AKW Krümmel:
Heftige
Kritik an Vattenfall
Aber: Von Boetticher gegen sofortige Stilllegung

Kiel (SHL/23.07.) Der seit
drei Tagen auch für die Atomaufsicht zuständige
Landwirtschaftsminister Christian von Boetticher (CDU) hat dem
Betreiber des Pannen-Atomkraftwerks Krümmel, dem schwedischen
Vattenfall-Konzern schwere Vorwürfe gemacht. Nach den Pannen zu
Monatsanfang gebe es erhebliche Zweifel, ob Vattenfall ein AKW
verlässlich betreiben kann, so der Minister in einer
Regierungserklärung vor dem Landtag. Weder die technische
Handhabung der Atomanlage noch die Informationspolitik des
Konzerns entsprächen den Erwartungen. Diese Einschätzung teilten
alle Fraktionen. Allerdings trat von Boetticher der gemeinsamen
Forderung von SPD, Grünen und SSW entgegen, den Reaktor sofort
stillzulegen.
Eine solche Forderung dürfe „niemals politisch
motiviert" sein, so der Minister, sondern müsse sich
ausschließlich nach den Buchstaben des Atomgesetzes richten. Für
seine Entscheidung zur Zukunft Krümmels sei ein externes
Gutachten in Arbeit – an dessen Ergebnis werde er sich
orientieren. Auch Manfred Ritzek (CDU) rief dazu auf, die „Bewertung
der Atomaufsicht zu überlassen". Heiner Garg (FDP) forderte
die Landesregierung auf, Gespräche mit der Bundesregierung und
den Kraftwerksbetreibern aufzunehmen, um die Laufzeiten alter und
anfälliger Meiler wie Krümmel auf neuere Anlagen wie Brokdorf zu
übertragen.
Trauernicht: Atomaufsicht muss
politischen
Druck ausüben
Das reichte Grünen-Fraktionschef Karl-Martin
Hentschel nicht aus. Er forderte den Minister auf, „alle
rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen", die das „laxe
und bertreiberfreundliche Atomgesetz" hergebe, und das
Kraftwerk sofort abzuschalten. Von Boettichers Amtsvorgängerin im
Bereich Atomenergie, die SPD-Abgeordnete Gitta Trauernicht, sah
das ähnlich. Aus ihrer Ministerzeit habe sie gelernt, dass die
Atomaufsicht „auch politischen Druck ausüben" müsse. Die
Chancen, „nun endlich zu einem Entzug der Betriebserlaubnis zu
kommen", seien aufgrund wiederholten Missmanagements,
technischer Pannen und menschlicher Fehler größer geworden.
Auch Lars Harms (SSW) forderte niedrigere Hürden
für die AKW-Schließung: „Schaffen Sie endgültige Sicherheit
in Krümmel, indem die gesetzliche Grundlage auf Bundesebene
geschaffen wird, dass man solche Pannenmeiler sofort abschalten
kann", appellierte er an die Landesregierung.
Parlamentarische Rüge für Vattenfall
Nach einer Pannenserie im Sommer 2007 war Krümmel
vor rund einem Monat wieder ans Netz gegangen – allerdings nur
für wenige Tage. Am 1. Juli schaltete sich die Turbine der Anlage
nach einem Trafo-Ausfall automatisch ab. Und nur drei Tage später
stand Krümmel nach einer Schnellabschaltung wieder still. Grund:
Ein Kurzschluss in einem anderen Transformator. Angeblich war beim
Wiederanfahren vergessen worden, eine Überwachungseinrichtung zu
installieren. Der Leiter des AKW musste deswegen seinen Hut
nehmen. Vattenfall will nun beide Transformatoren austauschen.
Damit würde das Werk etwa neun Monate stillstehen.
Am Ende beschloss das Parlament einstimmig eine
Rüge für Vattenfall. Zudem wird sich der für Atomfragen
zuständige Sozialausschuss weiter mit dem Thema befassen.