Grüne und SSW hielten hingegen den EU-Reformkurs für richtig.

Der Gesundheitscheck liefert eine Zwischenbilanz der Agrarreform von 2003. Deren Ziel war es, die Gemeinsame Agrarpolitik stärker an der Nachfrage der Verbraucher zu orientieren: Direkte Zahlungen an die Landwirte werden nun verstärkt in die Entwicklung des ländlichen Raumes umgeleitet. Die EU-Kommission schlägt nun zusätzlich eine so genannte „progressive Modulation" vor. Dies würde dazu führen, dass das Einkommen der Landwirte noch stärker sinkt als ursprünglich vorgesehen. Minister von Boetticher sprach sich gegen diese Pläne aus und forderte eine Fortsetzung der Betriebsprämien auch in der neuen EU-Förderperiode nach 2013.

Auch Günther Hildebrand (FDP) sah die angestrebte verstärkte Modulation kritisch: Kleine und mittelständische Betriebe bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, „damit sie Eigenkapital bilden können, um investieren zu können, um konkurrenzfähig zu sein". Die Agrarreform von 2003 werde heute von der Landwirtschaft weitestgehend akzeptiert, ergänzte Klaus Klinckhamer (CDU). Deshalb dürfe an den Eckpfeilern dieser Reform nicht gerüttelt werden.

Agrarzahlungen sollten sich in Zukunft nur noch an ökologischen und sozialen Kriterien orientieren, fand dagegen Detlef Matthiessen (Grüne). Ulrike Rodust (SPD) forderte, das Geld künftig in die „nötige Infrastruktur" zu stecken. Denn: „Ohne Kindergärten oder Schulen, Einkaufsmöglichkeiten oder Kulturangeboten wird der ländliche Raum weiter ausbluten." Und Lars Harms (SSW) merkte mit Blick auf die Landwirte an: „Man kann auf der einen Seite nicht immer nur nach dem Markt rufen und auf der anderen Seite an der alten Förderpolitik festhalten."

Der Regierungsbericht, den die Liberalen angefordert hatten, wird nun abschließend im Umwelt- und Agrarausschuss beraten.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
  Der Landtag befasst sich mit dem im Frühjahr von der EU-Kommission vorgestellten so genannten "Gesundheitscheck" zur Gemeinsamen Agrarpolitik. Grundlage ist ein von der FDP beantragter Bericht der Landesregierung, der die geplanten Maßnahmen überwiegend kritisch sieht.

  Ziel des "Gesundheitschecks" ist es, die Gemeinsame Agrarpolitik stärker an der Nachfrage der Verbraucher zu orientieren und direkte Zahlungen an die Landwirte zu kürzen. Deutschlands Betriebe werden laut Brüsseler Schätzungen mit rund 400 Millionen Euro weniger auskommen müssen. Diese Kürzung ginge vor allem zu Lasten der Großbetriebe in den neuen Bundesländern. Die freiwerdenden Mittel sollen in die Entwicklung des ländlichen Raumes fließen.

„Planungssicherheit und Verlässlichkeit" angemahnt

  Das Landwirtschaftsministerium wendet sich gegen eine „vorzeitige und tief greifende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik" und mahnt „Planungssicherheit und Verlässlichkeit" für die Betriebe an. Vor allem die Absicht der EU-Kommission, die direkten Agrarbeihilfen schon jetzt zu beschneiden und diese Mittel in verschiedene Förderprogramme umzuleiten - etwa für die Dorfentwicklung oder so genannte Agrarumweltmaßnahmen -, stößt auf Skepsis. Derzeit gehen jährlich 350 Millionen Euro von den direkten Agrarbeihilfen nach Schleswig-Holstein. Der Zwang zur Kofinanzierung dieser Umschichtung werde die Haushalte vieler deutscher Bundesländer vor ernste Probleme stellen. Auf jeden Euro aus Brüssel müssten die Länder einen weiteren Euro drauflegen. Möglicherweise könnten die umgeschichteten Mittel dann gar nicht abgerufen werden.

Enttäuscht zeigt sich das Ministerium ferner, dass die EU-Kommission absehbar kein konkretes Begleitprogramm für den Milchquotenausstieg formuliere, sondern lediglich eine schrittweise Erhöhung der Milchquote vorsehe. Viel unbürokratischer und daher der bessere Weg wäre nach Ansicht der Landesregierung die Einführung eines EU-weiten Ausgleichs (Saldierung) von Über- und Unterlieferungen der Milchquote sowie die Senkung der so genannten Superabgabe, die landwirtschaftliche Betriebe entrichten müssen, wenn sie mehr Milch produzieren als sie zuvor an Produktionsrechten käuflich erworben haben (s. auch Debatte zur Milchsaldierung in dieser Tagung).

Vereinfachungen mahnt die Landesregierung auch bei den so genannten Cross-Compliance-Regelungen an. Diese Vorschriften, durch die Verstöße gegen Bewirtschaftungsregeln, etwa im Bereich des Tierschutzes, mit einer Kürzung von finanziellen Beihilfen geahndet werden, seien nach wie vor zu kompliziert und fern der Praxis.

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde:
Klimaschutz/Kernenergie

Dringlichkeit:
Giftmüll-Deponie Schönberg

Außerdem notiert: 
Wirtschaftsminister Werner Marnette legt Amtseid ab

I n n e n  / R e c h t

1. Lesungen:
Wohnraum-Gesetz
Terrorismusbekämpfung
Wahlgesetz
Brandschutz-Gesetz
(ohne Aussprache)
Anträge:
Sport- und Justizvollzug
Minderheitenpolitik
Integrationskonzept
(ohne Aussprache)
Bericht:
BVG-Verfahren
(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

2. Lesung:
Medienstaatsvertrag
(ohne Aussprache)
Anträge:
Schulgeld / Privatschulen
Ausbildungssituation
Regionalschulen / Gemeinschaftsschulen
UK S-H-Sanierung
Bericht:
Hochschulen / Erichsen-Kommission

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

Aktuelle Stunde:
Klimaschutz/Kernenergie

Dringlichkeit:
Giftmüll-Deponie Schönberg

Antrag:
Milchmengen-Saldierung
Berichte:
Nachwachsende Rohstoffe
Gesundheitscheck in der Agrarpolitik

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

Anträge:
Sozialgesetzbuch II
Stationäre Versorgung
Fürsorgeeinrichtungen
Jugendaustausch
(ohne Aussprache)

F i n a n z e nt

2. Lesung:
Sparkassengesetz
Berichte:
Finanzlast des Landes
(ohne Aussprache)
Investitionsbank
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Anträge:
Tariftreuegesetz
Energiepolitik / Strompreise

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Anträge:
Parl.-Forum Südliche Ostsee
EU-Reformvertrag
Bericht:
Ostseebericht