Kiel (SHL/09.07.) An
Schleswig-Holsteins Schulen wird es auch weiterhin einen
konfessionsgebundenen Religionsunterricht geben. Die Linken
konnten sich im Landtag nicht mit ihrer Forderung durchsetzen, den
Religionsunterricht durch das Fach
"Ethik-Religionskunde" zu ersetzen. In der Abstimmung,
bei der die sonst übliche Fraktionsdiziplin aufgehoben worden
war, votierte eine breite Mehrheit gegen den Vorstoß. Einige
Redner kritisierten harsch, dass auch eine vertiefende
Ausschuss-Überweisung abgelehnt wurde.
Die Politikerin der Linken, Ellen Streitbörger,
verwies in der Debatte darauf, dass „der Anteil christlicher
Schüler an den Schulen sinkt, während die Zahl der
Konfessionslosen und Muslime steigt". Vor diesem Hintergrund
könne das Fach "Ethik-Religionskunde" einen „Beitrag
zu Toleranz, Respekt und Dialogfähigkeit" innerhalb einer
immer heterogener werdenden Schülerschaft leisten. Die
ablehnenden Redner zogen vor allem das in der Verfassung
verbriefte Recht auf Religionsfreiheit, das Schulgesetz und die
Staatskirchenverträge mit den Kirchen heran. Bildungsminister
Ekkehard Klug verwies darauf, dass laut Gesetz, „niemand zur
Teilnahme am Religionsunterricht verpflichtet" werden könne.
Das Fach Religion steht als einziges Schulfach
unter dem Schutz des Grundgesetzes. In Artikel 7 heißt es: „Der
Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme
der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet
des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in
Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften
erteilt."
Weitere Stimmen aus dem Plenum:
Herlich Marie Todsen-Reese (CDU): Durch das
Nebeneinander von Philosophie und konfessionellem Unterricht wird
Schleswig-Holstein der Pluralität gerecht. Es werden keinesfalls
– wie von den Linken behauptet – Schüler anderen Glaubens
oder Konfessionslose ausgegrenzt.
Rolf Fischer (SPD): Schon jetzt findet im
Religionsunterricht die Auseinandersetzung mit anderen Religionen
statt. Es wäre darüber hinaus sinnvoll, Schülern ohne
Konfession ein Unterrichtsangebot zu machen.
Jens-Uwe Dankert (FDP): Wie soll sicher gestellt
werden, dass über alle Weltanschauungen und Religionen kompetent
aufgeklärt wird? Die FDP ist gegen solche eine Vermischung.
Anke Erdmann (Grüne): Das Thema unterliegt dem
gesellschaftlichen Wandel. Viele Kinder haben mittlerweile einen
bi-nationalen und bi-religiösen Hintergrund. Deshalb sollte die
Debatte behutsam und nicht in der Rhetorik des Kulturkampfes
geführt werden.
Anke Spoorendonk (SSW): Es gibt berechtigte
Zweifel, ob das Modell des konfessionell gebundenen
Bekenntnisunterrichtes weiter durchexerziert und auf weitere
Konfessionen ausgeweitet werden sollte.