Mindestens 955
Klein-Kinder im Land ohne Kita-Bleibe
Kiel (SHL/29.06.)
In mehreren Regionen Schleswig-Holsteins wird das derzeitige Angebot
an Kindergarten-Plätzen vor allem für Kinder unter drei Jahren der
Nachfrage nicht gerecht. Dies hat Bildungsministerin Ute
Erdsiek-Rave (SPD) in einem von den Grünen beantragten Bericht
deutlich gemacht. "Derzeit melden lediglich vier Kreise und
eine Stadt ein bedarfsgerechtes Angebot", erklärte
Erdsiek-Rave. Als problematisch bewertete die Bildungsministerin
allerdings die Grundlage des Berichtes, da beispielsweise die Kreise
Ostholstein und Steinburg überhaupt keine Zahlen geliefert hätten.
Leider, so Erdsiek-Rave, gebe es keine rechtliche Handhabe
für eine exakte Datenerhebung. Doch Besserung sei in Sicht, da künftig
die Bundesjugendhilfe jährlich Erhebungen durchführen werde.
Laut Regierungsbericht
fehlen landesweit 955 Kita-Plätze für die jüngsten Kinder,
insbesondere in den Städten Kiel (575 Plätze), Neumünster (30)
sowie in Lübeck und in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Segeberg
und Stormarn. Für die Drei- bis Sechsjährigen sieht es besser aus:
So gibt es den Angaben zufolge im Land derzeit 1.635 Kindergärten mit 93.600 Plätzen. Dies
seien mehr als doppelt so viele wie 1988. Die Zahl der Ganztagsschulen erhöhte sich von 22 im Jahr
2002 auf 293.
Kostenloses Kita-Jahr
in weiter Ferne
In der emotional
geführten Debatte erteilte Erdsiek-Rave der Forderung der
Grünen-Fraktion nach einem kostenlosen Kindergartenjahr vor
Schulbeginn zum jetzigen Zeitpunkt eine Absage: Das sei angesichts
der Haushaltslage "unrealistisch". Dem widersprach Monika
Heinold (Grüne): Für ein solches kostenfreies Kita-Jahr müsse die
Landesregierung lediglich "25 Millionen Euro vom
Schleswig-Holstein-Fonds freischaufeln". Hart ins Gericht ging
die Oppositionspolitikerin mit dem Regierungsbericht, dem sie die
Note 6 ausstellte. Schwarz-Rot bewege sich im "Tal der
Ahnungslosen", begründete sie: Die große Koalition habe es
kommentarlos hingenommen, dass sich einige Kreise an der
Datenerhebung nicht beteiligt hätten.
"Der Bericht ist
für die politische Arbeit nicht zu gebrauchen, weil nichts drin
steht", befand auch Heiner Garg. Er kreidete dies aber nur
bedingt Erdsiek-Rave an, sondern vor allem den Kommunen. Allerdings
würden die Gemeinden überhaupt nicht wissen, wohin die Reise in
der Kinder-Betreuung gehe, sagte er und forderte das Land auf,
bessere Unterstützung zu bieten.
Bei der Union sorgte die
Forderung der Grünen, ein Viertel des Schleswig-Holstein-Fonds für
ein kostenloses Kindergartenjahr zu verwenden, für Unmut: "Wenn
wir die Mittel für diesen Fonds nicht nutzen, können wir
wirtschaftlich einpacken", so Heike Franzen (CDU). Sie warb
statt dessen für mehr Vertrauen in die Kommunalpolitik. Die
Gemeinden arbeiteten "ordentlich". Sie ermittelten den
"Bedarf und stellen die dafür notwendigen Ausbaustufen
auf".
SSW: Hartz IV
belastet die Kassen der Kommunen
Es sei schon
erstaunlich, dass auf Nachfrage bei den Jugendämtern der Kreise und
kreisfreien Städte kein Ausbaubedarf der Kindergärten für
Unter-Drei-Jährige vorhanden sei, kritisierte Astrid Höfs (SPD)
dagegen fest. Ihre Erfahrung sei anders: Wenn man mit jungen Eltern,
vor allem im ländlichen Bereich spreche, erfahre man, dass deren
Suche nach einem Krippenplatz "oft erfolglos" bleibt.
"Wenn kein Geld da
ist, können keine zusätzlichen Krippenplätze eingerichtet
werden", sagte Lars Harms (SSW) und verwies dabei auf die
Folgen von Harzt IV: Dadurch hätten die Kommunen zum Teil noch
weniger Geld in den Kassen als zu Sozialhilfe-Zeiten.
Der Bericht wurde an den
Bildungsausschuss und mitberatend an den Sozialausschuss überwiesen.