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Landtag sieht
wachsende
Bedeutung der Kulturwirtschaft
Union: Branche steckt noch in den Kinderschuhen
Kiel (SHL). Für
eine stärkere Förderung der Kulturwirtschaft Schleswig-Holsteins
haben sich die Parteien des Landtages am Freitag, 18. Juni,
ausgesprochen. Das Parlament reagierte damit auf eine Premiere:
Erstmals hatte eine Landesregierung einen Bericht über Stand und
Entwicklung der Kulturwirtschaft vorgelegt. Die Zahlen und Fakten
räumen mit dem Verdacht auf, dass Kultur immer nur Geld kostet,
bilanzierte Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) mit Blick auf
die vielen ehrenamtlichen Aktivitäten in diesem Bereich. Die
Ministerin hob zudem die Bedeutung der Kulturwirtschaft für die
Identität und den Tourismus des Landes hervor. Die
Wachstumspotentiale in dieser Branche seien noch längst nicht
ausgeschöpft.
Das sah die
CDU-Abgeordnete Caroline Schwarz dramatischer: Die
Kulturwirtschaft Schleswig-Holsteins "steckt in den
Kinderschuhen"; der Umsatz stagniere, beschied sie und mahnte
die Eroberung neuer Märkte an. Insbesondere im Bereich des
Kulturtourismus habe das Land erheblichen Nachholbedarf. Nur 1,7
Prozent aller Reisen hätten kulturelle Ziele.
Dem Bericht der Landesregierung
zufolge erzielten Unternehmen und Selbstständige in der Kulturwirtschaft 2001 einen Gesamtumsatz von knapp drei Milliarden
Euro. Dies zeige, dass Kultur alles andere als ein weicher
Standortfaktor sei, dass hier nicht von Peanuts die Rede sein
könne, erklärte Ulf von Hielmcrone (SPD). 2001 seien in der
Kulturwirtschaft 5.319 Personen in kulturellnahen Unternehmen
beschäftigt gewesen.
Reichlich
Diskussionsstoff für Ausschüsse
Als Schritte in die
richtige Richtung nannte Ekkehard Klug (FDP) die
Siedlungskonstruktion im Wikingermuseum Haithabu und die
Wiederherstellung des Gottorfer Barockgartens. Er räumte aber
auch ein, dass die schwierige Wirtschaftslage auch in
kommerziellen Branchen zu Besucherrückgängen geführt hätte,
wie es beispielsweise bei den Kinos zu verzeichnen sei. Angelika
Birk (Grüne) mahnte eine stärkere Zusammenarbeit zwischen
unabhängigen und öffentlich geförderten Kulturbetrieben an. Als
Erfolgsstory bezeichnete sie die nordischen Filmtage, die ein
Viertel ihres Budgets selbst erwirtschafteten, sowie die
Museumslandschaften.
Das Thema Kultur werde
viel zu oft ausgeklammert, stellte Anke Spoorendonk (SSW) fest.
Für künftige Berichte wünschte sie sich eine präzisere und
schnellere Abfrage von Daten. Die SSW-Politikerin schlug überdies
einen Förderwettbewerb für Existenzgründer im Bereich Kultur
vor.
Der Bericht, den die
CDU angefordert hatte, wurde an die Ausschüsse für Bildung und
Wirtschaft überwiesen.
Hintergrund:
Die Regierung legt dem Landtag
einen Bericht zur Entwicklung der Kulturwirtschaft in
Schleswig-Holstein vor, den das Parlament im April 2003
angefordert hatte. Zur Kulturwirtschaft werden unter
anderem die Bereiche Musik-, Literatur- und Buchmarkt,
Design, Kunstmarkt, darstellende Kunst, Film-, Fernseh-
und Multimediamarkt, Kulturmanagement und
Kulturbauwirtschaft gerechnet. Die Branche hat sich laut
Bericht der Landesregierung zu einem wichtigen
Wirtschaftszweig entwickelt, der große Wachstums- und
Beschäftigungspotenziale enthält.
Einige Punkte aus
dem Regierungsbericht:
Insgesamt
gab es im Erhebungsjahr 2001 in Schleswig-Holstein 5.319
steuerpflichtige Unternehmen beziehungsweise
Einzelpersonen, die in diesem Bereich tätig waren. Das
ist eine Steigerung von 35 gegenüber der letzten Bilanz
aus dem Jahr 1998. Diese Unternehmen haben einen
Gesamtumsatz von knapp drei Milliarden Euro
erwirtschaftet.
Der
größte Zweig der Kulturwirtschaft in
Schleswig-Holstein ist der Literatur- und Buchmarkt.
Hier zählt das Kulturministerium 1.659 Unternehmen mit
rund 17.500 Beschäftigten. Diese Firmen haben zusammen
einen Gesamt-Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden Euro.
272
Unternehmen im Lande sind im Bereich Musikwirtschaft
tätig. Dazu gehören zum Beispiel Komponisten,
Musikverlage, Studios, Tonträgerhersteller,
Instrumentenbauer und Konzertveranstalter.
2.217 Unternehmen waren
auf dem Kunstmarkt und im Design aktiv. Dazu zählen unter
anderem die Schmuckherstellung, der Handel mit Bildern,
Münzen und Briefmarken und die Restauration, ebenso wie
selbständige Maler und Fotografen.
mehr Informationen: "plenum-online", April
2003
(www.sh-landtag.de/plenumonline/april03/
texte/10_21_phaenomenta_kultur.htm)
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