Auf dieser Seite: Personalkonzept (Aktuelle Stunde) 

xxx

Aktuelle Stunde:
Auswirkungen des Personalmanagements der
CDU-Fraktion auf die Landesregierung 
   
beantragt von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

- Plenarprotokoll -


CDU-Personalsparpläne stoßen auf
breite Skepsis – SPD schließt
Kürzungen in Kernbereichen aus

Kiel (SHL/06.06.) Die weitreichenden Personal-Sparpläne der CDU-Fraktion sind beim Koalitionspartner SPD auch im Landtagsplenum durchgefallen. SPD-Fraktionschef Lothar Hay (Foto rechts) lehnte in einer von den Grünen beantragten Aktuellen Stunde Kürzungen in Kernbereichen wie Bildung, Polizei, Justizvollzug und Steuerverwaltung kategorisch ab. Sein CDU-Gegenpart Johann Wadephul (Foto links ) verteidigte mit Blick auf die dramatische Haushaltslage indes den Kurs der Finanzexperten seiner Fraktion, die bis spätestens 2010 zehn Prozent der Stellen im Landesdienst abbauen möchten: "Wir werden im Personalbereich erhebliche Einsparungen erbringen müssen." Die Opposition sah den Vorstoß der CDU-Fraktion vor allem als Misstrauensbekundung gegenüber der eigenen Landesregierung, die beim Bereich Personalkosten bisher versagt habe. "Wir haben erste Schritte gemacht", verteidigte dagegen Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) die Maßnahmen der Regierung, etwa die verabredete Einsparung von 7,5 Prozent der Personalkosten in den Ministerien und von 15 Prozent in den nachgeordneten Behörden.

In Zahlen will die Unionsfraktion rund 5.000 Stellen im Landesdienst abbauen. Dies soll zum einen dadurch erreicht werden, dass die in der anstehenden Pensionierungswelle frei werdenden Stellen durch einen Einstellungsstopp und eine grundsätzliche Wiederbesetzungssperre nicht wieder besetzt werden. Zum anderen soll durch Umstrukturierung oder Aufgabenwegfall frei werdendes Personal in einen zentralen Pool eingehen, aus dem Stellen wiederbesetzt werden, die für unverzichtbar gehalten werden. Bei ihren Vorschlägen orientiert sich die CDU an den Einschätzungen des Dresdener Finanzexperten Prof. Helmut Seitz, die er dem Finanzausschuss des Landtages im letzten Jahr vorgelegt hat.

Ministerpräsident: "Es gibt kein Denkverbot"

Seitz sei dabei parteiübergreifend auf "ungeteilte Zustimmung" gestoßen, so Wadephul weiter. Nun müsse es darum gehen, "so schnell wie möglich einen Prozess einzuleiten, der die demographische Entwicklung der Verwaltung zu einer Abschmelzung nutzt", ergänzte der CDU-Finanzexperte Frank Sauter (CDU), der die Sparpläne mit aufgesetzt hatte. Denn: "Wer hier zu spät kommt, den bestraft das Leben." Es bestehe "kein Denkverbot", betonte Ministerpräsident Carstensen, verwies aber zugleich auf den Koalitionsvertrag, der Personaleinsparungen in den Bereichen Bildung, Polizei und Justiz ausschließe.

SPD-Fraktionschef Hay begründete die Skepsis der Sozialdemokraten: Die anstehenden Schulreformen im Lande mit einem längeren gemeinsamen Lernen und dem Ausbau der Ganztagsschulen machten einen Personalabbau in diesem Bereich unmöglich. Und die Polizisten "schieben bereits Hunderttausende Überstunden vor sich her", so Hay.

Sparvorschläge der Ministerien: "Null, leere Seite"

"Die Vorgaben der CDU-Fraktion seien "ein hilfloser Versuch, vom Versagen der eigenen Regierung abzulenken", befand die Finanzexpertin der Grünen, Monika Heinold (Foto). Die CDU-Logik, frei werdendes Personal in einem zentralen Pool zu sammeln, aus dem Stellen wiederbesetzt werden, die für unverzichtbar gehalten werden, bedeute eventuell: Frei werdende Verwaltungsmitarbeiter unterrichten künftig Kinder, sagte Heinold und sprach von einem bildungspolitischen Blindflug. Ihr Fraktionschef Karl-Martin Hentschel verwies auf eine Kleine Anfrage seiner Fraktion an die Landesregierung, in der nach konkreten Sparvorschlägen gefragt wurde. Die Antwort aus fast allen Ministerien habe gelautet: "Null – leere Seite", so Hentschel.

