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Landtag signalisiert
Unterstützung
für freiberufliche Hebammen
Kiel (SHL/07.07.)
Das Parlament stärkt Schleswig-Holsteins freiberuflichen Hebammen
den Rücken. Abgeordnete aller Fraktionen waren sich einig, dass
die wohnortnahe Geburtshilfe als Wahlmöglichkeit für schwangere
Frauen erhalten bleiben muss. Hintergrund: Am 1. Juli sind die
Beiträge für die Berufshaftpflichtversicherung freiberuflicher
Geburtshelfer um fast 60 Prozent angestiegen, von jährlich 2.370
Euro auf 3.689 Euro. Der Hebammenverband befürchtet, dass
deswegen ein Großteil der freiberuflichen Geburtshelfer aufgeben
müsse, weil sie zu wenig verdienen. Zurzeit liegt der Stundenlohn
bei etwa 7,50 Euro.
Dies dürfe
nicht zum Ende eines Berufsstandes führen, so die allgemeine
Befürchtung im Plenum. „Wir alle wollen, dass der Kinderwunsch
nicht durch fehlende Hebammenversorgung oder Reduzierung auf
große Geburtskliniken im Keim erstickt", sagte der
Sozialdemokrat Bernd Heinemann, der mit seiner Fraktion die
Debatte angestoßen hatte. In einem Antrag der SPD heißt es: „Die
Landesregierung wird beauftragt, auf Landes- und Bundesebene
dafür einzutreten, dass die finanziellen Rahmenbedingungen von
Hebammen durch geeignete Maßnahmen zeitnah verbessert werden.
Hierzu möge die Landesregierung konkrete Maßnahmen erarbeiten
und unverzüglich umsetzen. Erste Ergebnisse sind in der
Septembersitzung vorzulegen."
Gesundheitsminister
Heiner Garg (FDP) stellte allerdings klar, dass sich die Politik
nicht in die Tarifverhandlungen der Hebammenverbände
einmischen soll.
Über das Thema wird
zunächst im Sozialausschuss weiter diskutiert.
Stimmen aus dem
Plenum:
Ursula Sassen
(CDU): Hebammen sind ein wichtiger Baustein im Kinderschutzkonzept
unseres Landes und brauchen unsere
Unterstützung.
Anita Klahn
(FDP): Als Liberale wehre ich mich jedoch vehement gegen eine
staatliche Einflussnahme auf die
Verhandlungspartner.
Marret Bohn
(Grüne): Schleswig-Holstein gehen die Kinder aus und diejenigen,
die ihnen auf die Welt helfen, werden im
Stich gelassen.
Ranka Prante (Linke):
Sicherheit und Wahlfreiheit sind nun gefährdet.
Flemming Meyer
(SSW): Gerade in ländlichen Gebieten, wie auf den nordfriesischen
Inseln, kann die Versorgung schon heute nicht mehr aufrechterhalten
werden.
Hintergrund:
Die SPD will die finanziellen Rahmenbedingungen für
freischaffende Hebammen verbessern. Aufgrund steigender
Versicherungsprämien und eines Stundenlohnes von
lediglich 7,50 Euro drohe die Geburtsbegleitung in der
Fläche wegzubrechen, heißt es in dem Antrag. Hier müsse
die Landesregierung gegensteuern.
Konkreter
Anlass des Vorstoßes: Die Hebammen klagen bundesweit über
massiv steigende Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung
ab dem 1. Juli. Die Prämie ist von 2.370 Euro im Jahr auf
3.689 Euro angestiegen. Der Hebammenverband befürchtet,
dass deswegen ein Großteil der freiberuflichen
Geburtshelfer aufgeben müsse, weil sie zu wenig verdienen.
Konsequenz: Die Wahlfreiheit der werdenden Mütter zwischen
Klinik-Geburt, Geburtshaus und der Niederkunft in heimischer
Umgebung ist bedroht.
Politik peilt Neugestaltung der
Hebammen-Vergütung an
Besonders in
den Kreisen Ostholstein und Dithmarschen werden dringend
Hebammen gesucht – größtenteils auf freiberuflicher
Basis. Das geht aus Medienberichten hervor. Doch diese
Freiberuflichkeit rechne sich für viele Hebammen kaum noch.
Im Durchschnitt verdienen sie zwischen 1.200 und 2.100 Euro
im Monat, vor Abzug der Steuern.
Das
schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium will sich
laut Berichten um die Situation der Hebammen im Land
kümmern. Es würden Gespräche mit den Beteiligten
geführt. Im Fokus stehe dabei eine Anpassung der
Gebührenverordnung, damit die Hebammen auf ein höheres
Gehalt kommen.
Bundesweit begleiten freiberufliche
Hebammen jede vierte Geburt
Auch auf
Bundesebene wird über eine Neugestaltung der
Hebammen-Vergütung diskutiert, nachdem sich 186.000
Menschen einer Eingabe an den Petitionsausschuss des
Bundestages angeschlossen haben, in der gegen die Erhöhung
der Versicherungsprämien protestiert wird. Und: In dieser
Woche beginnt ein Schiedsverfahren zwischen dem
Hebammen-Verband und den Krankenkassen, um einen seit vier
Jahren schwelenden Streit über die Entlohnung der
Geburtshilfe beizulegen.
Nach Angaben
des Hebammen-Verbandes gibt es deutschlandweit 4.500
freiberufliche Hebammen, die jede vierte Geburt im Lande
begleiten – insgesamt rund 160.000 Fälle pro Jahr.
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