Kiel (SHL). Eine
kostenpflichtige Zusatzqualifikation "Landwirtschaft im
Nebenerwerb" kann das fortschreitende Höfe-Sterben in
Schleswig-Holstein nach Ansicht der rot-grünen Koalition nicht
stoppen. Die CDU hatte am Mittwoch, 16. Juni 2004, einen Antrag
eingebracht, der eine zusätzliche Ausbildungsmaßnahme für
Erben von Höfen mit nicht-landwirtschaftlicher Erstausbildung
forderte. Dies soll die Weiterbildung zum Landwirt ermöglichen.
Nach Ansicht der Union ist ein speziell ausgerichtetes
Angebot die einzige Möglichkeit, Nebenerwerbs-Betriebe für die
neue EU-Agrarreform fit zu machen. Landwirtschaftsminister Klaus
Müller (Grüne) verwies dagegen auf bestehende Angebote - etwa
der Landwirtschafts-Kammer oder der einjährigen Fachschule für
Landwirtschaft. Diese würden derzeit aber nur in geringem
Umfang genutzt.
In
Schleswig-Holstein wirtschaften 43 Prozent der Landwirte im
Nebenerwerb. Im Bundes-Durchschnitt waren nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes im Jahr 2003 über die Hälfte (54
Prozent) der etwa 388.000 landwirtschaftlichen Betriebe
Nebenerwerbs-Betriebe. Aufgrund des zunehmenden Preisdrucks in
der Agrarwirtschaft haben zunehmend nur noch intensiv
wirtschaftende Großbetriebe die Möglichkeit, ausschließlich
auf Getreide- oder Viehwirtschaft als Vollerwerb zu setzen.
Kleinere Höfe reagieren hierauf mit der Erschließung
zusätzlicher Erwerbsquellen. Neben Ferien auf dem Bauernhof
bieten Landwirte zum Beispiel die Direktvermarktung ihrer
Erzeugnisse, Bauernhofcafés oder kommunale Dienstleistungen
(Winterdienst, Grünpflege) an und betreiben die eigentliche
Landwirtschaft nur noch nebenbei. Ein
Weiterbildungsangebot für junge Hof-Nachfolger zum Landwirt
(400 Unterrichtsstunden, verteilt auf zwei Jahre) gibt es
beispielsweise schon in Baden-Württemberg.
Stimmen aus
der Debatte:
Jürgen
Feddersen (CDU): Die Anforderungen an die
Betriebsleiter, wie etwa Beachtung des Umweltschutz, werden
steigen. Wir schlagen eine Zusatzqualifikation vor, die mehr ist
als ein Schnupperkurs. Das neue Qualifikationsangebot soll junge
Menschen zur Hof-Nachfolge vorbereiten.
Maren Kruse
(SPD): Das Vorhaben ist gut gemeint, aber schlecht
gemacht. Kostenpflichtige Zusatzqualifikation oder Weiterbildung
ist ein Unterschied - eine reine Weiterbildung greift zu kurz.
Der Bauernverband hat festgestellt, dass auch im Nebenerwerb
bereits hervorragende Bildung nötig ist und diese gibt es in
Schleswig-Holstein schon lange.
Günther
Hildebrand (FDP): Der Fokus der Bemühungen sollte auf
Haupterwerbs-Betrieben liegen, die Familien ernähren können.
Unsere Landwirte sind auch im Nebenerwerb schon gut ausgebildet.
Wir sollten den ersten Schritt zuerst tun, um im Vollerwerb
wettbewerbsfähig bleiben und diese Betriebe vorsorglich
erhalten.
Detlef
Matthiessen (Grüne): Eine Sonderregelung in der
Ausbildung darf es nicht geben, die gute fachliche Praxis muss
auch in Nebenerwerbs-Betrieben gelten und vermittelt werden.
Neue Angebote sind nicht nötig, wir lehnen dies ab.
Lars Harms
(SSW): Der Beruf Landwirt erfordert eine hohe
Qualifikation. Landwirte brauchen Kenntnisse über
umweltgerechte Pflanzen-Produktion, der artgerechten Tierhaltung
und der modernen Unternehmensführung. Dies gilt auch für
Nebenerwerbs-Betriebe.
Der Antrag wurde von
SPD und Grünen gegen die Stimmen der CDU abgelehnt. FDP und SSW
enthielten sich
Hintergrund:
Über die Hälfte (54 Prozent) der landwirtschaftlichen
Betriebe in Deutschland waren nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes im Jahr 2003
Nebenerwerbsbetriebe. Aufgrund des zunehmenden Preisdrucks
in der Agrarwirtschaft haben zunehmend nur noch intensiv
wirtschaftende Großbetriebe die Möglichkeit,
ausschließlich auf Getreide- oder Viehwirtschaft als
Vollerwerb zu setzen. Kleinere Höfe reagieren hierauf mit
der Erschließung zusätzlicher Erwerbsquellen. Neben
Ferien auf dem Bauernhof bieten Landwirte zum Beispiel die
Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse, Bauernhofcafés,
kommunale Dienstleistungen (Winterdienst, Grünpflege)
oder Altenpflegedienste an.
Ein weiteres Problem der Landwirtschaft ist die
Suche nach einer geeigneten Hof-Nachfolge. Viele junge
Menschen suchen angesichts eines Zwölf-Stunden-Tages und
einer Sieben-Tage-Woche eine andere berufliche
Orientierung.
Angesichts dieser Entwicklungen fordert die CDU die
Landesregierung auf, jungen Hof-Nachfolgern mit
nicht-landwirtschaftlicher Berufsausbildung die
Weiterbildung zum Landwirt zu ermöglichen. Ein solches
Weiterbildungsangebot (400 Unterrichtsstunden, verteilt
auf zwei Jahre) gibt es beispielsweise schon in
Baden-Württemberg.
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