Im Schnitt jeder dritte Bachelor-Student breche
vorzeitig ab, weil der Lehrstoff der alten achtsemestrigen Diplom-
und Magisterstudiengänge ohne Änderung in den sechssemestrigen
Bachelor-Abschluss hineingepresst worden sei, kritisierten die
Grünen. Entsprechend gebe es an Universitäten und
Fachhochschulen überfüllte Hörsäle, zu viele Prüfungen und
eine hohe Durchfallquote. Zudem werde der Bachelor seinem Anspruch
nicht gerecht, ein berufsqualifizierender Abschluss zu sein.
Weitere Forderungen der Oppositionsfraktion: Studenten soll der
gleiche Schutz bei Krankmeldungen zustehen wie Beschäftigten. Und
die Studienberatung sowie die pädagogische Qualität der
Lehrveranstaltungen müssten verbessert werden.
Wissenschaftsminister Jörn Biel (CDU) erklärte
dagegen, die Grünen vermittelten „einen unzutreffenden Eindruck
über die Bachelor- und Masterstudiengänge". Die Umstellung
verlaufe gut, die Hochschulen würden an Nachbesserungen arbeiten.
Außerdem könne er nicht verstehen, „warum Studenten weniger
arbeiten sollen als gleichaltrige junge Menschen, die einen Beruf
ergriffen haben".
Der Antrag wurde an den Bildungsausschuss
überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Angelika Birk (Grüne):
Studenten dürfen nicht zu Versuchskaninchen der neuen
Studiengänge werden. Besonders beunruhigend ist die Entwicklung
in Fächern mit jahrelang gewachsenem Mangel an wissenschaftlich
gebildeten Fachkräften, zum Beispiel in Naturwissenschaften.
Niclas Herbst (CDU):
Natürlich gibt es Probleme. Das ist bei einer Reform dieser
Größe auch nicht verwunderlich. Man sollte den Hochschulen aber
Zeit geben, die bereits beschlossenen Zielvereinbarungen
umzusetzen.
Jürgen Weber (SPD):
Die Umsetzung an den Hochschulen läuft nicht glatt. Das war bei
einer Reform dieser Größenordnung auch nicht anders zu erwarten.
Die Probleme gehen allerdings mancherorts an die Substanz.
Deswegen ist eine kritische Zwischenbilanz richtig und sinnvoll.
Ekkehard Klug (FDP):
Die Hochschulen schotten sich wie Kleingärten von der Außenwelt
ab, die keine Mobilität mehr ermöglichen, weil die spezifischen
Anforderungen an jeder Uni sehr verschieden sind. Die Lösung
liegt in der Abkehr vom Dogma der Zweistufigkeit von Bachelor und
Master.
Anke Spoorendonk (SSW):
Es muss möglich sein, alle Studiengänge auch als
Teilzeitstudiengänge an den Hochschulen anzubieten. Nur so kann
den Studierenden, die zum Beispiel aufgrund von Nebenjobs oder
Kinderbetreuung nicht die Möglichkeit haben, Vollzeit zu
studieren, ein offizieller Studienrahmen geboten werden.