Beim Sparen setzt Wadephul auf einen „Paradigmenwechsel".
Künftig dürfe nur noch Geld fließen, wenn ein Projekt bezahlbar
sei – es könne nicht mehr darum gehen, was „wünschenswert"
sei. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) ergänzte: „Wir
können keine Bereiche bei der Streichung ausnehmen." Er
kündigte an, dass eine Kabinettsklausur unmittelbar nach der
Sommerpause konkrete Schritte beschließen solle. Sein Versprechen:
„Es wird Ergebnisse geben."
SPD-Chef Stegner stellte klar, sein Partei stehe „ohne
Wenn und Aber zur Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung".
Zugleich verteidigte er sich gegen die Vorwürfe der
Christdemokraten, die SPD habe in den Sitzungen des
Koalitionsausschusses keine eigenen Sparvorschläge unterbreitet:
„Der Unterschied war nicht, ob gespart werden soll, sondern
wo", merkte Stegner an. Hier hätten die Parteien
unterschiedliche Meinungen gehabt. Erneut machte sich Stegner beim
Sparen für eine soziale Komponente stark. So verwies er darauf,
dass die Polizei, bei der 150 Verwaltungsstellen gestrichen werden
sollen, einen Berg an Überstunden vor sich her schiebe.
Schwarz-rote Sparvorschläge in Zahlen /
Oppositionsführer: ein Armutszeugnis
Insgesamt wollen die Koalitionäre bis 2020 - bis
dahin soll die Neuverschuldung des Landes schrittweise auf Null
zurückgeführt werden - rund 4.800 Stellen in der Landesverwaltung
abschaffen. Polizei- und Justizvollzug sowie „Lehrer im
Unterricht" sollen aber nicht angerührt werden.
Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Koalition aus. Außerdem
sollen alle Förderprogramme des Landes auf den Prüfstand. Und: Die
Landesministerien sollen zusammen 100 Millionen Euro zum Sparpaket
beitragen.
Die Opposition ließ kein gutes Haar an diesen
Plänen. Sie seien „ein Armutszeugnis", da sie „keinerlei
Auswirkungen auf das tatsächliche Handeln der Landesregierung"
hätten, schimpfte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Konkrete
Vorhaben, etwa zur Aufgabenkritik, zur Verwaltungsstrukturreform
oder zur Förderung des Wirtschaftswachstums fehlten komplett, so
der Oppositionsführer im Landtag.
Spoorendonk: Dies ist „politische
Propaganda"
Das sah sein Grünen-Kollege Karl-Martin Hentschel
genauso. Die Koalition liefere „keine einzige konkrete Maßnahme
beim Personal". Zudem würden der CDU „die Knie zittern"
aus Angst vor den eigenen Kommunalpolitikern, die gegen
Strukturveränderungen in ihrem Bereich auf die Barrikaden gingen.
Hentschel warb erneut für sein eigenes Sparkonzept, das die Grünen
bereits im Juni vorgelegt hatten.
Anke Spoorendonk vom SSW wertete die Beschlüsse der
Koalition als „politische Propaganda". Das Sparkonzept solle
„im kommenden Landtagswahlkampf den Eindruck verhindern, dass
Peter Harry Carstensen beim Sparen nichts erreicht hat."
Kreative politische Ansätze, „die das Land nicht nur aushungern,
sondern auch weiter entwickeln", vermisste Spoorendonk „nahezu
vollkommen".
Am Ende stimmten CDU und SPD für das eigene
Sparkonzept. Der Grünen-Antrag stieß nur beim SSW teilweise auf
Sympathie.