|
Auf dieser
Seite: Bahnteilnetz
Ost (Aktuelle
Stunde)
|
xxx
|
Aktuelle Stunde:
Stand der Ausschreibungen des
Bahnteilnetzes Ost
– Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – |
|
|
Opposition kritisiert
Bahnpolitik
von Minister Austermann
Aktuelle Stunde zum Verzicht auf Ausschreibungen
Kiel (SHL/15.06.05). Mit seiner in der
Plenartagung wiederholten Ankündigung, den öffentlichen
Schienennahverkehr im östlichen Schleswig-Holstein nicht mehr in
jedem Fall öffentlich ausschreiben zu wollen, hat
Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) bei den
Oppositionsparteien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Von
einem "Paukenschlag", sprach Klaus Müller von den
Grünen, in der von seiner Fraktion beantragten Aktuellen Stunde:
Der Minister würde Streckenvergaben künftig offenbar mit
Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn "bei einem Glas Wein
aushandeln", unterstellte Müller. Austermann wolle die
Bürger in Schleswig-Holstein wieder in weniger und schlechter
ausgestattete Züge setzen, so Heiner Garg (FDP). Lars Harms (SSW)
forderte die Fraktionen der Großen Koalition auf, ihren
Verkehrsminister zu "zivilisieren". Die SPD reagierte
verhalten auf den Vorstoß des Verkehrsministers.
"Ich werde eine Ausnahme vom üblichen
Wettbewerbsverfahren vorschlagen",
machte Austermann im Landtag erneut deutlich. "Wir werden
europaweit bekannt geben, was wir tun." Dann könne sich
jeder melden, der sich für den Betrieb der Strecken interessiere.
Anschließend werde verhandelt und ausgewählt. "Wettbewerb
funktioniert auch ohne Ausschreibung", sagte er. Grund für
seine Entscheidung sei, dass das billigste Angebot "nicht
immer das Beste ist". Dies habe sich auch in den bisherigen
Ausschreibungen gezeigt.
Der entscheidende Unterschied bei diesem so
genannten Interessenbekundungsverfahren zu einer europaweiten
Ausschreibung: Bei letzterer müsste das Land klare Anforderungen
für die Vergabe definieren und wäre anschließend gesetzlich
verpflichtet, den günstigsten Anbieter zu wählen. Dem von
Austermann vorgeschlagenen Verfahren fehle demgegenüber die
notwendige Transparenz, beschied Lars Harms. Der Wettbewerber, der
den Zuschlag erhalten solle, stehe offenbar bereits fest,
argwöhnte er. Der Minister bekenne sich nur formal, aber nicht
inhaltlich zum Wettbewerb, kritisierte Garg. Die Grünen
kündigten für die August-Tagung des Landtags einen Antrag auf
europaweite Ausschreibung des Bahnnetzes Ost an.
Auch SPD warnt vor radikalem Kurswechsel
Rückendeckung bekam Austermann dagegen von seiner
eigenen Fraktion. Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten
gezeigt, dass "billig nicht immer gut" sei, wiederholte
der Unions-Abgeordnete Hans-Jörn Arp. Zugleich stellte er klar:
Seine Fraktion bekenne sich zum Wettbewerb. Ohne die Bahnreform
der Regierung Kohl hätte es überhaupt gar keine Privatisierung
der Bahn gegeben, pflichtete sein Parteikollege Johannes Callsen
bei.
Die Vergabepraxis in Schleswig-Holstein sei "ein
Erfolgsmodell" und werde fortgeführt, versicherte Olaf
Schulze für die SPD. Die privaten Mitbewerber der Bahn würden
zudem "mit Argusaugen" auf die Streckenvergabe sehen,
versicherte der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Bernd
Schröder. Ziel müsse es sein, im Rahmen der Ausschreibung
weitere zwölf Millionen Euro jährlich einzusparen.
Bei den Bahnstrecken im östlichen
Schleswig-Holstein geht es um die
Vergabe der rund 370 Kilometer, die bis zum Dezember 2009 von der
Regionalbahn, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG,
bedient wird. Zu den Strecken gehören unter anderem Kiel-Lübeck,
Lübeck-Hamburg und Hamburg-Büchen. Das Netz Ost ist das
bedeutendste und verkehrsstärkste Teilnetz in Schleswig-Holstein.
Hintergrund:
Zwischen dem
Wirtschaftsministerium einerseits sowie SPD, Grünen und
SSW im Landtag andererseits herrscht Uneinigkeit über die
Privatisierung des Bahnnetzes Ost. Wirtschaftsminister
Dietrich Austermann (CDU) hatte in der Vorwoche im
Wirtschaftsausschuss erklärt, das Land werde unter
Umständen auf eine Ausschreibung der 370 km Bahnstrecken
verzichten, wenn dies wirtschaftliche Vorteile für das
Land mit sich bringe. Bislang rollen hier Züge der
Deutschen Bahn AG (DB). Zu den betroffenen Strecken
gehören unter anderem Kiel-Lübeck, Lübeck-Hamburg und
Hamburg-Büchen.
Die Abgeordneten hatten demgegenüber auf einer
europaweiten Ausschreibung beharrt. Sie verweisen darauf,
dass durch die bisher erfolgten Ausschreibungen jährliche
Einsparungen im Landeshaushalt von 20 Millionen Euro
erreicht worden seien.
Unterdessen ist Minister Austermann mit der
Ankündigung eines vierstufigen Ausschreibungs-Verfahren
auf die Bedenken aus dem Landtag eingegangen. Er behalte
sich aber dennoch vor, so Austermann, im Einzelfall von
dieser Vergabe-Praxis abzuweichen.
In Schleswig-Holstein werden rund 40 Prozent des
Zugverkehrs von Konkurrenten des Ex-Monopolisten DB
betrieben. Unter anderem ist die zum französischen
Connex-Konzern gehörende Regionalbahn Schleswig-Holstein
auf den Strecken Hamburg-Westerland und
Kiel-Rendsburg-Schleswig-Husum unterwegs.
Der Landtag berät auf Antrag der Grünen in einer
Aktuellen Stunde über das Thema.
mehr
Informationen: plenum-online, Januar
2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2005/
texte/25_39_60_64_verkehrsinfra_bahn.htm)
Stichwort:
Über eine bestimmte Frage von
allgemeinem Interesse kann eine Aktuelle Stunde von einer
Fraktion oder von mindestens fünf Abgeordneten beantragt
werden. Die Redebeiträge einzelner Abgeordneter dürfen
nicht länger als fünf Minuten dauern und
zusammengenommen sechzig Minuten nicht überschreiten. Die
von Mitgliedern der Landesregierung in Anspruch genommene
Redezeit bleibt dabei unberücksichtigt, sollte aber dreißig
Minuten nicht überschreiten.
Eine Aktuelle Stunde findet auch statt, wenn während
einer Fragestunde ein Fragesteller die Beantwortung durch
die Landesregierung für unzureichend hält. Die
Aussprache muss unmittelbar nach Schluss der Fragestunde
verlangt und durchgeführt werden.
mehr
Informationen: Geschäftsordnung
des Landtages S-H
(www.landesregierung-sh.de/landesrecht/1101-7fr.htm)
|
|
|
* * * * *
| |
|