plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: G-8-Gipfel 

xxx

Top 10:
Auswirkungen des G-8-Gipfels auf die
Sicherheitslage in Schleswig-Holstein
Antrag der Fraktionen von CDU und SPD
Drucksache: 16/1402
       Aufruf gemeinsam mit 
Top 16:
G8 – Für Demonstrationsfreiheit und
nachhaltige Entwicklung
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/1423
-Plenarprotokoll-

G-8-Krawalle: Landespolitik
steht hinter der Polizei

Stegner: 21 Beamte aus Schleswig-Holstein am Wochenende verletzt / Opposition kritisiert Treffen in Heiligendamm als "Inszenierung" 

Kiel (SHL/06.06.) In großer Geschlossenheit hat die schleswig-holsteinische Landespolitik ihre "Loyalität" mit den 1.000 Polizisten aus dem Lande bekundet, die in dieser Woche zum Schutz des G-8-Gipfels in Heiligendamm eingesetzt werden. Zudem haben Landesregierung, CDU, SPD und FDP die Deeskalationstaktik der Polizei bei den Demonstrationen in Mecklenburg-Vorpommern verteidigt und sich gegen die nachträgliche Kritik hieran "vom grünen Tisch" gewandt. Bei Krawallen linksextremer Gewalttäter in Rostock waren am vergangene Wochenende über 500 Demonstrationsteilnehmer und 430 Polizisten zum Teil schwer verletzt worden. Darunter befinden sich 21 Beamte aus Schleswig-Holstein, führte Innenminister Ralf Stegner (SPD) in einem von Schwarz-Rot beantragten Regierungsbericht aus.

Trotz des Einsatzes der Polizisten aus Schleswig-Holstein beim G-8-Gipfel sei die Innere Sicherheit im Land gewährleistet, unterstrich Stegner; die erforderliche Präsenz sei gesichert. Die Grünen, die in einem eigenen Antrag den Gipfel zu konkreten Schritten gegen die Armut aufgefordert hatten, übten allerdings gemeinsam mit FDP und der SSW auch Kritik an den umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen.

Minister Stegner forderte, die Straftäter "mit aller Konsequenz" zu verfolgen. Er verteidigte aber den Ansatz der Polizei, im Vorwege auf strenge Personen-Kontrollen zu verzichten. Drastische Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit, so der Minister, brächten weniger Sicherheit, weil sie zu einer Solidarisierung der friedlichen Mehrheit mit der gewalttätigen Minderheit führen könnten. Stattdessen müsse es darum gehen, Gewalttäter zu isolieren. Klaus-Peter Puls (SPD) kritisierte die Veranstalter der Anti-G-8-Demonstrationen. Sie hätten den Krawallmachern "nicht die Rote Karte gezeigt". Den Grünen warf Puls eine "unklare Abgrenzung von den Gewalttätern" vor. Auch Peter Lehnert (CDU) forderte die Organisatoren auf, Krawallmacher anzuzeigen und eng mit der Polizei zusammenzuarbeiten.

Grüne: "Größte politische Jugendbewegung"
der letzten 20 Jahre

Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP) kritisierte, die Razzien in Hamburg im Vorfeld des Treffens und die Diskussion um Geruchsproben und Post-Durchsuchung hätten die Spannung erhöht. Er warf die Frage auf, ob ein solches "prestigeträchtiges Treffen" überhaupt noch angebracht ist. Auch Anke Spoorendonk (SSW) bezeichnete den Gipfel als "Machtdemonstration" und "Inszenierung". Sie erinnerte an die Anfänge des Weltwirtschaftsgipfels in den 1970er Jahren: Damals hätten die Unterredungen noch "im Hinterzimmer" stattgefunden.

Karl-Martin Hentschel (Grüne) warnte davor, den Gipfel "nur als Sicherheitsproblem" zu betrachten. Die Diskussion über eine gewalttätige Minderheit dürfe nicht das ernsthafte Anliegen von "zig Tausenden" friedlicher Demonstranten verdecken. Es handele sich hier um "die größte politische Jugendbewegung" der letzten 20 Jahre.

Die Grünen setzten sich in ihrem Antrag für eine "gerechte Gestaltung der Globalisierung" ein. Zur Bekämpfung der Armut müsste der Bund seine Ausgaben für Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,7 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes (BIP) aufstocken. Das Land forderte Hentschel auf, die Mittelstreichungen für die entwicklungspolitischen Initiativen rückgängig zu machen. Der Christdemokrat Lehnert lobte in diesem Zusammenhang die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich als G-8- und EU-Ratspräsidentin erfolgreich für den Klimaschutz eingesetzt und zudem eine "dreistellige Millionensumme für Afrika" bereitgestellt habe. Der Liberale Kubicki betonte, dass die Globalisierung auch positive Aspekte habe: Europa lebe zurzeit "in einer stabilen Friedenszeit, wie es sie seit Jahrhunderten nicht gegeben hat".

