"Die Abschaffung der
Bürokratie muss
noch mehr in unsere Köpfe"
In den
"Kummerkasten" des Landtages geschaut
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Kiel (SHL). Der
frisch umgetaufte Petitionsausschuss (ehemals Eingabenausschuss)
des Landtags hat im letzten Quartal des vergangenen Jahres 95
Eingaben abschließend behandelt und dabei jeden dritten Fall
ganz oder teils im Sinne der Bürger erledigt. Der
Tätigkeitsbericht des elfköpfigen Gremiums, auch
"Kummerkasten" des Landtages genannt, wurde vom
Landtag mit großem Interesse am Freitag, 20. Juni 2003, zur
Kenntnis genommen.
Nach Angaben des
Ausschussvorsitzenden Gerhard Poppendiecker (SPD), der wie stets
engagiert den Bericht persönlich im Plenum vorstellte, hatte
der Ausschuss im Berichtszeitraum bei sechs Ortsterminen, einer
Anhörung und drei Gesprächsrunden im Interesse der Bürger
nachgehakt. Insgesamt, so das Fazit von Poppendiecker, waren die
meisten Eingaben in den Bereichen des Innenministeriums und des
Justizministeriums angesiedelt. Inneres deswegen, weil sehr
viele Sachverhalte mit Ausländerangelegenheiten zu tun hatten -
und da seien dem Ausschuss die Hände gebunden. Die Justiz
betreffend hätten viele Petitionen mit sehr langen
Verfahrensdauern zu tun. Und: "Die Abschaffung der
Bürokratie muss noch mehr in unsere Köpfe", schloss der
Ausschussvorsitzende seinen Bericht.
Weitere Beispiele
aus dem Bericht: Zwei Petenten verdanken dem Ausschuss ihre
Rückkehr in die Freiheit. Die Männer saßen in einer
psychiatrischen Fachklinik und hatten sich darüber beschwert.
In beiden Fällen hat das Oberlandesgericht Schleswig inzwischen
beschlossen, die Unterbringung für erledigt zu erklären. Nicht
helfen konnte der Ausschuss einem Berliner, dem die Gemeinde
Grömitz ein "Hausverbot" für die Kurpromenade
erteilt hatte. Keine Chance hatte auch ein Bürger aus
Süddeutschland, der sich darüber beschwerte, dass der Landtag
ihm nichts zuschickt. Der Mann hatte beantragt, ihm die
Abschlussberichte aller Untersuchungsausschüsse in
Schleswig-Holstein seit 1970 sowie Protokolle, Anlagebände und
Pressespiegel zu übersenden.
Stichwort:
Der
Petitionsausschuss, bis vor kurzem noch als
Eingabenausschuss bezeichnet, ist einer der neun ständigen
Ausschüsse des Landtages und eine vermittelnde
Schnittstelle bei Problemen von Bürgern mit Landesbehörden.
Mit 13 Abgeordneten hat der Ausschuss zwei Sitze mehr als
die anderen ständigen Ausschüsse und steht jedem Bürger
offen - eine schriftliche Eingabe vorausgesetzt. Kurz: Der
Petitionsausschuss versteht sich als Anwalt gegen
Ungerechtigkeit, Benachteiligungen und ungleiche
Behandlung durch staatliche Stellen.
Nicht tätig werden darf der Ausschuss, wenn es
sich privatrechtliche Auseinandersetzungen handelt oder
wenn gerichtliche Entscheidungen Gegenstand der Eingabe
sind. Ist die formale Zuständigkeit gegeben, geht der
Ausschuss jeder Sache nach. Oberster Grundsatz: Beide
Seiten werden gehört. In seinem Handeln kann sich der
Petitionsausschuss auf Artikel 19 der Landesverfassung stützen:
"Die Landesregierung, die Behörden des Landes und
die Träger der öffentlichen Verwaltung, soweit sie oder
ihre Behörden der Aufsicht des Landes unterstehen, sind
verpflichtet, dem Petitionsausschuss zur Wahrnehmung
seiner Aufgaben auf sein Verlangen Akten vorzulegen, ihm
jederzeit Zutritt zu den Zutritt zu den von ihnen
verwalteten öffentlichen Einrichtungen zu gestatten, alle
erforderlichen Auskünfte zu erteilen und Amtshilfe zu
leisten."
