plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Strafvollzug 

xxx

Top 8:
Strafvollzug in Schleswig-Holstein
Große Anfrage der Fraktion der FDP – Drucksache 16/995  Antwort der Landesregierung
Drucksache: 16/1347
-Plenarprotokoll-

Justizminister: Kein Stellenabbau
in den Vollzugsanstalten

Plenum sorgt sich um zunehmende Zahl
jugendlicher Gewalttäter in den Haftzellen

Kiel (lno/SHL/07.06.) Schleswig-Holsteins Justizminister Uwe Döring (SPD) hat Kürzungen beim Personal in den Gefängnissen strikt abgelehnt. Solche Einsparungen wären unverantwortlich, sagte Döring im Landtag vor dem Hintergrund von Plänen in der CDU, im öffentlichen Dienst jede zehnte Stelle zu streichen. Bereits jetzt sei die Personalausstattung in den Vollzugsanstalten angespannt, aber noch vertretbar, sagte Döring. Ende 2006 gab es hier 865 Stellen. Von den 1.741 Haftplätzen waren zum Stichtag 6. Dezember 1.508 belegt. Je 100.000 Einwohner gibt es im Norden 65 Gefangene; im Bundesschnitt sind es 100. 

Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der FDP weiter hervorgeht, betrug der Ausländeranteil unter den Gefangenen 23 Prozent. 202 Plätze stehen momentan für jugendliche Straftäter bereit. Nach Angaben des Justizministeriums kostete ein Gefangener im Jahr 2005 täglich fast 91 Euro, im Bundesschnitt waren es 83,50 Euro. Generell, so Döring, sei der Strafvollzug in Schleswig-Holstein gut aufgestellt, könne aber in einzelnen Punkten noch verbessert werden.

Im Einklang mit dem Justizminister äußerte sich FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki besorgt über zunehmende Gewaltbereitschaft im Gefängnis: Er sei schockiert darüber, dass 2006 bereits 35,9 Prozent aller jugendlichen Strafgefangenen auf Grund von Gewaltdelikten verurteilt wurden, nachdem es zwei Jahre zuvor noch 19,1 Prozent waren. Zudem habe sich die Straflänge erhöht. Vor diesem Hintergrund kündigte Justizminister Döring an, noch in diesem Jahr einen Entwurf für eine Änderung des Jugendstrafvollzugsgesetz vorzulegen.

Die SPD-Abgeordnete Anna Schlosser-Keichel verwies auf die hohe Belastung des Personals mit Sechs-Tage-Woche, Schichtdienst und Überstunden für 42 Prozent der Mitarbeiter im vergangenen Jahr: "Fast 47 Prozent von ihnen warten auf ihre Beförderung. Dazu kommen die Beeinträchtigungen durch die seit Jahren laufenden und andauernden Bauarbeiten." 

Während Thomas Stritzl (CDU) in Schleswig-Holstein ein "ausgewogenes Verhältnis zwischen Strafe und Resozialisierung" als gegeben ansah, forderte der  Fraktionschef der Grünen eine Ausweitung des offenen Vollzugs und mehr Betreuung von Gefangenen nach ihrer Entlassung: "Das ist wichtig, damit kein Rückfall ins alte Milieu erfolgt", so Hentschel. Und Anke Spoorendonk mahnte einen "humanen und modernen" Strafvollzug an.

Der Innen- und Rechtsausschuss wird den Bericht weiter beraten.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
   Mit einem 170 Seiten starken Papier antwortet die Landesregierung auf eine Große Anfrage der FDP zum Thema Strafvollzug.

Einige Aspekte:
   Im Lande gibt es neun Haftanstalten in Flensburg, Itzehoe, Kiel, Neumünster (zwei), Lübeck (zwei), Schleswig und Rendsburg (für Abschiebehaft). Es bestehen zurzeit 1.741 Haftplätze, 161 mehr als 2002. 1.657 dieser Plätze sind für männliche Gefangene bestimmt. Die 84 Frauen-Plätze sind in der Frauen-JVA Lübeck konzentriert. Von den Plätzen für Männer waren zum Stichtag 6. Dezember 2006 insgesamt 1.450 belegt (83 Prozent), bei den Frauen-Plätzen betrug die Belegungsrate 58 (69 Prozent). Der Ausländeranteil unter den Gefangenen lag zum Ende des letzten Jahres bei 23 Prozent. Zwischen 2002 und 2006 gab es in Schleswig-Holstein insgesamt 15 Ausbruchsversuche; davon waren vier erfolgreich.
   Die Nichtbelegung von bis zu 150 Haftplätzen erklärt das Justizministerium durch Bautätigkeiten in den Anstalten. Zurzeit werden im Rahmen des Ergänzungsprogramms zum "Investitionsprogramm Justizvollzug" 55 Millionen Euro für die Haftanstalten ausgegeben. Unter anderem werden in Lübeck, Kiel und Flensburg die Arbeits- und Therapie-Einrichtungen ausgebaut. Zudem entstehen in Neumünster zwei neue Jugendgefängnisse mit insgesamt 113 Plätzen.
   202 Plätze stehen momentan im Lande für jugendliche Straftäter bereit. Unter den Insassen hat sich die prozentuale Aufteilung der Straftaten, die zur Gefängnisstrafe geführt haben, seit Beginn der Statistik im Jahr 2004 deutlich verändert. Der Anteil der Eigentumsdelikte sank zwischen 2004 und 2006 von 53 auf 49 Prozent. Demgegenüber stieg der Anteil der Gewalt- und der Sexualdelikte von 25 auf 43 Prozent.
   Nach Angaben des Ministeriums wurden im Lande im Jahr 2005 pro Gefangenen und pro Tag 90,62 Euro aufgewendet. Damit liegt Schleswig-Holstein über dem Schnitt der Bundesländer von 83,54 Euro. Rechnet man die Personalkosten heraus, so werden 21,7 Prozent dieser Ausgaben für Resozialisierungsmaßnahmen aufgewendet, etwa für Berufsausbildung, gemeinnützige Arbeit oder Lehrmittel.
   Ende 2006 waren 865 Menschen im Lande im Justizvollzug beschäftigt. Hierzu gehören neben den Angehörigen des Allgemeinen Vollzugsdienstes auch Psychologen, Ärzte, Seelsorger, Lehrer sowie Mitarbeiter des Werkdienstes und der Verwaltung. Das Ministerium beschreibt die Arbeitssituation wegen der hohen Belegung der Gefängnisse als "weiterhin stark belastet".

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde:  
Personalkonzept / Beamte

Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 

I n n e n  / R e c h t

1. Lesungen:
Brand-/Katastrophenschutz
Beamte/Gesundheits-Check
Denkmalschutz
Architektenkammer
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Strafvollzug
Anträge:
G-8-Gipfel
Abschiebehaft

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

1. Lesung:
Betreuungsrecht
Fragestunde:
Paralympisches Zentrum
Anträge:
KiTa-Verordnung
Modellversuch Bürgerarbeit
Berichte:
Bündnisse für Familien
Sozialgesetzbuch XII

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Fragestunde:
Bahnnetz Ost
Berichte:
Wirtschaftsbericht 2007
Logistikkonzept

F i n a n z e nt

2. Lesung:
Öffentl. Private Partnerschaft
Aktuelle Stunde:
Personalkonzept / Beamte

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

Anträge:
Klimaschutz in der Landwirtschaft
Nord- und Ostseefischerei
(ohne Aussprache)
Bericht:
Ausstieg aus der Atomkraft
(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

Bericht:
Umsetzung des Schulgesetzes

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Bericht:
Sprachencharta-Bericht