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Auf dieser Seite: Kommunalfinanzen

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Top 48:
Bericht über die finanzielle Situation der Schleswig-Holsteinischen Kommunen
Antrag der Fraktionen von B´90/DIE GRÜNEN und SPD – Drucksache 17/72(neu) Ziffer II
Antrag der Fraktionen von SPD und B´90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/194
(Landtagsbeschluss vom 18. Dezember 2009)
Bericht der Landesregierung – Drucksache 17/664

Kommunalkassen in der Krise:

Schwarz-Gelb drängt auf Spar-Anstrengungen – Opposition kritisiert „Steuergeschenke"

Kiel (SHL/07.07.) Obwohl der Norden besser dasteht als andere Bundesländer, ist die finanzielle Situation vieler schleswig-holsteinischer Kommunen „bedrohlich". Das geht aus einem Bericht von Innenminister Klaus Schlie (CDU) hervor. Insgesamt belaufen sich die zum 31. Dezember 2009 ermittelten Schulden in Kreisen und Gemeinden auf 2,632 Milliarden Euro oder 930 Euro pro Einwohner. Und die Prognosen sehen nicht positiv aus: Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise werden viele Städte- und Gemeindekassen in den beiden nächsten Jahren wohl noch tiefer in die roten Zahlen abrutschen. Während CDU und FDP im Einklang mit dem Minister die Kommunen aufforderten, „mit Nachdruck" auf Konsolidierungskurs zu gehen, machte die Opposition Schwarz-Gelb schwere Vorwürfe.

Die Kürzungspläne im Land wie auch die Zustimmung zu den „Steuergeschenken" auf Bundesebene hätten die unterste politische Ebene in die Krise gestürzt, hieß es bei SPD, Grünen, Linken und SSW. Monika Heinold (Grüne) erinnerte an die Zustimmung der Landesregierung zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz im vergangenen Dezember, womit die Kommunen im Lande „Jahr für Jahr mit  rund 60 Millionen Euro„ belastet werden. „Kein einziger Cent Entschädigung ist bei den Kommunen angekommen", klagte Heinold. Heinz-Werner Jezewski (Linke) befürchtete, dass das Sparpaket der Landesregierung die schwierige Lage „noch verschärfen" wird – etwa wenn das Land sich aus den Schülerbeförderungskosten oder dem beitragsfreien KiTa-Jahr zurückzieht, und die Kreise und Gemeinden einspringen müssten.

Arm oder reich „ist auch das Ergebnis von 
klugen oder weniger klugen Entscheidungen"

„Ohne Verzicht auf liebgewonnene staatliche Leistungen wird es nicht gehen", betonte die CDU-Politikerin Astrid Damerow und bezeichnete es nicht nur als „Schicksal", wenn Kommunen reich oder arm seien. Dies sei auch „das Ergebnis von klugen oder weniger klugen Entscheidungen" vor Ort. Ihr Koalitionskollege von der FDP, Günther Hildebrand, wies darauf hin, dass kleinere Gemeinden oft besser dastehen als große Städte. Dies liege daran, „dass in kleineren Gemeinden eine andere Ausgabenpolitik betrieben wird". Es werde dort „häufig nur das ausgegeben, was vorher eingenommen wurde".

Dort kürzen, „wo es den Bürgern 
am wenigsten wehtut"

Dies wies SPD-Fraktionschef Ralf Stegner zurück: Die Haushaltsnot beispielsweise in Kiel und Lübeck „liegt nicht daran, dass die Städte nicht mit Geld umgehen können", sondern dass sie mehr Angebote vorhielten, etwa Schwimmbäder, Theater und Büchereien. Stegner forderte die Landesregierung auf, „dort zu kürzen, wo es den Bürgern am wenigsten wehtut" – bei den Strukturen. Eine „Gemeindereform" brachte auch Lars Harms (SSW) ins Spiel. „Wir müssen einen Weg finden, um über den kommunalen Finanzausgleich und über die Änderung des zentralörtlichen Systems fairere Bedingungen und damit letztlich auch einheitlichere Lebensbedingungen zu schaffen." Dabei könne es „dann aber auch nicht bei den bestehenden Gemeindegrößen bleiben", so Harms.