Nach Klärung der Beschwerde wird entschieden, ob
die Eingabe weiter verfolgt wird. Besteht die Auffassung,
dass das Anliegen berechtigt ist, so empfiehlt der
Ausschuss der Verwaltung entsprechende Maßnahmen, um den
Missstand zu beseitigen oder Nachteile von dem Einzelnen
abzuwenden.
mehr Informationen:
Webauftritt
des Petitionsausschusses
(http://www.sh-landtag.de/ausschuesse/eingaben/eingaben.html)
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Datenschutzbericht: Buß
verteidigt Telefonüberwachungen
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Kiel (SHL). Der Landtag hat sich differenziert mit dem
Tätigkeitsbericht 2003 des Unabhängigen Landeszentrums für
den Datenschutz (ULD) auseinandergesetzt. Am Freitag, 20. Juni 2003,
sagte Innenminister Klaus Buß (SPD), die im Bericht
festgestellte Zunahme der Telefonüberwachungen sei eng mit den
vielfältigen modernen Kommunikationsmitteln verbunden - und
verteidigte diese Abhör-Praktiken: "Es geht
um berechtigte Sicherheitsinteressen." Hintergrund: In
Schleswig-Holstein stieg die Zahl der
Telekommunikations-Überwachung von 127 im Jahr 1995 auf 293 im
Jahr 2000.
Während die SPD den Datenschutz in Schleswig-Holstein in
guten Händen sah, wünschte die Union insbesondere bei der
Überwachung von Mobil-Telefonen noch verstärkte Maßnahmen.
Redner von FDP, Grünen und SSW hingegen
wiesen auf die Gefahren durch staatliche Zugriffe auf
persönliche Daten hin und forderten die Wahrung der Persönlichkeitsrechte.
Die Stimmen der Abgeordneten:
Thomas Rother (SPD): Der Einsatz der Überwachungs-Mittel
im Kampf gegen Terror ist zur Zeit noch gerechtfertigt. "Der
Datenschutz ist in Schleswig-Holstein in guten Händen."
Thorsten Geißler (CDU): Totale Internet-Überwachung
ist nicht hinnehmbar. Geräte zur Ortung von Mobil-Telefonen seien
(IMSI-Catcher) notwendig. " und könnten ein sehr wichtiges
Fahndungselement sein.
Heiner Garg (FDP) mahnte das Parlament, sich beim
Eingriff in die Persönlichkeitsrechte zurück zu halten.
IMSI-Catcher hätten erhebliches Missbrauch-Potential.
Irene Fröhlich (Grüne) forderte Regelungen für
Massentests von DNA-Proben. Andererseits:
"Schleswig-Holstein ist Vorreiter bei der Öffnung von
Verwaltungsunterlagen."
Silke Hinrichsen (SSW) sprach von einem
besorgniserregenden Anstieg bei der Telefon-Überwachung.
Deutschland habe sich zu einem Abhörparadies entwickelt.
Einstimmig überwies der Landtag den Bericht an den Innen-
und Rechtsausschuss zur abschließenden Beratung.
Der Leiter des ULD, Helmut
Bäumler (r.), überreicht Landtagspräsident Heinz-Werner Arens den
Bericht 2003
Hintergrund:
Das
Unabhängige Landeszentrum für den Datenschutz (ULD) mit
Sitz in Kiel ist eine Anstalt öffentlichen Rechts. Sie
berät Firmen und Behörden beim Umgang mit persönlichen
Daten, verleiht Gütesiegel für die korrekte Handhabung
der Informationen und führt Kontrollen durch (26
Kontrollen im vergangenen Jahr). Im Jahresbericht 2002
beklagt das ULD insbesondere die wachsende Zahl der
polizeilichen Telefonüberwachungen - "Wir sind auf
dem Weg zum Abhörweltmeister", so Behördenchef
Helmut Bäumler Diese seien deutschlandweit zwischen 1995
und 2000 von 3.667 auf 15.741 Fälle gestiegen. Die
Datenschützer bemängeln insbesondere die leichtfertigen
richterlichen Genehmigungen für diese Abhör-Aktionen.
Auch das Speichern von Nutzer-Daten durch
Internet-Provider wird kritisiert.
mehr
Informationen: datenschutz
(www.datenschutzzentrum.de)
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