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Flüchtlinge - Kohäsionsbericht
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Top 20:
Bleiberecht für Flüchtlinge
mit langjähriger Duldung
Antrag der Fraktionen von
SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN |
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Top 19:
3. Kohäsionsbericht
der Europäischen Kommission
Antrag der Fraktionen von
SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN |
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Bleiberecht:
Kiel debattiert
parallel zu Berlin
Landtag fordert
Nachbesserung bei Zuwanderung
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Kiel (SHL). Auch nach der Einigung beim
Zuwanderungsgesetz zwischen Bundesregierung und Union in Berlin
am Donnerstag, 17. Juni 2004, halten SPD und Grüne im Kieler
Landtag an ihrer Forderung nach einem unbefristeten Bleiberecht
für Flüchtlinge mit langjähriger Duldung fest. Redner beider
Fraktionen forderten, langjährig geduldeten Flüchtlingen eine
Integrationsperspektive zu eröffnen. Ein entsprechender Antrag,
der die Landesregierung auffordert, auf Bundesebene in diesem
Sinne tätig zu werden, fand auch die Zustimmung von FDP und
SSW. Die Union hingegen warnte, den in Berlin vereinbarten
Zuwanderungs-Kompromiss nicht durch neue Forderungen zu
gefährden.
Deutliche Unterschiede zwischen SPD und Grünen
im Landtag gab es in der Bewertung des Berliner
Zuwanderungs-Kompromisses. Er habe die Einigung "mit Freude
und Erleichterung zur Kenntnis genommen", sagte der
SPD-Abgeordnete Klaus-Peter Puls. Gleichwohl hielt Puls an der
Forderung fest, langjährig geduldeten Menschen einen sicheren
Rechtsstatus zu geben. Irene Fröhlich (Grüne) sah hingegen in
der Zuwanderungsdebatte das letzte Wort noch nicht gesprochen:
Die Union streite noch, so Fröhlich; ihren eigenen
Parteifreunden im Bund riet sie, das neue Gesetz abzulehnen, es
sei eher ein "Zuwanderungs-Verhinderungs- statt ein
Zuwanderungsgesetz", kritisierte sie. Eine Einschätzung,
die auch Silke Hinrichsen vom SSW teilte. Im Kern gehe es beim
neuen Gesetz darum, "möglichst andere Leute hier nicht
rein zu lassen". Zugleich begrüßte Hinrichsen jedoch die
geplante Einrichtung einer Härtefallkommission.
Buß gegen generelles "Bleiberecht für
alle"
In der Sache stimmte auch Wolfgang Kubicki,
Fraktions-Chef der Liberalen, dem rot-grünen Antrag zu. Neben
humanitären Gründen führte Kubicki an: Das "faktische
Arbeitsverbot" für geduldete Ausländer, führe dazu, dass der Staat
für diese Flüchtlinge aufkommen müsse. Das sei den Bürgern
kaum zu vermitteln. Zugleich argwöhnte Kubicki jedoch: Der
rot-grüne Antrag sei lediglich ein „Placebo", denn: Nach
der Einigung in Berlin noch etwas am Zuwanderungs-Kompromiss zu
ändern, sei eine "Herkules-Arbeit". Auch
Innenminister Klaus Buß (SPD) räumte einer "umfassenden
Altfallregelung" kaum Chancen auf Erfolg ein. Zugleich
erteilte Buß der Forderung nach einem generellen "Bleiberecht
für alle" eine Absage. Wer seine Abschiebung immer wieder
mit Anträgen und Tricks hinaus schiebe, dürfe nicht am Ende
mit dem Bleiberecht belohnt werden. Auf der kommenden
Innenminister-Konferenz in Kiel (7./8. Juli) werde er sich
jedoch für ein Bleiberecht von Flüchtlingen aus Afghanistan
und dem Kosovo einsetzen, erklärte Buß.
Dagegen erklärte Peter Lehnert (CDU): "Schon
die Diskussion über eine erneute Altfallregelung ist das
falsche politische Signal." Von einer solchen Debatte gehe
eine Anreizwirkung auf Menschen aus, die noch in ihrer Heimat
seien. Das erhöhe den Zuwanderungsdruck. Eine dauerhafte
Akzeptanz für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland
werde es bei der Bevölkerung zudem nur geben, wenn aus der
vorübergehenden Duldung kein faktisches und rechtliches
Bleiberecht werde. Die Einigung im Zuwanderungsstreit nannte
Lehnert einen "tragfähigen Kompromiss", das Beharren
der Union habe sich gelohnt.