Auch Oppositionsführer Wolfgang Kubicki, Fraktionschef der FDP, hielt die Vorgaben der Union für "unrealistisch". Bei einer Widerbesetzungssperre sah er die Gefahr einer "Überalterung" der Verwaltung. Und Anke Spoorendonk (SSW) forderte, bei den Finanzämtern müsse das Personal sogar aufgestockt werden, um so die Einnahmen für die öffentlich Hand zu erhöhen.

Druckversion

Hintergrund: 
   Auf Antrag der Grünen beschäftigt sich der Landtag in einer Aktuellen Stunde mit den "Auswirkungen des Personalmanagementkonzeptes der CDU-Fraktion auf die Politik der Landesregierung".
   Hintergrund sind Vorschläge der Finanzpolitiker der CDU-Landtagsfraktion, die in der vergangenen Woche von der gesamten Fraktion unterstützt wurden. Demnach sollen zehn Prozent der Stellen im Landesdienst, das wären über 5.000, abgebaut werden. Dies soll zum einen dadurch erreicht werden, dass die in der anstehenden Pensionierungswelle frei werdenden Stellen nicht wieder besetzt werden: Die CDU will einen Einstellungsstopp und eine grundsätzliche Wiederbesetzungssperre erreichen. Zum anderen soll durch Umstrukturierung oder Aufgabenwegfall frei werdendes Personal in einen zentralen Pool eingehen, aus dem Stellen wiederbesetzt werden, die für unverzichtbar gehalten werden.
   Mit dem vorgeschlagenen Personalpool will die Union betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Für leitende Mitarbeiter ist ein Rotations-Konzept vorgesehen, um sie auf ein möglichst breites Aufgabenspektrum vorzubereiten. Außerdem sollen Anreize und Erleichterungen für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Dienst verstärkt werden.
   Die Pläne sind bei der SPD, bei der Opposition, bei den Gewerkschaften und beim Beamtenbund auf Kritik gestoßen.
   Derzeit hat das Land 55.000 Bedienstete – 46.000 Beamte und 9.000 Angestellte. Hintergrund der Sparvorschläge ist die Haushaltslage: Das Land hat einen Schuldenberg von 22 Milliarden Euro und trotz Rekordeinnahmen auf absehbare Zeit keinen verfassungsgemäßen Haushalt. 2006 entfielen 38 Prozent aller Ausgaben auf das Personal.

Stichwort: Aktuelle Stunde
 
Über eine bestimmte Frage von allgemeinem Interesse kann eine Aktuelle Stunde von einer Fraktion oder von mindestens fünf Abgeordneten beantragt werden. Die Redebeiträge einzelner Abgeordneter dürfen nicht länger als fünf Minuten dauern und zusammengenommen sechzig Minuten nicht überschreiten. Die von Mitgliedern der Landesregierung in Anspruch genommene Redezeit bleibt dabei unberücksichtigt, sollte aber dreißig Minuten nicht überschreiten.
 Eine Aktuelle Stunde findet auch statt, wenn während einer Fragestunde ein Fragesteller die Beantwortung durch die Landesregierung für unzureichend hält. Die Aussprache muss unmittelbar nach Schluss der Fragestunde verlangt und durchgeführt werden.

mehr Informationen: Geschäftsordnung des Landtages S-H
(http://sh.juris.de/sh/LTGO_SH_P32.htm)

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde:  
Personalkonzept / Beamte

Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 

I n n e n  / R e c h t

1. Lesungen:
Brand-/Katastrophenschutz
Beamte/Gesundheits-Check
Denkmalschutz
Architektenkammer
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Strafvollzug
Anträge:
G-8-Gipfel
Abschiebehaft

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

1. Lesung:
Betreuungsrecht
Fragestunde:
Paralympisches Zentrum
Anträge:
KiTa-Verordnung
Modellversuch Bürgerarbeit
Berichte:
Bündnisse für Familien
Sozialgesetzbuch XII

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Fragestunde:
Bahnnetz Ost
Berichte:
Wirtschaftsbericht 2007
Logistikkonzept

F i n a n z e nt

2. Lesung:
Öffentl. Private Partnerschaft
Aktuelle Stunde:
Personalkonzept / Beamte

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

Anträge:
Klimaschutz in der Landwirtschaft
Nord- und Ostseefischerei
(ohne Aussprache)
Bericht:
Ausstieg aus der Atomkraft
(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

Bericht:
Umsetzung des Schulgesetzes

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Bericht:
Sprachencharta-Bericht