Der Innen- und Rechts- sowie der Finanzausschuss beraten den Bericht weiter.

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Hintergrund:
Auf Antrag von SPD und Grünen legt die Landesregierung einen umfangreichen Bericht über die finanzielle Situation der schleswig-holsteinischen Kommunen vor. Aus den tausenden von Einzeldaten zieht die Regierung den Schluss: „Aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich die Finanzsituation der schleswig-holsteinischen Kommunen 2009 wieder verschlechtert. Die kommunale Finanzpolitik erfordert auch in den nächsten Jahren eine konsequente Haushaltskonsolidierung, die im Verwaltungshaushalt oder Ergebnisplan ansetzt. Darüber hinaus ist es weiterhin erforderlich, die Kommunen, die ihren Haushalt nicht ausgleichen können, durch Fehlbetragszuweisungen zu unterstützen."

Die großen Städte in Schleswig-Holstein sind besonders hart betroffen. So klafft im Lübecker Haushalt eine Lücke von mehr als 100 Millionen Euro, der Schuldenberg ist auf 1,3 Milliarden angewachsen. In Kiel fürchtet der Kämmerer Extra-Ausgaben von 5,8 Millionen Euro durch die jüngste 2,3-prozentige Steigerung der Gehälter im Öffentlichen Dienst. Hinzu kommen Steuerausfälle, Mehrbelastungen im Sozialbereich sowie zusätzliche Belastungen durch den harten Winter.

Regierung will mit „Konzeptbörse Zukunftsfähige 
Städte" zu Felde ziehen

Vor diesem Hintergrund hat das Innenministerium den Kommunen eine gemeinsame „Konzeptbörse Zukunftsfähige Städte" vorgeschlagen, die noch in diesem Jahr Ergebnisse bringen soll. Innenminister Klaus Schlie (CDU) hat zudem die Idee einer kommunalen Schuldenbremse ins Spiel gebracht, angelehnt an den vor kurzem in der Landesverfassung verankerten Schuldenstopp bis 2020.

Insgesamt stellt sich die Haushaltssituation der kommunalen Ebene in ganz Deutschland schwierig dar, wie eine aktuelle Erhebung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 300 Kommunen ergibt. 68 Prozent nannten ihre Finanzsituation schlecht oder sehr schlecht. Jede dritte deutsche Kommune musste für 2010 sogar ein Haushaltssicherungskonzept verabschieden – diese Kommunen können keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen und müssen ihre gesamte Finanzplanung der jeweiligen regionalen Aufsichtsbehörde, etwa dem Land, zur Genehmigung vorlegen.

Wo die Kommunen sparen beziehungsweise 
Gebühren erhöhen wollen

Daher planen rund 60 Prozent der Städte und Gemeinden, kommunale Leistungen teils deutlich zu reduzieren. Sparen wollen die befragten Kommunen vor allem in den Bereichen Straßenbeleuchtung (31 Prozent) und Jugend- und Seniorenbetreuung (29 Prozent). Oft werden auch Bäder geschlossen (14 Prozent) oder es wird Einschränkungen im Nahverkehr oder bei den KiTa-Öffnungszeiten (jeweils 11 Prozent) geben.

84 Prozent der Kommunen wollen der Studie zufolge Gebühren und Steuern erhöhen oder neu einführen. Fast jede zweite Kommune (46 Prozent) plant die Erhöhung der Grundsteuer, die unter anderem auf Landwirtschaftsflächen sowie auf Grundstücke und Gebäude erhoben wird. Auch beim Besuch von Schwimmbädern, Theatern und Museen müssen die Bürger in 44 Prozent der Kommunen höhere Eintrittspreise zahlen. Die KiTa-Gebühren will etwa jede dritte Kommune erhöhen (32 Prozent), ebenso viele Kommunen planen die Erhöhung der Hundesteuer.

Debatte bei Antragstellung:
plenum-online
Dezember 2009

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