Mehr Bildung vor der Ausbildung
Opposition und Koalition legen Programme vor
Kiel (SHL) Ein "Sechs-Punkte-Programm zur
Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit und Berufsorientierung"
der CDU hat im Landtag am Donnerstag, 17. Juni 2004, ein geteiltes
Echo hervorgerufen. Die Christdemokraten streben an, zukünftige
Auszubildende bereits in den Schulen besser für bevorstehende
Aufgaben in der Arbeitswelt zu qualifizieren. Fast 18 Prozent der
Betriebe konnten im Jahr 2002 ihre Ausbildungsplätze wegen der
mangelnden Qualifikation der Bewerber nicht besetzen, kritisierte
Sylvia Eisenberg (CDU) in der Begründung. Die rot-grüne Koalition
warnte davor, Bildungsdefizite grundsätzlich den Schulen anzulasten
und legte einen eigenen Ziel-Katalog vor. Mit beiden Anträgen wird
sich der Bildungsausschuss befassen.
Die Union schlägt unter anderem vor, in der
Schule stärker auf Allgemeinbildung zu achten.
Schule und Wirtschaft sollen im Rahmen regionaler
Bündnisse enger zusammenarbeiten und die Lehrpläne an den Schulen sich stärker am späteren
Arbeitsleben orientieren – etwa durch die Einbeziehung
der Betriebe in die Gestaltung der Lerninhalte und durch
Praktika. Ebenso soll die Lehreraus- und -fortbildung mehr
Wert auf betriebspraktische Inhalte legen. Die Hauptschule
schließlich soll beispielsweise durch eine landesweite
zentrale Abschlussprüfung gestärkt werden.
Die Regierungskoalition betonte in der Sache die
gleichen Ziele zu verfolgen, sah aber andere Wege zur Verbesserung
der Ausbildungsfähigkeit vonnöten - und konterte mit einem sieben
Punkte umfassenden Antrag. Darin wird insbesondere die Bedeutung der
Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik bei der beruflichen
Qualifikation junger Menschen in den Vordergrund gestellt und
bereits ergriffene Maßnahmen zur Stärkung der schulischen Bildung
aufgelistet. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) betonte,
generell könne nicht immer nur alles auf die Schulen geschoben
werden - "das ist zu billig". Auch die Ausbildungsseite
habe bisweilen überzogene Ansprüche: Der Dialog zwischen
Auszubildenden, Schulen, Politik und Wirtschaft müsse intensiviert
werden.