Kiel (SHL/30.06.) CDU und SPD
haben in einem gemeinsamen Antrag den im Zuge der Föderalismusreform
gefundenen Kompromiss im Bildungsbereich begrüßt. Es sei gut, dass sich der
Bund auch künftig an der Entwicklung von universitären Forschung und Lehre
in den Ländern beteiligen könne, hieß es aus den Reihen der
Regierungsfraktionen. Kritik kam von den Oppositionsparteien: Angesichts der
hohen Verschuldung eines Großteils der Länder äußerten Liberale, Grüne
und SSW ihre Sorge um eine angemessene finanzielle Unterstützung des
Schulwesens.
Zur Erinnerung: Ursprünglich sollte der Bereich Bildung im
Zuge der Föderalismusreform ausschließlich Ländersache werden. Mittlerweile
ist das so genannte Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in seiner
ursprünglichen Form vom Tisch. Beide Seiten haben sich auf einen Kompromiss
geeinigt. Der Bund erhält demnach nun doch relativ weit reichende
Kompetenzen. Berlin darf bei Vorhaben aus Wissenschaft und Forschung
mitwirken, was den Weg für Hochschulprogramme oder einen Hochschulpakt ebnet.
Einer solchen Maßnahme müssen aber alle Länder zustimmen. Darüber hinaus
behält der Bund das Recht, Regelungen zu Zulassung und Abschlüssen an den
Hochschulen zu beschließen. Allerdings können die Länder mit eigenen
Gesetzen davon abweichen.
Für die Schulen sind allein die Länder zuständig. Das ist
zwar im Grund jetzt schon der Fall, aber als Neuerung kommt hier das
umstrittene Kooperationsverbot zum Zug. Das bedeutet im Klartext, dass
Maßnahmen wie das Ganztagsschulprogramm der rot-grünen Bundesregierung
künftig nicht mehr möglich sein werden.
Anlass der Debatte im Landtag war ein Antrag des SSW. Darin
warb die Partei der dänischen Minderheit unter anderem für gemeinsame
Bildungs-Sonderprogramme von Bund und Ländern, wie etwa den Ausbau von
Ganztagsschulen. Der Antrag wurde mit den Stimmen von CDU und SPD abgelehnt,
die Oppositionsparteien votierten geschlossen für das Papier.
Die Föderalismusreform soll heute vom Bundestag in Zweiter
Lesung verabschiedet werden. Der Bundesrat soll das Gesetzespaket am kommenden
Freitag ratifizieren.
Stimmen aus dem Plenum:
Anke Spoorendonk (SSW): Der gefundene Kompromiss im
Bildungsbereich reicht nicht aus. Der alleinige Fokus auf die Wissenschaft ist
eine gefährliche Einengung. Die Zukunft liegt in der Schule. Die Finanzhilfen
sind für Entwicklung des Bildungswesens wichtig.
Sylvia Eisenberg (CDU): Es gilt zwischen Schul- und
Hochschulsystem zu unterscheiden. Unis müssen sich dem internationalen
Vergleich stellen. Die Schule lebt von der Verantwortung vor Ort. Deshalb ist
der gefundene Kompromiss zu begrüßen.
Jürgen Weber (SPD): Der Kompromiss ist kein Anlass zum
Jubeln. Für die zunehmende Internationalisierung des Hochschulwesens reicht
er nicht aus. Aber: Er ist ein positives Signal. Der Bund kann jetzt auch in
Forschung und Lehre helfen.
Ekkehard Klug (FDP): Die gefundene Kompromisslinie
reicht nicht aus. Die Frage ist doch, wie das Gros der Länder mit seinen
finanzielle Schwierigkeiten die steigenden Bildungskosten finanzieren soll. Es
besteht die Gefahr einer Dauerkrise im Bildungswesen.
Angelika Birk (Grüne): Einerseits führt Deutschland
europaeinheitliche Hochschulabschlüsse ein, andererseits begibt sich das Land
im Schulwesen auf den Weg in die Kleinstaaterei.