Überstunden-Bezahlung zunächst nur
für Beamte in Heiligendamm

Ein weiteres Debattenthema war die Diskussion um die Überstunden der Polizisten. Minister Stegner kündigte an, die 140.000 Extra-Stunden der Beamten, die in Heiligendamm eingesetzt werden, auszubezahlen. Über die Forderung der Abgeordneten, auch die Daheimgebliebenen zu bezahlen, die wegen der Abwesenheit ihrer Kollegen Sonderschichten fahren müssen, will der Innen- und Rechtsausschuss diskutieren. Der Grünen-Antrag wurde mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP abgelehnt.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund
Auf Antrag von Schwarz-Rot sowie der Grünen beschäftigt sich der Landtag mit dem G-8-Gipfel. Das Treffen der führenden Industrienationen und Russlands findet in dieser Woche, parallel zur Landtagstagung, im mecklenburgischen Heiligendamm statt.
   CDU und SPD legen in ihrem Papier den Schwerpunkt auf den Polizeieinsatz zum Schutz des Treffens: Sie fordern von der Landesregierung Angaben darüber, ob es in Schleswig-Holstein ein erhöhtes Gefährdungspotential durch Links- und Rechtsextremisten gibt, wenn eine so große Zahl an Polizisten nicht vor Ort ist. Der Gipfel in dem Ostseebad wird von 16.000 Ordnungshütern beschützt, davon 1.000 aus Schleswig-Holstein. Zudem sind 80 Katastrophenschützer aus dem Lande angereist. Schleswig-Holstein hat insgesamt etwa 7.000 Polizisten.
   Die Landesregierung soll zudem die zusätzliche Arbeitsbelastung darlegen, die den schleswig-holsteinischen Polizisten entstehen – und zwar sowohl derjenigen, die in Mecklenburg eingesetzt werden, als auch derjenigen, die im Lande bleiben und die abwesenden Kollegen vertreten. Bei diesem Punkt ist es im Vorfeld zum Streit gekommen: Die Landesregierung will den Polizisten, die in Heiligendamm Dienst tun, ihre Überstunden bezahlen, ihren Kollegen in den ausgedünnten Dienststellen der Heimat aber nicht. Dies hat die FDP-Fraktion kritisiert.
   Die zum Schutz des Gipfeltreffens eingesetzten Beamten aus dem Lande werden voraussichtlich 140.000 Überstunden leisten. Das besagt die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP. Alles in allem seien die Beamten 225.000 Stunden im Einsatz.
   Der Antrag der Grünen appelliert an den G-8-Gipfel, sich für eine "gerechte Gestaltung der Globalisierung" einzusetzen und die Armutsbekämpfung in den Vordergrund zu stellen. Zudem soll der Bund seine Ausgaben für Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,7 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes (BIP) aufstocken. Mit dieser Forderung nehmen die Grünen einen Beschluss der UN-Vollversammlung aus dem Jahr 1970 auf, die sich auch im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU und SPD auf Bundesebene wiederfindet. Deutschland gibt zurzeit 0,33 Prozent des BIP für Entwicklungs-Zusammenarbeit aus. Die zusätzlichen Mittel will die Oppositionsfraktion durch eine Devisenumsatzsteuer, eine Kerosinsteuer und eine Abgabe auf Flugtickets aufbringen.
   Außerdem betonen die Grünen das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit im Umfeld des Gipfels und warnen vor "übertriebenen" und "nicht angemessenen" Sicherheitsmaßnahmen.
   Im Umfeld des Gipfels ist es am Wochenende in Rostock zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Gewalttätern und der Polizei gekommen. Mehr als 1.000 Personen wurden verletzt.

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde:  
Personalkonzept / Beamte

Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 

I n n e n  / R e c h t

1. Lesungen:
Brand-/Katastrophenschutz
Beamte/Gesundheits-Check
Denkmalschutz
Architektenkammer
(ohne Aussprache)
Große Anfrage:
Strafvollzug
Anträge:
G-8-Gipfel
Abschiebehaft

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

1. Lesung:
Betreuungsrecht
Fragestunde:
Paralympisches Zentrum
Anträge:
KiTa-Verordnung
Modellversuch Bürgerarbeit
Berichte:
Bündnisse für Familien
Sozialgesetzbuch XII

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Fragestunde:
Bahnnetz Ost
Berichte:
Wirtschaftsbericht 2007
Logistikkonzept

F i n a n z e nt

2. Lesung:
Öffentl. Private Partnerschaft
Aktuelle Stunde:
Personalkonzept / Beamte

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

Anträge:
Klimaschutz in der Landwirtschaft
Nord- und Ostseefischerei
(ohne Aussprache)
Bericht:
Ausstieg aus der Atomkraft
(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

Bericht:
Umsetzung des Schulgesetzes

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Bericht:
Sprachencharta-Bericht