Mehr politische
Bildung ohne Ausweitung des Stundenplans?
Grüne wollen
Schulfach "WiPo" bereits ab Klasse 5
Kiel (SHL/29.06.). Die
schwarz-rote Koalition will über eine frühere Einführung des
Schulfaches "Wirtschaft und Politik" – kurz: WiPo –
nachdenken. Dies dürfe aber nicht zur Ausweitung des Stundenplans
führen, betonte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) in der
Aussprache zu einem entsprechenden Vorstoß der Grünen. Die
Oppositionspartei hatte die Einführung von WiPo bereits in der
Sekundarstufe 1 (ab dem 5. Schuljahr) an allen Schularten gefordert.
Das Fach wird zurzeit an Schleswig-Holsteins Gesamtschulen ab der 7.
Klasse, an den Hauptschulen in der 8. und 9. Klasse, an den
Realschulen in den Klassen 9 und 10 und am Gymnasium in der
Oberstufe unterrichtet. Wöchentlich werden zwei bis drei Stunden
Unterricht erteilt.
"Kinder und Jugendliche brauchen die Chance
und das Wissen, sich gesellschaftlich zu engagieren",
begründete Angelika Birk (Grüne) den Vorschlag ihrer Fraktion.
Dies gelte umso mehr, da Jugendliche in Schleswig-Holstein bereits
mit 16 Jahren das kommunale Wahlrecht haben. Anke Spoorendonk (SSW)
unterstützte den Plan und forderte die Landesregierung auf, einen
"Stufenplan" zur flächendeckenden WiPo-Einführung zu
erarbeiten.
Bildungsminister Ute Erdsiek-Rave (SPD)
signalisierte prinzipielle Zustimmung. Eine Möglichkeit sei die
Aufnahme des Faches in die Kontingentstundentafel im Verbund mit
Geschichte und Erdkunde. Auch ein Wahlpflichtfach "Wirtschaft
und Politik" für Schüler, die die dritte Fremdsprache nicht
wählen, sei denkbar.
Sylvia Eisenberg (CDU) machte darauf aufmerksam,
dass die Belastung der Gymnasiasten durch die bevorstehende
Einführung des 12-jährigen Abis ohnehin steigen werde. Deswegen
sei die Aufteilung der WiPo-Inhalte auf andere Fächer der richtige
Weg. Dies geschehe bereits mit Erfolg, ergänzte Detlef Buder (SPD).
Ekkehard Klug (FDP) gab zu bedenken, dass ansonsten die Frage
beantwortet werden müsse: "Welche Fächer sollen für WiPo
wegfallen?"
Der Bildungsausschuss wird weiter beraten.