Das Bleiberecht im neuen
Zuwanderungs-Kompromiss
Der genaue Text des neuen Zuwanderungs-Gesetzes
lag am Donnerstag noch nicht vor. Laut der Nachrichtenagentur dpa ist jedoch
vorgesehen, die Duldung künftig auf 18 Monate zu begrenzen.
Nach Ablauf dieser Frist erhalten geduldete Flüchtlinge eine
begrenzte Aufenthaltserlaubnis. Geduldet wird in Deutschland,
wer kein Anrecht auf Asyl hat, aber auch nicht abgeschoben
werden kann. Das gilt zum Beispiel dann, wenn die Lage im
Herkunftsland nicht sicher ist, weil dort (Bürger-)Krieg
herrscht, aber auch wenn sich der Heimatstaat weigert, seine
Bürger wieder aufzunehmen. Für geduldet Ausländer bedeutet
eine Aufenthaltserlaubnis eine deutliche Verbesserung ihres
Status. Der Zugang zum Arbeitsmarkt wird erleichtert, der
Aufenthaltsort kann frei gewählt und auch eine Wohnung
angemietet werden. In Einzelfällen ist eine Prüfung durch eine
Härtefallkommission vorgesehen. Hinter den Forderungen von
Rot-Grün im Landtag bleibt der Entwurf jedoch zurück, weil die
Aufenthaltserlaubnis nur befristet gelten soll. Von den 230.000
Ausländern, die derzeit in Deutschland geduldet sind, leben
nach Schätzungen der Flüchtlingsorganisation "Pro Asyl"
rund 150.000 bereits länger als sechs Jahre im Land.
Hintergrund:
SPD und
Grüne im Landtag fordern die Landesregierung auf, sich
bei den Beratungen über das Zuwanderungsgesetz auf
Bundesebene für ein Bleiberecht für langjährig
geduldete Ausländer einzusetzen.
Laut Angaben des
Flüchtlinsbeauftragten des Schleswig-Holsteinischen
Landtags leben rund 230.000 Menschen in Deutschland, die
den rechtlichen Status der Duldung haben – darunter
4.000 in Schleswig-Holstein. Duldung bezeichnet eine
Aufenthaltserlaubnis mit Abschiebeschutz, die alle sechs
Monate verlängert werden muss. Diese Personen haben
aufgrund ihres Status nur geringen Anspruch auf
Sozialleistungen und wegen des kurzfristigen Bleiberechts
unsichere Zukunftsperspektiven. Ein großer Teil dieser
Menschen sind Flüchtlinge, die aufgrund von Krieg und
Verfolgung in ihrer Heimat nach Deutschland gekommen sind
und die trotz abgelehnter Asylanträge aus humanitären
Gründen nicht abgeschoben werden können. Der größte
Personenkreis stammt nach Angaben der Bundesbeauftragten
für Ausländerfragen aus dem ehemaligen Jugoslawien
beziehungsweise Bosnien (insgesamt gut 122.000). Weitere
Herkunftsländer sind die Türkei (14.800), Afghanistan
(11.000) oder Vietnam (9.450, Zahlen aus dem Jahr 2002).
Ende Mai haben sich
Koalition und Opposition im Bund im Vermittlungsverfahren
über das Zuwanderungsgesetz auf einen Kompromiss
geeinigt. Er sieht unter anderem eine Begrenzung der
Duldung und eine anschließende Aufenthaltserlaubnis vor,
deren genaue Ausgestaltung noch offen ist.
Das Berliner
Abgeordnetenhaus hat im Mai einen ähnlichen Vorstoß
gestartet wie Rot-Grün in Schleswig-Holstein.
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Kürzt die
EU die Fördermittel?
Landtag nimmt
Kohäsionsbericht unter die Lupe
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Kiel (SHL). Die
Landesregierung will sich auch künftig für die finanzielle
Unterstützung strukturschwacher Regionen in Schleswig-Holstein
durch die Europäische Union einsetzen. Den 3. Kohäsionsbericht
der EU, der eine schrittweise Angleichung der
Lebensverhältnisse in den 25 Ländern zum Ziel hat, bezeichnete
Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) am Freitag, 18. Juni,
als notwendige Antwort der Gemeinschaft auf die Erweiterung.
