
Kiel (SHL). Der Atomausstieg ist und bleibt das
erklärte Ziel der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Das
unterstrich Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) bei der
Vorstellung des Energieberichts 2004 am Freitag, 18. Juni 2004. Bis zum Jahr 2018 soll im Norden das letzte AKW vom Netz
gehen. Ersetzt werden soll die wegfallende Kraftwerksleistung
durch ein Maßnahmenbündel aus Energie-Einsparung, effizienter
Energie-Nutzung und den Ausbau erneuerbarer Energien – vor allem
der Windkraft. 2,2 Millionen Euro stellt das Land für die
Förderung dieses „3-Säulen-Konzeptes" bereit. Simonis kündigte an, bis 2010 die Hälfte des
Stroms aus der Windkraft zu beziehen; derzeit sind es 25 Prozent.
Liberale und Union kritisierten dagegen vor allem den Ausbau der
Windenergie als zu teuer und ideologisch motiviert. Die CDU nutzte
die Debatte darüber hinaus erneut für ein deutliches Bekenntnis
zur Kernenergie.
"Es ist keine Kunst bei
derartigen Subventionen, eine Boom-Wirtschaft aufzubauen.",
hielt Trutz Graf Kerssenbrock (CDU) der Windkraftpolitik der
Landesregierung entgegen. Rot-Grün verschwende Subventionen an
einen Industriezweig ohne dauerhafte Perspektive und verabschiede
sich gleichzeitig aus der "klimaschonenden" Atomenergie.
Dabei würden rund um Deutschland – beispielsweise in Finnland
und in Frankreich – neue Meiler gebaut. Der Ausstieg aus der
Kernkraft sei das falsche Signal, so Kerssenbrock. Auch Christel
Aschmoneit-Lücke von den Liberalen plädierte dafür, die "Option
Atomenergie" nicht einfach aufzugeben. Allerdings gebe es
angesichts des Widerstands in der Bevölkerung derzeit keinen
Investor, der ein neues AKW in Deutschland plane. Jede
Neubauforderung sei daher eine Debatte über "Potemkinsche
Dörfer". Der Landesregierung warf sie vor, "im
Windrausch" zu handeln. Die Einsparung von CO2-Emissionen
durch Windkraft sei 25 mal teurer als durch Effizienzsteigerungen
in konventionellen Kraftwerken, kritisierte die FDP-Politikerin.
"Energiepolitische
Geisterfahrer"
Dagegen verwies der SPD-Abgeordnete
Wilhelm Malerius vor allem auf die wirtschaftlichen Erfolge der
Windkraft in Schleswig-Holstein. Diese sichere im Norden
inzwischen 4.000 Arbeitsplätze in mittelständischen Betrieben.
In der Entwicklung neuer großer Multi-Megawatt-Anlagen sei
Schleswig-Holstein führend; große Zukunftschancen räumte
Malerius daneben dem Ausbau von Biogas-, Stroh- und
Holzkraftwerken ein. Grüne und SSW nahmen in ihren Beiträgen vor
allem die CDU aufs Korn. Diese habe die Debatte um Erneuerbare
Energien verschlafen, so Detlef Matthiessen (Grüne). Die "sichere
und verlässliche Windenergie" werde künftig ein Drittel des
Weltbedarfs decken. Der Rohstoff Uran dagegen werde nur noch für
rund 40 Jahre reichen, so Matthiessen. Lars Harms (SSW) machte in
den Reihen der Union "energiepolitische Geisterfahrer"
aus. Gerade für die Westküste sei der Ausbau der Windkraft eine
Erfolgsgeschichte. Erstmals biete sich Menschen mit akademischer
Ausbildung durch die neue Technik eine Chance, in der Region
bleiben zu können, so Harms.
Abschließende beraten wird in den
Ausschüssen für Umwelt und für Wirtschaft.
Erneuerbare
Energien: Neues aus Berlin
Auf Bundesebene hat sich der
Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag unterdessen am
Donnerstag auf einen Kompromiss zum Erneuerbare-Energien-Gesetz
geeinigt. Im Rahmen des Gesetzes wird die Förderung der
Energiegewinnung aus Wind und Wasser, Sonne, Biomasse und
Erdwärme geregelt. Danach sollen Windkraftanlagen künftig nur
noch an günstigen Standorten gefördert werden. Bis zum Jahr 2020
soll der Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch nach
den Plänen der Bundesregierung ein Fünftel ausmachen.