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2. Bericht des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung über die Situation der behinderten Menschen in Schleswig-Holstein sowie über seine Tätigkeit
Federführend ist das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren
Drucksache: 16/43neu, 16/133
-Plenarprotokoll-

Für mehr Teilhabe am
öffentlichen Leben

Landesbeauftragter für Menschen mit
Behinderung legt Bericht vor

Kiel (SHL/16.06.05). Die Lebenssituation der 225.000 behinderten Menschen in Schleswig-Holstein soll künftig stärker berücksichtigt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Barrierefreiheit in Alltag und Beruf sowie das Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben. Darüber herrschte im Plenum große Einigkeit. Anlass der Debatte war der zweite Bericht des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Dr. Ulrich Hase. Wie alle anderen Redner dankte auch Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) den Verfassern des Berichts. Er habe deutlich gemacht, dass ein behindertenpolitisches Gesamtkonzept nötig sei. Denn trotz guter Fortschritte in der Politik, wie dem Landesgesetz zur Gleichstellung aus dem Jahr 2003, gebe es im Vollzug noch Entwicklungsbedarf, um behinderten Menschen die Leistungen zu geben, die sie auch verdienten, so die Ministerin. Die Debatte wurde simultan in Gebärdensprache "übersetzt" (Foto).

Das Amt des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen gibt es in Schleswig-Holstein seit 1988. Seit 1997 hat der Jurist und Hörgeschädigtenpädagoge Ulrich Hase den Posten inne. Er legt dem Landtag alle zwei Jahre seinen Bericht  vor. Danach ist seit 2002 die Zahl der Arbeitslosen unter Menschen mit Behinderung um 30 Prozent auf 5.340 gestiegen. Hier mahnt der Bericht verstärkte Anstrengungen der Bundesagentur für Arbeit an. Lobend werden die Bemühungen des Landes, behinderte Kinder zusammen mit nicht Behinderten in gemeinsamen Schulen integrativ zu unterrichten, erwähnt. Im Schuljahr 2003/2004 traf dies auf 5.210 Schüler zu.

Der Bericht wurde an den Sozialausschuss und mitberatend an alle alle anderen Landtagsausschüsse überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Heike Franzen (CDU): Es wurde viel geschafft und es bleibt viel zu tun. Arbeitslosigkeit etwa betrifft Menschen mit Behinderungen besonders häufig, gerade, wenn es sich um ältere Menschen handelt.

Wolfgang Baasch (SPD): Die Barrieren müssen aus den Köpfen. Menschen mit Behinderungen müssen auch Gelegenheit bekommen, am öffentlichen und politischen Leben teilzunehmen – Partizipation und Teilhabe sind hier die Schlagworte.

Heiner Garg (FDP): Barrierefreiheit existiert häufig nur auf dem Papier. Das hat auch mit Teilhabe zu tun, denn oft werden Betroffene nicht im Vorfeld gefragt, wie man Barrierefreiheit erreichen kann. Das führt dann später zu mehr Kosten.

Monika Heinold (Grüne): Die Integration von Menschen mit Behinderung macht Fortschritte. Um Möglichkeiten zu haben, sich auch im Alltag gegen Ausgrenzung zu wehren, ist ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz nötig.

Lars Harms (SSW): Beauftragte für behinderte Menschen sind auch auf kommunaler Ebene nötig. Wenn Interessen von Menschen mit Behinderung nicht auf kommunaler Ebene berücksichtigt werden, wo dann?

Aktuell: Hase für fünf weitere Jahre bestellt

Wie das Sozialministerium parallel zu der Debatte am Donnerstag, 16. Juni 2005, mitteilte, ist Dr. Ulrich Hase für weitere fünf Jahre zum hauptamtlichen Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung bestellt worden. Hase, promovierter Jurist und Hörgeschädigtenpädagoge, arbeitete von 1995 an zunächst ehrenamtlich in dieser Funktion, seit 1997 ist er hauptamtlich als Landesbeauftragter tätig.

Schwerpunkte der Arbeit von Hase sind der Einsatz für eine umfassende Barrierefreiheit insbesondere in den Bereichen Bauen, Verkehr und neue Technologien sowie der Einsatz für ein selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen. Zur Verbesserung auch der politischen Teilhabe der Betroffenen kümmert sich der 49-jährige, zweifache Familienvater auch weiter um die Bestellung kommunaler Beauftragter. Am Anfang seiner Tätigkeit waren es fünf, jetzt sind es 21. Der Landesbeauftragte ist seit 2003 im Sozialministerium angesiedelt. Er hat vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Hase, seit frühester Kindheit nahezu taub, engagiert sich seit über 20 Jahren zudem auf verschiedenen Ebenen der ehrenamtlichen Behindertenverbandsarbeit, insbesondere in Verbänden der Gehörlosen und Schwerhörigen. Er war bis 1999 Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes und ist nun Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft zur Förderung Gehörloser und Schwerhöriger sowie Mitglied des Vorstandes der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte (BAGH) und Mitglied im beratenden Ausschuss der Bundesanstalt für Arbeit.

Einen Landesbeauftragten als Ansprechpartner für Menschen mit Behinderung gibt es in Schleswig-Holstein seit 1988. Seit Januar 2003 ist die Rechtsgrundlage dafür das Landesgesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen. 

Hintergrund:
  Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen legt dem Landtag alle zwei Jahre einen Bericht über die Situation behinderter Menschen in Schleswig-Holstein vor. Einige Aspekte aus dem rund 180 Seiten starken Bericht über die Jahre 2003 und 2004:
  • In Schleswig-Holstein leben etwa 225.000 schwer behinderte Menschen. Aufgrund des demographischen Wandels mit einem größer werdenden Anteil älterer Menschen ist davon auszugehen, dass diese Zahl in den nächsten Jahren steigen wird.
  • Die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten ist seit 2002 um rund 30 Prozent auf landesweit 5.340 gestiegen. Vor diesem Hintergrund mahnt der Behindertenbeauftragte eine intensive Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit an, die bei den laufenden Umstrukturierungs-Prozessen der Arbeitsagenturen nicht unter den Tisch fallen dürfe.
  • Einen Hauptgrund für die Probleme behinderter Menschen am Arbeitsmarkt sieht der Landesbeauftragte in der Befürchtung der Unternehmen, behinderte Arbeitnehmer wegen des besonderen Kündigungsschutzes nur schwer entlassen zu können. Er verweist darauf, dass die zuständigen Integrationsämter im Jahr 2002 rund 79 Prozent aller Kündigungen zugestimmt hätten.
  • Der Beauftragte lobt die Bemühungen der Landesregierung, behinderte und nicht behinderte Kinder in gemeinsamen Schulen zu unterrichten. Im Schuljahr 2003/2004 wurden 5.210 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf integrativ unterrichtet – das sind 31 Prozent aller Schüler mit einem solchen Förderbedarf.

  Das Amt des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen gibt es in Schleswig-Holstein seit 1988. es ist beim Sozialministerium angesiedelt. Der Beauftragte versteht sich als Interessenvertreter der Behinderten gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung. Seit 1997 hat der Jurist und Hörgeschädigtenpädagoge Ulrich Hase den Posten inne. Hase ist seit frühester Kindheit hörgeschädigt.
  Der Sozialausschuss empfiehlt dem Landtag, den Bericht federführend dem Sozialausschuss und mitberatend allen anderen Ausschüssen zuzuleiten.

mehr Information: Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen

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