Elbvertiefung:
Keine Mehrheit für Planungs-Stopp
Grünen-Antrag gescheitert / CDU, SPD und FDP
betonen Konkurrenzfähigkeit des Hamburger Hafens
Kiel (SHL/28.06.)
Die Grünen stehen mit ihrem Widerstand gegen die geplante
Elbvertiefung auf verlorenem Posten: Mit den Stimmen der großen
Koalition und der FDP hat der Landtag einen Antrag der
Oppositionspartei, der unter anderem ein "Nein" der
Landesregierung zur Fahrrinnenanpassung einforderte, eine Absage
erteilt. Als Wirtschaftsmotor Norddeutschlands müsse der Hafen auch
in Zukunft international konkurrenzfähig bleiben und in Zukunft
auch Schiffen der neuen Container-Generation mit einem Tiefgang von
14,5 Metern den Zugang zur Elbmetropole eröffnen, hieß es aus den
Reihen von CDU, SPD und FDP.
Die Grünen warnten in der Debatte vor den
ökologischen Folgen einer weiteren Elbvertiefung: Die neuerliche
Fahrrinnen-Anpassung würde das Sauerstoffloch in der Unterelbe
weiter vergrößern. Zudem sei mit einem Anstieg des Meeresspiegels
zu rechnen, der die Deiche in Gefahr bringe. Grundsätzlich müsse
vordringlich über die Erarbeitung eines norddeutschen
Hafenkonzeptes nachgedacht werden. Rückendeckung für den Vorstoß
bekundete der SSW: Statt der Elbvertiefung sprach sich die Partei
der dänischen Minderheit für einen Ausbau des Weser-Jade-Ports als
Tiefwasserhafen für Norddeutschland aus.
"Ohne Sicherheit der Deiche gibt es keine
Vertiefung", trat Umweltminister Christian von Boetticher (CDU)
den Bedenken der Grünen entgegen. Ob die Deiche wirklich in Gefahr
seien, darüber gebe es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Vor
diesem Hintergrund sei er nicht bereit, "Blanko-Schecks gegen
die Elbvertiefung" auszustellen, zumal der Hamburger Hafen eine
viel zu große Bedeutung für die schleswig-holsteinische Wirtschaft
habe.
Die geplante Vertiefung der Unterelbe zwischen
Hamburg und der Nordsee soll neuesten Containerschiffen den Zugang
zum Hafen der Hansestadt ermöglichen. Es wäre die siebte
Vertiefung seit 1850. Derzeit ist die Unterelbe für Schiffe mit
einem Tiefgang von maximal 13,50 Meter jederzeit und tideunabhängig
befahrbar. Für das zweijährige Bauprojekt, das 2007 begonnen
werden soll, müssten rund 33 Millionen Kubikmeter Schlamm
ausgehoben werden. Die Kosten werden auf 320 Millionen Euro
geschätzt.
Stimmen aus dem Plenum:
Detlef Matthiessen (Grüne): In den nächsten
Jahrzehnten darf es im Interesse der Sicherheit von Hunderttausenden
von Menschen nicht mehr nur darum gehen, wie man den Fluss den
Bedürfnissen der Schifffahrtsökonomie anpasst. Es muss stattdessen
eine gezielte Vorsorge für die Deichsicherheit geben.
Hans-Jörn Arp (CDU): Der Antrag der Grünen
ist grob fahrlässig. Der Hamburger Hafen wird sein Wachstum nur
fortsetzen können, wenn er für Containerschiffe der 5. und 6.
Generation tauglich ist. Und davon hängen zur Zeit immerhin 33.000
Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein ab.
Thomas Hölck (SPD): Zur Sicherung
vorhandener und Schaffung neuer Arbeitsplätze ist es notwendig,
für eine wettbewerbsfähige Seeschifffahrtsstraße zu sorgen.
Allerdings ist die geplante Elbvertiefung eine echte
Herausforderung, der sich die Wasserbauingenieure und Planer stellen
müssen.
Heiner Garg (FDP): Hamburg darf nicht vom
Seehandel abgeschnitten werden. Ansonsten würde der Umschlag auf
absehbare Zeit zurückgehen, was nicht nur zum Schaden für die
Hamburger Wirtschaft wäre, sondern auch für das Umland.