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Regierungserklärung zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Schleswig-Holstein
Drucksache: 
-Plenarprotokoll-

Simonis will an die Fördertöpfe Ministerpräsidentin zur Situation des Landes

Kiel (SHL/lno) - Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) will mit weiteren Einsparungen den sinkenden Steuereinnahmen des Landes entgegensteuern. Alle Förderprogramme sollen in den beiden kommenden Jahren um jeweils zehn Prozent gekürzt werden, kündigte sie am Mittwoch, 18. Juni 2003, in einer Regierungserklärung an. Für die Sozialsysteme in Deutschland forderte die Regierungschefin Änderungen. "Sozialen Kahlschlag wird es mit der SPD aber nicht geben", versicherte sie.

Zur Senkung der Lohnnebenkosten erneuerte Simonis ihre Forderung nach Erhöhung der Mehrwertsteuer. Im Interesse der "sozialen Symmetrie" müsse auch die Erbschaftssteuer erhöht werden. Im Land setzt Simonis weiter auf die Verschlankung der Verwaltung, um Kosten zu senken. Die Kommunen müssten sich einer Funktionalreform stellen. Keine Einsparungen soll es auch künftig bei den Schulen geben, kündigte Simonis an.

Für den Doppelhaushalt der Jahre 2004 und 2005 will Simonis den Anstieg der Nettoausgaben auf ein Prozent begrenzen. Neue Löcher bei den Landesfinanzen seien aber zu befürchten, wenn die dritte Stufe der Steuerreform vorgezogen wird. Zum Ausgleich der Steuerausfälle müsse es Einsparungen an anderer Stelle - etwa bei Subventionen - geben, meinte Simonis.

Signale an Kitas und Hochschulen

Weiterhin kündigte die Ministerpräsidentin an, den Kommunen künftig den gesamten Landesanteil an der Kindertagesstätten-Finanzierung zu überlassen: "Dazu wollen wir über den kommunalen Finanzausgleich für 2004/2005 je 60 Millionen Euro zweckgebunden für eine Förderung von Kindern" zur Verfügung stellen. Und im Bereich der Hochschulpolitik signalisierte Simonis den Hochschulen Planungssicherheit - derart, dass "die Eckwerte der Finanzausstattung für fünf Jahre festgelegt werden" und ab 2004 ein Investitionsfond mit jährlich fünf Millionen Euro eingerichtet werden solle. Laufzeit ebenfalls fünf Jahre.

Die Regierungserklärung im Wortlaut

Die Reaktionen der Fraktionen:

Oppositionsführer Martin Kayenburg (CDU) attestierte Bund, Ländern und Gemeinden Handlungsunfähigkeit. Und: "Sie, Frau Ministerpräsidentin, versuchen krampfhaft, sich über die Runden zu retten." Notwendig seien "mutige, ehrliche, durchgreifende Reformen", insbesondere um die im wesentlichen "hausgemachten" ungünstigen Strukturen in der Wirtschaft zu verbessern. Als Maßnahmen nannte er eine Lockerung des Kündigungsschutzes, die Neugestaltung der sozialen Sicherungssysteme, Bürokratieabbau, eine zukunftsträchtige Bildungspolitik sowie eine leistungsfördernde Steuer- und Abgabenpolitik. "Es gebe", so Kayenburg, "nichts Unsozialeres als einen hochverschuldeten Haushalt". 

Jutta Schümann (SPD) betonte in Vertretung des erkrankten Fraktionsvorsitzenden Lothar Hay, dass es zur Reformpolitik der Agenda 2010 keine Alternative gäbe. Landespolitisch signalisierte sie im Namen der SPD-Fraktion der Simonis-Regierung insbesondere die Unterstützung bei der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2004/2005. Vor diesem Hintergrund stimmte Schümann der Ankündigung der Ministerpräsidentin zu, sämtliche Förderprogramme um jeweils zehn Prozent zu kürzen.

Wolfgang Kubicki (FDP): "Schleswig-Holstein kann sich das Versagen der Landesregierung nicht länger leisten". Außer den Schulden sei nichts gewachsen, im Land herrsche unterdurchschnittliches Wachstum gepaart mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Bei der Sanierung des maroden Landeshaushalts greife Simonis in jüngster Zeit immer mehr auf Konzepte der Opposition zurück, setze diese aber nur halbherzig um. Um das Land aus der Krise zu führen, müsse den Unternehmen ermöglicht werden, Gewinne in Schleswig-Holstein zu erwirtschaften, forderte der Fraktionsvorsitzende der Liberalen: "Die Gewinne von heute sind (…) die Arbeitsplätze von morgen." 

Karl-Martin Hentschel (B`90/Grüne) forderte angesichts der finanziellen und wirtschaftlichen Situation zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit auf. Bundespolitisch warb er für die Umsetzung der Agenda 2010. Im Mittelpunkt müsse – über das aktuelle Konzept der Bundesregierung hinaus - dabei die Senkung der Sozialabgaben stehen. Mindereinnahmen sollen nach der Vorstellung des Fraktionsvorsitzender der Grünen über Verbrauchssteuern eingenommen werden. "In Dänemark hat diese Politik", so Hentschel, "zu einer Halbierung der Arbeitslosenquote geführt". Darüber hinaus mahnte er eine Reform des "zu teuren" dreigliedrigen Schulsystems an.

Anke Spoorendonk (SSW) nahm die Bundespolitik als Hauptursache für die angespannte Lage in Schleswig-Holstein ins Visier. Als Beispiel führte sie unter anderem die Schließung des Marinefliegergeschwaders 2 in Eggebek/Tarp an. Als Eintritt in die Lösung der dringendsten Probleme wie Steuermindereinnahmen, Arbeitslosenzahlen und Unterschüsse in den Sozialversicherungssystemen forderte die Vorsitzende des SSW im Landtag den Schulterschluss von Bund und Ländern. Für Schleswig-Holstein wünschte sie sich, insbesondere mit Blick auf die Verwaltung und Kommunen, mehr Mut zur Reformen.

Hintergrund:
 Das Land Schleswig-Holstein sieht sich einer Reihe drängender Probleme gegenüber. So lag die Arbeitslosenquote im Mai bei 9,4 Prozent und damit deutlich höher als im Vorjahres-Monat (8,2 Prozent). Die Verschuldung des Landes wird im laufenden Haushaltsjahr voraussichtlich um rund 580 Millionen Euro auf über 18 Milliarden Euro ansteigen.
 Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) hat im Frühjahr ihre Regierung umgebildet und die Zahl der Ministerien von acht auf sieben reduziert. (Infos: "plenum-online", Januar 2003) Die schwierige Haushaltslage will sie durch einen Doppelhaushalt für die Jahre 2004/2005 in den Griff bekommen.
 Gut anderthalb Jahre vor der nächsten Landtagswahl ist Simonis von ihrer Partei erneut zur Spitzenkandidaten gekürt worden. Bei der Kommunalwahl im März hatte die SPD schwere Verluste erlitten.

Stichwort:
 
Die Ministerpräsidentin und die Mitglieder der Landesregierung haben die Möglichkeit, während einer Plenarsitzung des Landtages eine Regierungserklärung, das heißt eine Stellungnahme zu einem aktuellen politischen Thema, abzugeben. Grundlagen dieser Regelung sind Artikel 21 der Landesverfassung und Paragraph 48 der Geschäftsordnung. Der Landtag kann im Anschluss an eine Regierungserklärung eine Aussprache zu diesem Thema vornehmen, deren Dauer im Ältestenrat festgelegt wird.

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