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Votum für
barrierefreies Fernsehen
Landtag fordert
Sender auf, noch mehr auf hör- und sehgeschädigte Menschen
Rücksicht zu nehmen
Kiel (SHL/28.06.)
Das Fernsehangebot für hör- und sehgeschädigte Menschen, das
sogenannte barrierefreie Fernsehen, soll weiter ausgebaut werden.
Dies haben Landtagsfraktionen und Landesregierung gefordert. In
einem auf Antrag der Regierungskoalition vorgelegten Bericht dankte
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) zwar den
Fernsehsendern für ihr "erfreuliches Engagement", Programme mit besonderem Service für Hör- und
Sehgeschädigte anzubieten. Zugleich ermunterte der Regierungschef
sie aber ausdrücklich darin, bei ihren Bemühungen um eine
Ausweitung des Angebots für behinderte Menschen "nicht
nachzulassen und weiterhin neue Akzente zu setzten".
Dem Bericht zufolge
plant der Norddeutsche Rundfunk (NDR) nach eigenen Angaben, sein
barrierefreies Angebot im kommenden Jahr von derzeit sieben auf
zwölf Prozent auszuweiten. Das ZDF habe im Jahr 2004 bereits 18
Prozent seines Programms mit Untertiteln ausgestrahlt und dieses
Angebot im vergangenen Jahr weiterhin ausgebaut. Allerdings weist der Bericht auch darauf hin, dass im
öffentlich-rechtlichen Fernsehen derzeit noch weniger als
ein Prozent aller Sendungen mit Audiodeskription, also gesprochenem
Begleittext für Sehbehinderte, ausgestrahlt werden. Im
Privatfernsehen seien erste Schritte des Angebots für behinderte Menschen
erkennbar, Sender wie Pro7 oder Kabel 1 würden derzeit aber – laut Landesmedienanstalt – nur hin und wieder Untertitel anbieten.
Angaben der "Aktion
barrierefreies Fernsehen" zufolge können in Deutschland rund
1,2 Millionen hochgradig schwerhörige und gehörlose Menschen und
mehr als zwei Millionen blinde und sehbehinderte Menschen die
meisten Fernsehsendungen wegen ihrer Sinnesbehinderung nicht
verstehen. In Schleswig-Holstein sind davon nach Angaben der
CDU-Fraktion 525.000 Seh- und Hörgeschädigte betroffen.
Der Bericht wurde zur
Beratung an den Sozialausschuss sowie den Innen- und Rechtsausschuss
überwiesen.
Weitere Stimmen
aus dem Plenum:
Heike Franzen
(CDU): Gerade bei den privaten Sendern
besteht noch ein erheblicher Nachholbedarf. Barrierefreiheit muss
auch in die Köpfe aller, die nicht darauf angewiesen sind. Dazu
muss die Kritik der Betroffenen ernst genommen werden.
Peter
Eichstädt (SPD): Die aktuelle Situation
kann nicht als befriedigend eingestuft werden. Es ist lediglich ein
Silberstreif, den wir aufmerksam beobachten werden. Noch entgehen
behinderten Menschen viele, für nicht-behinderte Menschen ganz
selbstverständliche Informationen.
Heiner Garg
(FDP): Die Situation ist trotz vieler
Anstrengungen der öffentlich-rechtlichen Sender noch nicht
zufriedenstellend. Barrierefreiheit darf kein zusätzliches Bonbon
sein, sondern muss zur Selbstverständlichkeit werden.
Angelika Birk
(Grüne): Im internationalen Vergleich ist
Deutschland beim barrierefreien Fernsehen ein Entwicklungsland. Das
aktuelle Angebot des NDR muss sehr zu Denken geben. Mit den
Programmdirektoren muss ein Dialog stattfinden, der über die
Unverbindlichkeit hinausgeht.
Lars Harms
(SSW): Das aktuelle Fernsehangebot für
Behinderte kann nur ein Anfang sein. Den vielen Sonntagsreden
müssen nun weitere Taten folgen. Vorbild müssen Ländern wie die
USA, Kanada und Großbritannien sein.
Hintergrund:
Auf Antrag der Koalition berichtet die
Landesregierung über das Thema barrierefreies Fernsehen
– also Programme mit besonderem Service für Hör- und
Sehgeschädigte.
Angaben des im Sozialministerium angesiedelten
Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung zufolge
werden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen weniger als
ein Prozent aller Sendungen mit Audiodeskription, also
gesprochenem Begleittext für Sehbehinderte, ausgestrahlt.
Die Teilhabemöglichkeiten hörgeschädigter Menschen am
Fernsehen sind dem Bericht zufolge nach wie vor stark
beschränkt. Die Deutsche Gesellschaft der
Hörgeschädigten-Selbstverbände und Fachverbände
stellte durch eine aktuelle zweiwöchige Stichprobe fest,
dass der NDR 1.330 untertitelte Sendeminuten ausgestrahlt
habe, dieses entspricht einem Anteil von sieben Prozent am
Gesamtprogramm. Rechnet man die Wiederholungen heraus, so
bleiben jedoch nur 0,3 Prozent.
Das ZDF hat nach eigenen Angaben den höchsten
Anteil an untertitelten Sendeminuten in Deutschland und
hat diesen Anteil 2005 noch weiter ausgebaut.
Die ProSiebenSat.1 Media AG, die unter anderem die
Sender Sat.1, Pro7, Kabel1und N24 betreibt, ist laut dem
Bericht das einzige private Fernsehunternehmen sein, das
Untertitel für Hörgeschädigte anbietet.
Alle Sender geben an, ihr Angebot noch verbessern
und weiter ausbauen zu wollen.
Für einen Einsatz für Belange der
Barrierenfreiheit bei der Neuordnung der
EU-Fernsehrichtlinie wäre eine entsprechende
Verständigung der Länder im Bundesrat Voraussetzung. Der
Beschluss des Bundesrates ist inzwischen nach
mehrjähriger- Diskussion erfolgt und der Europäischen
Kommission vorgelegt worden.
Abschließend ist die Landesregierung der Meinung,
eine Zusammenarbeit der Fernesehsender, insbesondere des
NDR und ZDF, mit der Deutschen Gesellschaft der
Hörgeschädigten-Selbsthilfe lasse sich noch verbessern.
Sie bestärkt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im
Engagement für die Barrierefreiheit nicht nachzulassen
und weitere neue Akzente zu setzen.
In Deutschland leben laut Statistik der
"Aktion barrierefreies Fernsehen" rund 1,2
Millionen hochgradig schwerhörige und gehörlose Menschen
und mehr als zwei Millionen blinde und sehbehinderte
Menschen.
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