Fragestunde:
Opposition bohrt nach – und wirft Minister vor, unzureichende
Auskunft zu erteilen
Kiel (SHL/08.06.) Beim Streit um die Vergabe des
Bahnnetzes Ost bleibt Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU/Foto)
bei seiner Position: Das Verfahren, das zum Zuschlag für die
Regionaltochter der Deutschen Bahn AG (DB) führte, sei
"rechtlich in Ordnung" und "transparent"
abgelaufen. Vorwürfe der "Mauschelei", wie in der
Presse erhoben, wies er "mit Empörung" zurück. Der
Minister musste sich im Landtagsplenum dennoch kritischen Fragen der
Opposition stellen. Vertreter von FDP, Grünen und SSW nahmen vor
allem daran Anstoß, dass die DB ihr Angebot für das Gleisnetz
Anfang März, mehr als vier Wochen nach Ablauf der
Bewerbungsfrist, nachbessern durfte. Austermann bekräftigte, es
habe sich hierbei lediglich um die Korrektur eines Rechenfehlers
gehandelt. Absprachen mit der DB habe es nicht gegeben. Die DB
hatte sich schließlich gegen den Konkurrenten Veolia, der im
Lande die Nord-Ostsee-Bahn betreibt, durchgesetzt.
Auslöser der Fragestunde im Landtag war ein
Artikel im "Hamburger Abendblatt" vom 24. Mai, den
FDP-Oppositionsführer Wolfgang Kubicki ansprach. Demnach habe es
gezielte Hinweise aus dem Ministerium an die DB gegeben, um sie
auf den Rechen-Patzer aufmerksam zu machen und ihr so zum Zuschlag
zu verhelfen. Tatsächlich, so Austermann, sei der Fehler der
zuständigen Landesverkehrs-Servicegesellschaft (LVS) aufgefallen
und "auf Anraten der Anwälte" des Ministeriums der Bahn
mitgeteilt worden. Dies sei aus vergaberechtlichen Gründen
geschehen.
Zu Kubickis Frage, wer aus seinem Mitarbeiterstab
den vermeintlichen Tipp an das "Abendblatt" gegeben
haben könnte, sagte der Minister, er habe mit "allen in
Frage kommenden Mitarbeitern" gesprochen. Da er keinen
Hinweis auf eine undichte Stelle im Ministerium erhalten habe,
sehe er keinen Anlass, der Staatsanwaltschaft eine Ermächtigung
zur Ermittlung wegen "Geheimnisverrats" in seinem Haus
zu geben.
Die Grünen, die einige ihrer Fragen nicht
hinreichend beantwortet sahen, ziehen nach wie vor einen
Parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Betracht. Sie hielten
es insbesondere für unklar, wann genau die Entscheidung zugunsten
der DB gefallen ist.
Bei dem Bieter-Wettbewerb geht es um den
Zugverkehr auf den lukrativen Strecken Lübeck-Hamburg,
Lübeck-Kiel und Lübeck-Puttgarden ab Dezember 2009. Das
"Netz Ost" ist das größte ausgeschriebene Gebiet
bundesweit. Der unterlegene Konkurrent, die Veolia GmbH, die im
Lande unter anderem die Strecke Hamburg-Westerland betreibt, hat
sich daraufhin bei der Vergabekammer der LVS Widerspruch eingelegt
und den Ausschluss der DB vom Verfahren gefordert.
Weitere
Fragesteller: Monika Heinold
(Grüne), Karl-Martin Hentschel (Grüne), Heiner Garg (FDP),
Detlef Matthiessen (Grüne), Lars Harms (SSW), Anke Spoorendonk
(SSW), Angelika Birk (Grüne)