Auf dieser Seite: EU-Verfassung (Aktuelle Stunde) 

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Aktuelle Stunde:
Zukunft des europäischen Integrationsprozesses

– Antrag der Fraktionen von CDU und SPD –
-Plenarprotokoll-

EU muss Vertrauen der Bürger zurückgewinnen
Aktuelle Stunde zur EU-Verfassung nach Scheitern der Referenden in Niederlanden und Frankreich

Kiel (SHL/15.06.05). Trotz der gescheiterten Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden wollen die Parteien am Prozess der Europäischen Integration festhalten. In der von schwarz-rot beantragten aktuellen Stunde machten die Abgeordneten aber auch deutlich: Ein "weiter so" kann es nach dem französischen "Non" und dem holländischen "Nee" nicht geben. Europa müsse sich verstärkt um die Ängste und Nöte der Bürger kümmern, so eine fraktionsübergreifende Forderung. Strittig hingegen ist die Zukunft der Türkei: Während die Christdemokraten für eine privilegierte Partnerschaft mit der EU eintreten, sprachen sich Sozialdemokraten und Grüne für ergebnisoffene Beitragsverhandlungen aus.

Europaminister Uwe Döring (SPD/Foto) nahm die Furcht der EU-Bürger vor der fortschreitenden Globalisierung ins Visier: "Wir brauchen so etwas wie eine europäische Sozialverträglichkeitsklausel", forderte er. Zudem gelte es den Bürgern den Nutzen der EU nahe zu bringen. Als Beispiel nannte er die Entwicklung des Lübecker Hafens. "Der boomt wegen der Osterweiterung und das schafft Arbeitsplätze", konstatierte Döring.

Nationalen Egoismus zurückstellen

"Die EU befindet sich in einer Krise", stellte der Fraktionschef der CDU, Johann Wadephul, fest. Die gescheiterten Referenden seien das Resultat von Bürokratie-Verdrossenheit und dem in Aussicht gestellten Beitritt der Türkei. Europa müsse das Vertrauen der Bürger wieder herstellen. Wadephul rief die EU-Kommission auf, sämtliche der rund 900 neuen Gesetze auf den Prüfstand zu stellen. "Wir müssen endlich damit aufhören, immer alles neu zu normieren".

"Die Verfassung ist gescheitert" beschied Rolf Fischer (SPD) und mahnte mehr Zurückhaltung an: So lange der nationalstaatliche Egoismus ausgeprägter sei als der Europa-Gedanke, könne sich kein positives Europa-Bild entwickeln. Deutschland müsse sich auf Veränderungen seines föderatives Systems einstellen und Zuständigkeiten abgeben.

Es fehlt das "Wir-Gefühl"

Ekkehard Klug (FDP) forderte eine europäische Inventur. Europa brauche Bürokratieabbau und eine Pause vom Erweiterungsprozess. Die EU müsse endlich wieder einen Draht zu den Bürgern finden. Der auf rund 450 Millionen Einwohner angewachsenen Gemeinschaft fehle das "Wir-Gefühl", weil sich die Politik immer unter den Eliten bewegt habe. Es wäre falsch, von der Politik der Erweiterung und Integration abzuweichen, warnte Anne Lütkes (Grüne). Gerade das Beispiel Türkei zeige, dass diese EU-Strategie zu Veränderungen in den Ländern führe. So würden dort heute die Menschenrechte und speziell die Rechte von Frauen in der Öffentlichkeit diskutiert.

Anke Spoorendonk (SSW) bezeichnete die EU-Verfassung als fortschrittlich, gab ihr aber keine Zukunft: "Die Verfassung wird in der vorliegenden Form nicht in Kraft treten. Dieser Tatsache muss man sich stellen." 

Weitere Redner: Manfred Ritzek (CDU), Anette Lange (SPD)

Hintergrund: 
  Nachdem Deutschland Ende Mai als neunter Mitgliedsstaat die EU-Verfassung ratifiziert hatte, haben Franzosen und Niederländer das Vertragswerk mit deutlicher Mehrheit (55 beziehungsweise 62 Prozent Nein-Stimmen) abgelehnt. Kurz darauf hat die britische Regierung das für 2006 geplante Referendum auf unbestimmte Zeit verschoben. EU-Ratspräsident Juncker und Kommissionspräsident Barroso haben sich dennoch für die Fortsetzung des Ratifizierungsprozesses ausgesprochen, obwohl die Verfassung nur dann in Kraft tritt, wenn alle 25 Mitgliedsstaaten zustimmen. Ein Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 16. und 17. Juni in Brüssel will sich mit der Frage beschäftigen. Das nächste Verfassungs-Referendum steht am 10. Juli in Luxemburg an. Am 27. September sollen die Dänen an die Urne.

Über die Krise der Europäischen Union berät der Landtag, der noch in der Mai-Tagung die Verfassung generell begrüßt hatte, in einer von CDU und SPD beantragten Aktuellen Stunde.

mehr Informationen: plenum-online, Mai 2005
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2005/
texte/15_27_mindestlohn_euverfassung.htm)

Stichwort: 
 
Über eine bestimmte Frage von allgemeinem Interesse kann eine Aktuelle Stunde von einer Fraktion oder von mindestens fünf Abgeordneten beantragt werden. Die Redebeiträge einzelner Abgeordneter dürfen nicht länger als fünf Minuten dauern und zusammengenommen sechzig Minuten nicht überschreiten. Die von Mitgliedern der Landesregierung in Anspruch genommene Redezeit bleibt dabei unberücksichtigt, sollte aber dreißig Minuten nicht überschreiten.
 Eine Aktuelle Stunde findet auch statt, wenn während einer Fragestunde ein Fragesteller die Beantwortung durch die Landesregierung für unzureichend hält. Die Aussprache muss unmittelbar nach Schluss der Fragestunde verlangt und durchgeführt werden.

mehr Informationen: Geschäftsordnung des Landtages S-H
(www.landesregierung-sh.de/landesrecht/1101-7fr.htm)

 
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Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde:  
a.) EU-Verfassung
b.) Bahnteilnetz Ost

Dringlichkeit:  
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Dringlichkeit:  
Husumer Hafen

Fragestunde:
Landes-Blindengeld

Außerdem notiert: 
Herzlichen Glückwunsch

I n n e n  / R e c h t

2. Lesungen:
NDR-Staatsvertrag
Wahlen:
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Antrag:
Aufsichtsgremien
(ohne Aussprache)
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(ohne Aussprache)
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(ohne Aussprache)
Berichte:
Landtagswahl
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F i n a n z e n

Fragestunde:
Landes-Blindengeld

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Behinderte Menschen

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