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Entwicklung und Stand der Kulturwirtschaft in Schleswig-Holstein
Bericht der Landesregierung
Drucksache: 15/3482
-Plenarprotokoll-

Landtag sieht wachsende
Bedeutung der Kulturwirtschaft

Union: Branche steckt noch in den Kinderschuhen

Kiel (SHL). Für eine stärkere Förderung der Kulturwirtschaft Schleswig-Holsteins haben sich die Parteien des Landtages am Freitag, 18. Juni, ausgesprochen. Das Parlament reagierte damit auf eine Premiere: Erstmals hatte eine Landesregierung einen Bericht über Stand und Entwicklung der Kulturwirtschaft vorgelegt. Die Zahlen und Fakten räumen mit dem Verdacht auf, dass Kultur immer nur Geld kostet, bilanzierte Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) mit Blick auf die vielen ehrenamtlichen Aktivitäten in diesem Bereich. Die Ministerin hob zudem die Bedeutung der Kulturwirtschaft für die Identität und den Tourismus des Landes hervor. Die Wachstumspotentiale in dieser Branche seien noch längst nicht ausgeschöpft.

Das sah die CDU-Abgeordnete Caroline Schwarz dramatischer: Die Kulturwirtschaft Schleswig-Holsteins "steckt in den Kinderschuhen"; der Umsatz stagniere, beschied sie und mahnte die Eroberung neuer Märkte an. Insbesondere im Bereich des Kulturtourismus habe das Land erheblichen Nachholbedarf. Nur 1,7 Prozent aller Reisen hätten kulturelle Ziele.

Dem Bericht der Landesregierung zufolge erzielten Unternehmen und Selbstständige in der Kulturwirtschaft 2001 einen Gesamtumsatz von knapp drei Milliarden Euro. Dies zeige, dass Kultur alles andere als ein weicher Standortfaktor sei, dass hier nicht von Peanuts die Rede sein könne, erklärte Ulf von Hielmcrone (SPD). 2001 seien in der Kulturwirtschaft 5.319 Personen in kulturellnahen Unternehmen beschäftigt gewesen.

Reichlich Diskussionsstoff für Ausschüsse

Als Schritte in die richtige Richtung nannte Ekkehard Klug (FDP) die Siedlungskonstruktion im Wikingermuseum Haithabu und die Wiederherstellung des Gottorfer Barockgartens. Er räumte aber auch ein, dass die schwierige Wirtschaftslage auch in kommerziellen Branchen zu Besucherrückgängen geführt hätte, wie es beispielsweise bei den Kinos zu verzeichnen sei. Angelika Birk (Grüne) mahnte eine stärkere Zusammenarbeit zwischen unabhängigen und öffentlich geförderten Kulturbetrieben an. Als Erfolgsstory bezeichnete sie die nordischen Filmtage, die ein Viertel ihres Budgets selbst erwirtschafteten, sowie die Museumslandschaften.

Das Thema Kultur werde viel zu oft ausgeklammert, stellte Anke Spoorendonk (SSW) fest. Für künftige Berichte wünschte sie sich eine präzisere und schnellere Abfrage von Daten. Die SSW-Politikerin schlug überdies einen Förderwettbewerb für Existenzgründer im Bereich Kultur vor.

Der Bericht, den die CDU angefordert hatte, wurde an die Ausschüsse für Bildung und Wirtschaft überwiesen.

Hintergrund:
  Die Regierung legt dem Landtag einen Bericht zur Entwicklung der Kulturwirtschaft in Schleswig-Holstein vor, den das Parlament im April 2003 angefordert hatte. Zur Kulturwirtschaft werden unter anderem die Bereiche Musik-, Literatur- und Buchmarkt, Design, Kunstmarkt, darstellende Kunst, Film-, Fernseh- und Multimediamarkt, Kulturmanagement und Kulturbauwirtschaft gerechnet. Die Branche hat sich laut Bericht der Landesregierung zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, der große Wachstums- und Beschäftigungspotenziale enthält.

  Einige Punkte aus dem Regierungsbericht:

Insgesamt gab es im Erhebungsjahr 2001 in Schleswig-Holstein 5.319 steuerpflichtige Unternehmen beziehungsweise Einzelpersonen, die in diesem Bereich tätig waren. Das ist eine Steigerung von 35 gegenüber der letzten Bilanz aus dem Jahr 1998. Diese Unternehmen haben einen Gesamtumsatz von knapp drei Milliarden Euro erwirtschaftet.

Der größte Zweig der Kulturwirtschaft in Schleswig-Holstein ist der Literatur- und Buchmarkt. Hier zählt das Kulturministerium 1.659 Unternehmen mit rund 17.500 Beschäftigten. Diese Firmen haben zusammen einen Gesamt-Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden Euro.

272 Unternehmen im Lande sind im Bereich Musikwirtschaft tätig. Dazu gehören zum Beispiel Komponisten, Musikverlage, Studios, Tonträgerhersteller, Instrumentenbauer und Konzertveranstalter.

2.217 Unternehmen waren auf dem Kunstmarkt und im Design aktiv. Dazu zählen unter anderem die Schmuckherstellung, der Handel mit Bildern, Münzen und Briefmarken und die Restauration, ebenso wie selbständige Maler und Fotografen.

mehr Informationen: "plenum-online", April 2003 
(www.sh-landtag.de/plenumonline/april03/
texte/10_21_phaenomenta_kultur.htm)

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