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Landtag fordert bessere
Verzahnung von Praxen und Kliniken
Kiel (SHL/07.07.) Der Landtag
ist sich einig, dass niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser im
Land angesichts des zu erwartenden Ärztemangels enger
zusammenarbeiten sollen. Dies gelte vor allem für den Bereich der
ambulanten Behandlungen. Die Opposition fürchtet allerdings, dass
diese Kooperationen zwischen Praxen und Kliniken nicht „auf
Augenhöhe" stattfinden könnten.
Hintergrund sind Angaben des
Gesundheitsministeriums, wonach bereits in fünf Jahren 900
Allgemein-Mediziner fehlen, weil sie in den Ruhestand treten. Der
Nachwuchs aber fehlt. Besonders betroffen sind die ländlichen
Regionen. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) betonte in der
Debatte, dass die Landesregierung „die Freiberuflichkeit nicht
schwächen oder abschaffen will, sondern stärken". Er wolle
vor allem prüfen, wie die „sektorenübergreifende Arbeit"
mit den Kliniken verbessert werden kann.
Koalition will Paragraf 116 im
Sozialgesetzbuch V ändern
Im Fokus der von CDU und FDP angestoßenen Debatte
stand der Paragraf 116 im Sozialgesetzbuch V, der die ambulante
Behandlung durch Krankenhausärzte regelt. Diese Rechtsvorschrift
müsse künftig so ausgestaltet werden, dass die Öffnung der
Krankenhäuser keine ambulanten Parallelstrukturen bewirke, meinte
Ursula Sassen (CDU). Daher sei es wichtig, eine „am tatsächlichen
Bedarf orientierte Planung und ein geregeltes Abstimmungsverfahren
zwischen den Krankenhausplanungsbehörden und den Organen der
Selbstverwaltung herzustellen", stimmte Anita Klahn (FDP) zu.
Die SPD wolle zwar „kein
Babylon der Beteiligungen", machte Bernd Heinemann (SPD)
deutlich. Dennoch sprach er sich dafür aus, auch Psychotherapeuten
und Pflegekräfte mit einzubinden. Die Sozialdemokraten legten einen
entsprechenden Änderungsantrag vor. Eine Kooperation auf Augenhöhe
bedeute nicht, „dass eine Seite sich auf Zehenspitzen stellt und
Vorteile für sich geltend macht", mahnte Marret Bohn (Grüne)
mit Blick auf die Vorschläge der Koalition.
Die Anträge werden im Sozialausschuss weiter
beraten.
Weitere Redner:
Antje Jansen (Die Linke), Flemming Meyer (SSW)
Hintergrund:
Um dem drohenden Ärztemangel entgegenzusteuern, setzt
die Landespolitik auch auf eine bessere Verzahnung von
niedergelassenen Ärzte und Krankenhäusern. Dies müsse
allerdings „auf Augenhöhe" erfolgen, fordern
sowohl die Koalition als auch die SPD – etwa durch die
Angleichung der Qualitätsstandards, die die Krankenkassen
bei ihrer Leistungsüberprüfung anwenden. Die
Sozialdemokraten sprechen sich zudem dafür aus, auch
Psychotherapeuten und Pflegekräfte mit einzubinden.
Dieses
Problem war auch ein Thema der
Gesundheitsministerkonferenz Ende Juni in Hannover. Der
schleswig-holsteinische Ressortchef Heiner Garg (FDP) hat
sich dort nach Angaben seines Ministeriums ebenfalls
dafür eingesetzt, das „sektorale Denken zu
überwinden" und die Angebote von Praxen und Kliniken
besser aufeinander abzustimmen. Allerdings müsse
gewährleistet werden, dass die Übernahmen von Patienten
durch die Krankenhäuser nicht die wirtschaftliche
Existenz der niedergelassenen Mediziner gefährdet. Zudem
diskutierten die Minister, ob Gemeindeschwestern besser in
die Patientenversorgung auf dem Land eingebunden werden
können, um so die Ärzte zu entlasten.
Fast
die Hälfte der gut 4.300 Hausärzte
im Land ist über 55 Jahre alt
Bereits
jetzt nehmen auch Krankenhäuser im Lande ambulante
Behandlungen vor. Laut Landesregierung haben 18
schleswig-holsteinische Kliniken Zulassungen für hoch
spezialisierte Leistungen und für seltene Erkrankungen.
Hintergrund
der Diskussion sind die alarmierenden Daten über die
sinkende Zahl an Arztpraxen, vor allem im ländlichen
Raum. Bereits 2015 werden nach Angaben des
Gesundheitsministeriums 900 Allgemein-Mediziner im Lande
fehlen. Denn: Fast die Hälfte der gut 4.300
schleswig-holsteinischen Hausärzte ist über 55 Jahre
alt, aber lediglich fünf Prozent sind unter 40. Hierunter
leidet besonders das flache Land, wo „die niedrige
ärztliche Versorgungsdichte weiter abzusinken
droht".
Um
gegenzusteuern, will die Landesregierung die Tätigkeit
als niedergelassener Arzt attraktiver gestalten. Der
Landtag hat hierüber bereits in der Juni-Tagung
ausführlich debattiert.
vorherige
Debatten zum Thema:
plenum-online Februar 2010,
Juni
2010
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