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Lotteriewesen:
Opposition übt harsche Kritik an neuen Gesetzen
CDU/FDP moniert Millionenverluste
/ rot-grüne Koalition betont weitsichtiges Handeln
Kiel
(SHL). Das Lotteriewesen in Schleswig-Holstein wird neu geordnet.
Zudem werden gewerbliche Spielervermittler wie etwa die fluxx.com
in Kiel ihre Erträge künftig regionalisieren müssen. Das heißt
konkret: Steuern werden nicht mehr nur von dem Bundesland
eingenommen, in dem die jeweiligen Lotto-Unternehmen angesiedelt
sind, sondern auch den Ländern zu Gute kommen, aus denen die
Online-Spieler stammen. Trotz schärfster Kritik aus den Reihen
der Opposition erhielten am Donnerstag, 17. Juni 2004 in Zweiter
Lesung zwei Gesetzentwürfe der Landesregierung die Zustimmung des
Parlaments. Für Schleswig-Holstein bedeute der Beschluss
Einnahmeverluste in Millionenhöhe, kritisierte die CDU. Die FDP
sprach sogar von einem Skandal. Redner der Liberalen vermuteten,
dass es der Regierungskoalition lediglich darum ginge, das Gesicht
von Ministerpräsidentin Heide Simonis im Kreise ihrer
Ministerkollegen zu wahren. Denen hätte Simonis bereits
vorschnell den Verzicht auf die Lottoeinnahmen zugesagt, hieß es.
Stimmen aus der Debatte:
Renate Gröpel (SPD): Durch
den Staatsvertrag wird ein rechtmäßiger Zustand wieder
hergestellt. Schleswig-Holstein wird Verluste hinnehmen müssen, es
ist in vielen Bereichen aber auch Nehmerland und profitiert vom
Föderalismus. Wie die Aktivitäten der Spielervermittler-Firmen
in Schleswig-Holstein zukünftig aussehen werden, ist ungewiss - vielleicht
wandern sie in andere Bundesländer ab. Mit der Regionalisierung
stehe das Land bei geschätzten Einnahmen von acht Millionen Euro
dann aber auf der sicheren Seite. Ohne Regionalisierung bestünde
also auch ein Risiko von Mindereinahmen.
Hans-Jörn Arp (CDU) : Es
geht ausschließlich um die Interessen Schleswig-Holsteins, nicht
um das Wohl von Simonis im Kreise ihrer Kollegen. 2004
betrugen die Einnahmen aus dem Glücksspiel 76 Millionen Euro. 32
Millionen Euro gehen an Kreise und kreisfreie Städte etwa für
Kindergärten. Dem Land gehen mindestens zehn Millionen Euro
verloren. Die wohlhabenden Länder werden die Gewinner sein. Bei
dem gesamten Vorgang fand kein geordnetes parlamentarisches
Verfahren statt.
Heiner Garg (FDP): Rot-Grün hat die
üblichen geordneten parlamentarischen Verfahren verhindert.
Beratungen wurden unter Hinweis auf Termindruck verschoben. Das
riecht nach rot-grüner Verdunkelungspolitik. Schleswig-Holstein wird
durch die Staatsverträge für zehn Jahre rechtlich zu sehr
eingeschränkt werden. Der Staatsvertrag wird das Land bis 2014
mindestens 45 Millionen Euro kosten. Es geht Rot-Grün nur um die
Gesichtswahrung der Ministerpräsidentin.
Monika Heinold (Grüne):
Kurzfristig bedeutet der Regionalisierungs-Staatsvertrag
eine erhebliche Einbuße. Mittelfristig bedeutet er Sicherheit. Es
ist falsch zu behaupten, dass das Land ohne Not auf mehrere
Millionen Euro verzichten will. Die Lotto-Landschaft verändert
sich. Es gilt, sich zwischen kalkulierbaren und deutlich
unkalkulierbaren Mindereinnahmen zu entscheiden. Dem Parlament
waren die Staatsverträge seit eineinhalb Jahren bekannt. Hier
wird nichts überstürzt entschieden.
Anke Spoorendonk (SSW): Für
Glücksspiele muss es klare gesetzliche Regelungen darüber geben,
wem die Einnahmen gehören sollen. Die Einnahmen sollen dem Sport,
der Umwelt oder sozialen Zwecken zur Verfügung gestellt werden.
Über die Mindereinnahmen können wir nicht erfreut sein. Aber
Schleswig-Holstein ist in anderen Fragen auch auf das Wohlwollen
der anderen Bundesländer angewiesen.
Über die
Gesetzentwürfe wurde getrennt namentlich abgestimmt: Der
Gesetzentwurf mit der Drucksachen-Nummer 3343 (neu) wurde mit 47
Ja–Stimmen gegen 38 Nein-Stimmen angenommen.; der Gesetzentwurf
mit der Drucksachennummer 15/3346 wurde mit 47 Ja–Stimmen gegen
38 Nein-Stimmen angenommen.
Der Antrag der
Regierungskoalition mit der Drucksachen-Nummer 15/3523 wurde mit
den Stimmen von Rot-Grün und der SSW-Landtagsgruppe gegen die
Stimmen von CDU und FDP angenommen.
Hintergrund:
Die Landesregierung
hat dem Landtag zwei Staatsverträge zur Neugliederung des
Lotteriewesens zur Ratifizierung vorgelegt:
- Das eine Abkommen
soll die unterschiedlichen Regelungen in den
Bundesländern vereinheitlichen. Dieser Vertrag wurde
bereits von den Ministerpräsidenten der Länder
unterzeichnet und soll zum 1. Juli 2004 in Kraft
treten. Die Absprache betont den Vorrang des
staatlichen Glückspiels und nennt Voraussetzungen
für die Veranstaltung privater Lotterien.
- Ebenfalls am 1. Juli
soll ein bereits unterzeichneter Staatsvertrag in
Kraft treten, der gewerbliche Spielervermittler dazu
verpflichten soll, ihre Erträge zu regionalisieren.
Das Problem: Unternehmen wie Faber aus Bochum oder
fluxx.com aus Kiel vermitteln Lotto-Spieler aus ganz
Deutschland an die Lottogesellschaft ihres
Bundeslandes. Dies, so der Vorwurf, geht zu Lasten der
Regionen, in denen die Spieler ihren Wohnsitz haben
und bevorteilt die Länder, in denen die Unternehmen
angesiedelt sind.
Der federführende
Innen- und Rechtsausschuss empfiehlt dem Landtag gegen die
Stimmen der CDU, die Verträge zu ratifizieren.
mehr
Informationen: "plenum-online", Mai
2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2004/texte/09_28_lotterien.htm)
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