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Soziale Sicherungssysteme: Umbauen und erhalten statt umfinanzieren und ruinieren
Antrag der Fraktion der FDP

Drucksache: 15/2714
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Grundlegender und sozial gerechter Umbau der Sozialsysteme nach skandinavischem Vorbild
Antrag der Abgeordneten des SSW       
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Mut zu Reformen: Drastische Reduzierung der Lohnnebenkosten
Antrag der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 15/2724
-Plenarprotokoll-
  
Änderungsantrag der Fraktion der CDU - Drucksache 15/2759
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Sozialreformen sorgen für Zündstoff
Rot-Grün wirbt für höhere Mehrwertsteuer

Kiel (SHL). Die öffentliche Diskussion über die Reform der Sozialen Sicherungssysteme hat am Donnerstag, 19. Juni 2003, auch den schleswig-holsteinischen Landtag in einer zweistündigen kontroversen Debatte beschäftigt. Die Positionen: SPD, Grüne und SSW setzten sich für eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten ein und wollen, um dies gegen zu finanzieren, die Mehrwertsteuer erhöhen. CDU und FDP hingegen verlangen mehr Eigenverantwortung der Bürger und wollen zunächst alle Sozialleistungen auf den Prüfstand stellen, bevor eine Diskussion über deren Finanzierung geführt wird.

Einigkeit herrschte darüber, dass der "Faktor Arbeit" kostengünstiger gestaltet werden soll. Sprich: Arbeitgeber sollen deutlich weniger als bislang in die sozialen Kassen einzahlen. Keinen Konsens konnten die Abgeordneten jedoch darüber herstellen, wie die Folgen der zunehmenden Alterung der Gesellschaft aufgefangen werden können – durch Steuern oder durch Sparen?

CDU und FDP: Keine Steuererhöhungen

Aktueller Hintergrund: die Agenda 2010 des Bundeskanzlers sowie die Vorschläge von Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) und anderer Regierungspolitiker zur Anhebung von Verbrauchssteuern sowie Vermögens- und Erbschaftssteuer. Dies sei Gift für Wirtschaft und Finanzen, kritisierten Union und Liberale. Heiner Garg (FDP) kritisierte, das einzige rot-grüne Rezept seien Steuererhöhungen. Dies sei ein Zeichen von Reformunfähigkeit. Stattdessen forderte er, die Sozialkosten vom Erwerbseinkommen abzukoppeln.

Auch Werner Kalinka (CDU) machte sich für Einsparungen anstelle von Steuererhöhungen stark: Die sozialen Leistungen, beispielsweise im Gesundheitsbereich, müssten den wirklich Bedürftigen vorbehalten bleiben. Er forderte zudem die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe und die Reform des Kündigungsschutzes. Grundsätzlich gelte: "Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft".

Rot-Grün: Sozial gerechte Umstrukturierung

Die rot-grüne Koalition verteidigte ihren Antrag: "Weniger Solidarität löst unsere Probleme nicht", betonte Wolfgang Baasch (SPD). Eine einseitige Belastung der Arbeitnehmer dürfe es deshalb nicht geben. Die Finanzierung über die Mehrwertsteuer hingegen sei sozial gerecht. Monika Heinold (Grüne) sagte, es gehe nicht um eine isolierte Erhöhung der Verbrauchssteuern, sondern um eine grundsätzliche Umgestaltung des Sozialsystems. Sie schlug eine "Bürgerversicherung" vor, bei der über die Verbrauchssteuern beispielsweise auch Selbständige und Freiberufler an den Sozialkosten beteiligt sein sollen.

Finanzminister Ralf Stegner forderte, die Erbschaftssteuer in das Konzept mit einzubeziehen. Sozialministerin Heide Moser (beide SPD) sagte, die Landesregierung habe sich schon seit Jahren für Strukturreformen im Sozialwesen wie auch für Finanzreformen stark gemacht.

"Wir müssen uns vom Sozialstaat Bismarckscher Prägung verabschieden", hob Anke Spoorendonk (SSW) hervor. Die Sozialabgaben hätten inzwischen den Charakter einer "Strafsteuer" angenommen. Ein Blick nach Dänemark sei hilfreich: Trotz hoher Mehrwerts- und Einkommensteuern sei das Nettolohnniveau dort ähnlich wie in Deutschland. Grund: die niedrigen Nebenkosten, die für geringe Arbeitslosenzahlen sorgten.

Die Anträge von FDP und CDU wurden mit den Stimmen von Rot-Grün und SSW abgelehnt. Mit den gleichen Mehrheitsverhältnissen wurden die Anträge von SSW und SPD/Grünen angenommen. CDU und FDP hatten  Ausschuss-Überweisung beantragt.

Hintergrund:
 Die Lohnnebenkosten, also die Ausgaben, die ein Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt für seine Arbeitnehmer aufwenden muss, sind in Deutschland in den vergangenen sieben Jahren moderat gesunken. Laut Statistischem Bundesamt entfielen im Jahre 1996 rund 44,5 Prozent der Personalausgaben eines Unternehmens auf Kranken-, Renten-, Arbeitslosen und Pflegeversicherung sowie andere Leistungen. In diesem Jahr sind es nur noch 43,3 Prozent. Hierbei haben sich verschiedene Komponenten unterschiedlich entwickelt: Während die Sozialausgaben (+ 6,5 Prozent) und Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld oder vermögensbildende Leistungen (+ 7,1 Prozent) angestiegen sind, sanken die Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung 
(- 1,6 Prozent) sowie für Kurzarbeitergeld und Abfindungen (- 38,2 Prozent).
  Niedrige Lohnnebenkosten gelten als Standortvorteil in einer globalisierten Wirtschaft.

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