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Ausbildungsplätze:
Schwarz-Rot trotz "schwieriger Lage" optimistisch
Opposition sieht Krise heraufziehen
Kiel (SHL/28.06.).
Angesichts der auf den Lehrstellenmarkt drängenden geburtenstarken
Jahrgänge und des zu geringen Angebots an Ausbildungsplätzen sieht
die Opposition eine "Krise" heraufziehen, die sich zu
einer "sozialen Zeitbombe" entwickeln könnte. Grüne, FDP
und SSW forderten deshalb im Plenum erhebliche Anstrengungen der
Landesregierung – etwa eine schnellere Reaktion auf neue
Berufsbilder und den Erhalt von Förderprogrammen für Migranten.
Ziel müsse es sein, jedem Bewerber eine Lehrstelle oder ein
Qualifizierungsangebot zu vermitteln. Auch die Koalition sprach von
einer "schwierigen Lage", sah Schleswig-Holstein aber
dennoch auf einem guten Weg.
CDU und SPD lobten insbesondere das
"Bündnis für Ausbildung", in dem seit 1997
Wirtschaftskammern, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften
zusammenarbeiten. Anlass der Debatte waren zwei ähnlich gelagerte
Anträge der Grünen sowie von Schwarz-Rot, die damit Warnrufe des Deutschen
Gewerkschaftbundes (DGB) aufnahmen.
Der DGB sieht bundesweit einen Mangel
an 31.000 Lehrstellen für das im September beginnende
Ausbildungsjahr. In Schleswig-Holstein kämen auf 100 Bewerber nur
77 Lehrstellen. Karl-Martin Hentschel (Grüne) ergänzte im Plenum,
dass über 1.200 Jugendliche mehr als im Vorjahr aus den Schulen kommen
würden – dazu noch über 3.000 aus "Warteschleifen" wie
Berufsqualifizierungsjahren. Sein Fazit: "Das Bündnis ist
gescheitert".
"Die Zahl der
Bewerber steigt, die Zahl der Lehrstellen stagniert seit sechs
Jahren", ergänzte Ekkehard Klug (FDP). Er warf der Regierung
vor, keine Rezepte für die Verbesserung der Ausbildungsreife der
Jugendlichen zu haben. Die Zahlen seien "dramatisch, aber nicht
überraschend", befand Anke Spoorendonk (SSW). So gehe aus
einer jüngst vom Institut der deutschen Wirtschaft
veröffentlichten Studie hervor, dass jeder fünfte Jugendliche in
der Berufsschule scheitert. Allein 2004 hätten demnach in
Deutschland fast 240.000 Jugendliche ihre Berufsschule oder das
Berufsvorbereitungsjahr ohne Abschluss verlassen.
CDU warnt vor Panikmache
Die Koalition lobte hingegen das
Bündnis als "Erfolgsstory" und "Erfolgsmodell".
Es habe bewirkt, dass Schleswig-Holstein seit Jahren im Bund eine
Spitzenposition einnehme, so Johannes Callsen (CDU). Er warnte
deshalb vor "Panikmache". "Wir werden jedem Bewerber
ein Angebot machen", erklärte Wirtschaftsminister Dietrich
Austermann (CDU). Das Land gebe schon jetzt jährlich sechs
Millionen Euro in diesem Bereich aus, etwa für Akquisiteure oder
für Projekte zur Verbesserung der Ausbildungsqualität. Beide
Politiker kritisierten die vielen "nicht ausreichend
qualifizierten und motivierten Bewerber" und appellierten an
die "eigene Verantwortung" der jungen Menschen.
Anette Langner (SPD) sah eine "angespannte
Lage". Zwar seien 23 Prozent der Bewerber noch ohne Lehrstelle,
dafür seien aber auch 13 Prozent der Stellen noch unbesetzt. Ihre
SPD-Kollegin Jutta Schümann nahm die Betriebe in die Pflicht:
"Das Duale System kann zukünftig nur funktionieren, wenn die
Wirtschaft ihre Verpflichtung ernst nimmt, Ausbildungsplätze in
ausreichendem Maße bereitzustellen."
Der Koalitionsantrag wurde
schließlich mit den Stimmen von CDU, SPD und SSW bei Enthaltung von
FDP und Grünen angenommen.
Hintergrund:
Die Grünen fordern die Landesregierung
auf, sich für eine bessere Ausbildungsplatz-Situation im
Lande einzusetzen. So soll jeder Schulabgänger entweder
eine Lehrstelle oder ein Qualifizierungsangebot erhalten.
Hintergrund sind verschiedene Warnrufe vor einem
Lehrstellenmangel in diesem Jahr. Nach Prognosen der
Bundesagentur für Arbeit zum Beispiel werden bis zum
Lehrjahresbeginn am 30. September bundesweit etwa 31.000
Lehrstellen fehlen. Der DGB geht davon aus, dass in
Schleswig-Holstein auf 100 Bewerber nur 77
Ausbildungsplätze kommen werden.
In einem nachgereichten
Antrag stellen CDU und SPD stellen heraus, dass sich das
Bündnis für Ausbildung in Schleswig-Holstein bewährt
hat und fordern dazu auf, das Engagement des Bündnisses
auf hohem Niveau fortzusetzen.
Für die kommenden Jahre ist nach Angaben der
Landesregfierung zudem mit einem Anstieg der
Schulabgängerzahlen zu rechnen. So werden 2006 insgesamt
33.000 junge Menschen ins Berufsleben einsteigen. Das sind
1.200 mehr als in diesem Jahr. Ein Rückgang der
Schulabgängerzahlen ist nach Regierungsangaben erst 2014
zu erwarten.
In den vergangen Jahren hat Schleswig-Holstein bei
der Lehrstellenvermittlung im bundesweiten Vergleich
häufig einen Spitzenplatz eingenommen. Ein Grund hierfür
ist das Bündnis für Ausbildung, in dem seit 1997
Wirtschaftskammern, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften
zusammenarbeiten.
mehr Informationen: plenum-online,
Januar
2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2006/texte/25_ausbildung.htm)
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