Liberale und Christdemokraten äußerten die Befürchtung, dass
Schleswig-Holstein wegen der Erweiterung ab 2006 weitgehend auf
EU-Mittel verzichten müsse. Die Streichung der Förderung
hätte, so Manfred Ritzek (CDU), für Schleswig-Holstein fatale
Folgen.
Durch den Beitritt
gehöre Schleswig-Holstein nicht mehr zu den Rückständigen.
Dabei sei für das Land nichts besser geworden, kritisierte
Veronika Kolb (FDP). Während Ulrike Rodust (SPD). betonte, es gelte
zu einem Interessenausgleich zwischen der EU, dem Bund und
Schleswig-Holsteins zu kommen, bezeichnete Karl-Martin Hentschel
(Grüne) die Kohäsionspolitik der Europäischen Union als
Erfolgsstory, von der der deutsche Export profitiert habe. Das
letzte Wort sei in Sachen Kohäsionspolitik noch nicht
gesprochen, hob Anke Spoorendonk (SSW) mit Blick für 2005
vorgesehenen Nachverhandlungen über das Ausmaß und die Vergabe
der Fördermittel hervor.
Gelder aus
Brüssel
Laut dem von
Rot-Grün beantragten Bericht der Landesregierung bestreitet das
Land Schleswig-Holstein derzeit 50 Prozent seiner
Strukturpolitik aus EU-Mitteln. Nach der Osterweiterung sind die
Unterschiede innerhalb der EU größer geworden. Das
durchschnittliche Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf beträgt in den
zehn Neu-Mitgliedern weniger als die Hälfte der alten 15er-EU.
Deswegen wird eine Umverteilung der europäischen Strukturfonds
zugunsten der neuen EU-Länder nach Ende der laufenden
Förderperiode im Jahr 2006 diskutiert. Für die nächste
Förderperiode 2007 bis 2013 stehen voraussichtlich rund 336
Milliarden Euro zur Verfügung. Die EU plant, die Hälfte dieser
Summe in die neuen Mitgliedstaaten zu investieren. Kritiker
mahnen, dies dürfe nicht zu Lasten förderungswürdiger
Regionen in der "alten" EU gehen. In der laufenden
Förderperiode 2000 bis 2006 erhält Schleswig-Holstein
insgesamt 258 Millionen Euro aus Brüssel, die in
Landesprogramme wie "ZIEL" (Zukunft im eigenen Land)
einfließen. Schwerpunkte sind unter anderem die Infrastruktur,
der Bildungsbereich und der Tourismus.
Hintergrund:
Ein Ziel der europäischen Wirtschaftspolitik ist die so
genannte Kohäsion, also die Angleichung der
wirtschaftlichen Leistungskraft und des Lebensstandards in
den verschiedenen Regionen der EU. Aufgrund der im
gemeinsamen Binnenmarkt bestehenden Wechselwirkungen, so
die Europäische Kommission in ihrem 3. Kohäsionsbericht,
wirkt sich ein großes wirtschaftliches Gefälle negativ
auf die gesamte Union aus.
Nach der Osterweiterung sind die Unterscheide
innerhalb der EU größer geworden. Das durchschnittliche
Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf beträgt in den zehn
Neu-Mitgliedern weniger als die Hälfte der alten 15er-EU.
Deswegen wird eine Umverteilung der europäischen
Strukturfonds zugunsten der neuen EU-Länder nach Ende der
laufenden Förderperiode im Jahr 2006 diskutiert. Für die
nächste Förderperiode 2007 bis 2013 stehen
voraussichtlich rund 336 Milliarden Euro zur Verfügung.
Die EU plant, die Hälfte dieser Summe in die neuen
Mitgliedstaaten zu investieren. Kritiker mahnen, dies
dürfe nicht zu Lasten förderungswürdiger Regionen in
der Alt-EU gehen.
In der laufenden Förderperiode 2000 bis 2006
erhält Schleswig-Holstein insgesamt 258 Millionen Euro
aus Brüssel, die in Landesprogramme wie ZIEL (Zukunft im
eigenen Land) einfließen. Schwerpunkte sind unter anderem
die Infrastruktur, der Bildungsbereich und der Tourismus.
mehr
Informationen: Der
Kohäsionsbericht / Europ. Kommission
(http://europa.eu.int/comm/regional_policy/sources/docoffic/official/
reports/cohesion3/cohesion3_de.htm)
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