Auf dieser Seite: Kita-Gesetz  –  Schuleingangs-Untersuchung

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Top 08: 
Neufassung Kindertagesstättengesetz
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD
Änderungsantrag der Abgeordneten des SSW – Drs. 16/129
Änderungsantrag der Fraktion der FDP – Drs. 16/136
Änderungsantrag der Fraktion B`90/Die Grünen – Drs. 16/138

Drucksache: 16/107
-Plenarprotokoll-
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Top 17: 
Vorgezogene Schuleingangsuntersuchung
Antrag der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/124
-Plenarprotokoll-
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Angekündigte Novelle des Kita-Gesetzes bereits in breiter Diskussion
Landtag schickt vier Anträge in die Ausschüsse

Kiel (SHL/15.06.05). Mit einer Vielzahl von Anträgen und Änderungsanträgen hat der Landtag die in vergangenen Tagungen von der Landesregierung angekündigte Novelle des Kindertagesstätten-Gesetzes begleitet. Anlass der Debatte war ein schwarz-roter Antrag, der dazu aufforderte, insbesondere den Bildungsauftrag der Kitas wie bei der Entwicklung von Sprache, Schrift und Motorik, die Mitwirkungsrechte der Elternschaft sowie verbesserte Strukturen der Aus- und Weiterbildung in den Entwurf einzuarbeiten. Alle Anträge sollen nun im Bildungs- und im Sozialausschuss weiter beraten werden. Die Landesregierung wurde aufgefordert ihren Entwurf bis zum 1. August vorzulegen.

Die Liberalen legten in der Aussprache besonderen Wert auf die Weiterentwicklung der Erzieher-Ausbildung und forderten zum wiederholten Male eigenständige Bachelor-Studiengänge. CDU und SPD hatten berufsbegleitende Studiengänge gefordert. Ekkehard Klug (FDP) monierte, Schleswig-Holstein hätte durch eine frühzeitige Einführung "grundständiger Studiengänge für angehende Vorschulpädagogen" eine Vorreiter-Rolle einnehmen können, nun würde es wieder zu Recht "Schläfrig-Holstein" heißen.

Kita-Zuschüsse bis 2010 erhalten

Die Grünen und der SSW forderten in ihren Anträgen vor allem dazu auf, die pädagogischen Standards nicht zu verringern sowie die Landes-Zuschüsse für Kitas in Höhe von 60 Millionen Euro bis zum Jahr 2010 zu erhalten. Monika Heinold (Grüne) plädierte für ein "gezieltes und ergänzendes" Förderprogramm im vorschulischen Bereich statt allgemeiner Aussagen wie im schwarz-roten Antrag formuliert. Lars Harms (SSW) warnte davor, die Kita-Zuschüsse des Landes nicht in den kommunalen Finanzausgleich zu integrieren. Das Land habe eine Verantwortung für die Bildung der Kinder und damit müsse es auch die volle finanzielle Verantwortung übernehmen, so Harms.

Heike Franzen (CDU) betonte, es sei wesentlich, die Kindergärten mit den Grundschulen zu vernetzen. Dies werde durch den Bildungsauftrag auf Grundlage der Leitlinien sicher gestellt. Astrid Höfs (SPD) gestand einen Nachholbedarf im Bildungsbereich ein. Dazu gehöre neben einer qualifizierten Ausbildung der Erzieher auch die Mitwirkungsrechte der Eltern. Die Finanzierung der Kitas sei gesichert, versicherte sie. Die Zuschüsse bleiben in unveränderter Höhe bestehen – auch bei sinkenden Kinderzahlen.

Ministerin betont ganzheitlichen Bildungsauftrag

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) zeigte sich erfreut über die zahlreichen Debattenbeiträge. Die geplante Novelle greife einen ganzheitlichen Bildungsauftrag auf, der sich an den Merkmalen und Bedürfnissen der Kinder orientiere, betonte sie. In Schleswig-Holstein gibt es nach Regierungsangaben derzeit 1.635 Kindertageseinrichtungen mit 93.643 Plätzen.

 

Hintergrund:
  Im Mai hatte der Landtag in Erster Lesung einen Gesetzentwurf der FDP auf Änderung des Kindetagestättengesetzes beraten. Ziel war es, die Mitbestimmungsrechte der Eltern zu stärken. Jetzt fordern die Koalitionsfraktionen die Landesregierung auf, bis zum 1. August einen umfassenderen Entwurf des Kita-Gesetzes vorzulegen. Dies CDU und SPD verweisen dabei auf folgende Punkte:
 – Der Bildungsauftrag der Kitas soll verankert werden, etwa in den Bereichen Sprache, Motorik, Schrift, Musik, Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Eine ähnliche Schwerpunktsetzung hatte die alte rot-grüne Regierung der letzten Legislaturperiode bereits im September 2004 in der Form von Leitlinien an die Kitas gerichtet. Diese sollten nach einer Erprobungsphase über ihre Erfahrungen berichten.
 – Die Rechte der Elternvertretungen sollen auf Kreis- und auf Landesebene festgeschrieben werden. Die Koalition nimmt damit Inhalte eines entsprechenden FDP-Entwurfs auf. 
 – Die Qualifizierung der Erzieher soll durch die Weiterentwicklung der Fachschulen und durch die Einführung eines Bachelor-Studienganges verbessert werden. Schwarz-Rot bezieht sich hier ebenfalls auf einen FDP-Vorschlag aus der vergangene Wahlperiode.
  In dem Änderungsantrag fordert der SSW, das der jetzige Landeszuschuss in Höhe von mindestens 60 Mio. Euro pro Jahr für die Kindertagesstätten bis 2010 erhalten bleibt und nicht in den kommunalen Finanzausgleich integriert wird. Außerdem sollen die Standards für die Kindertagesstätten nicht verringert werden.
  In Schleswig-Holstein gibt es nach Regierungsangaben 1.635 Kindertageseinrichtungen mit 93.643 Plätzen.

mehr Informationen: plenum-online, Mai 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2005/texte/03_26_kitas_algII.htm)

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Für einen perfekten Start in den "Ernst des Lebens": Kinder sollen vor der Einschulung früher untersucht werden

Kiel (SHL/15.06.05). Die Sorge um einen perfekten Start in den "Ernst des Lebens" vereint große Koalition und Opposition: Die Landtagsparteien wollen Kinder früher als bisher vor der Einschulung untersuchen lassen. Einen entsprechenden Antrag der Grünen überwies das Plenum an den Bildungsausschuss. Durch eine frühere Eingangsuntersuchung könnten Entwicklungsdefizite rechtzeitiger aufgedeckt werden, womit mehr Zeit für spezielle Förderung zur Verfügung stünde, begründeten die Grünen ihren Vorstoß. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) kündigte zudem an: Die Regierung werde unter anderem die Sprachförderung für Kinder im Vorschulalter flächendeckend ausbauen.

Strittig unter den Parteien ist der anvisierte Zeitpunkt für die Schuluntersuchung. Die Grünen wollen die Untersuchung mindestens ein Jahr vor Schulbeginn durchführen. Union und SPD dagegen halten eine Begutachtung zwischen Oktober und Dezember des Jahres vor der Einschulung für ausreichend. 

Stimmen aus dem Plenum:

Monika Heinold (Grüne): Wir wollen die Schuleingangsuntersuchung schrittweise vorverlegen. Diese Zeit muss in den Kindertagesstätten zur Herstellung der Chancengleichheit genutzt werden. Von der verbesserten Unterrichtssituation würden alle profitieren, die schlechteren, aber auch die besseren Schüler.

Susanne Herold (CDU): Ein erfolgreicher Schulstart setzt ausreichende Deutschkenntnisse voraus. Deshalb wird der Bildungsauftrag der Kitas erweitert und die Qualität der Erzieherausbildung verbessert. Es ist wichtig, im Kindergarten neue Wege zu beschreiten.

Detlef Buder (SPD): Viele Immigrantenkinder haben große Schwierigkeiten, weil zu Hause kein Deutsch gesprochen wird. Mit diesem Problem darf man die Grundschullehrer nicht allein lassen. Eine Perspektive wäre eine zweijährige Kindergartenpflicht.

Ekkehard Klug (FDP): Mittlerweile ist es in der Bundesrepublik Konsens, dass Kinder möglichst früh gefördert werden. In Rheinland-Pfalz hat die sozial-liberale Koalition sogar ein freies Kindergartenjahr vor der Einschulung eingeführt.

Anke Spoorendonk (SSW): Die verpflichtende Schuleingangsuntersuchung kann nur ein kleiner Baustein sein. Eine nachhaltige frühkindliche Förderung ist ohne professionelle Ausbildung, kleine Gruppengrößen und individuelle Fördermöglichkeiten nicht möglich.

Hintergrund:
  Die Grünen fordern die Vorverlegung der Schuleingangsuntersuchungen. Sie sollen spätestens zum Schuljahr 2007/2008 mindestens ein Jahr vor der Einschulung stattfinden. Damit soll gewährleistet werden, dass eventuelle motorische und sprachliche Defizite rechtzeitig behoben werden können. Dies soll insbesondere für Kinder aus sozialen Brennpunkten und aus Migrantenfamilien gelten.
  Zurzeit beginnen die Schulen am 15. Oktober des Jahres vor der Einschulung damit, die Kinder zur Anmeldung und zur Untersuchung zu laden. Die Untersuchung übernehmen die Kinder- und Jugendärztlichen Dienste der Städte und Kreise. Wenn der Arzt hierbei Defizite feststellt, ist die Schule gehalten, eine Betreuung des Kindes zu vermitteln.
  Laut dem Bericht der Landesregierung über Schul-Eingangsuntersuchungen für die Jahre 1999 bis 2002 werden jährlich etwa 6,7 Prozent der Schulanfänger vom Schulbesuch zurückgestellt. Jungen sind hier doppelt so häufig vertreten wie Mädchen. Kinder von Eltern mit geringem Bildungsstand und ausländische Kinder sind häufiger betroffen - Kinder, die eine Kindertagesstätte besucht haben, seltener. 2002 wurde bei 5,4 Prozent der Kinder sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt.
  Das Thema ist auch Teil des CDU/SPD-Koalitionsvertrags: Hier wird angestrebt, die Schuleingangsuntersuchung spätestens auf das vierte Quartal des Kalenderjahres vor der Einschulung vorzuziehen.
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