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Auf dieser Seite: Kita-Verordnung 

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Top 13:
Kita-Verordnung schlägt falschen Weg ein – 
geplanten Qualitätsabbau verhindern
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 16/1415neu
         Aufruf gemeinsam mit 
Top 11:
Angebote für Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten
Antrag der Fraktion der FDP
Drucksache: 16/1413
-Plenarprotokoll-

Kita-Verordnung: Trotz jüngster Nachbesserung im Kabinett
bekräftigt Opposition Kritik

Weiterhin Verschlechterung in den Bereichen
Bildung und Betreuung befürchtet


Vor Beginn der Landtagssitzung protestierten etwa 150 Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Erzieherinnen, Eltern und Kinder gegen die geplante Personalausstattung. Für die Kinder unter drei Jahren seien nicht genug Erzieherinnen vorgesehen, hieß es. "Mehr Zeit fürs einzelne Kind durch kleine Gruppen", forderten die Demonstranten vor dem Landeshaus.

Kiel (SHL/06.06.) FDP und Grüne halten an ihrer Kritik am Entwurf der Kindertagesstätten-Verordnung fest, obwohl das Kabinett seine Ursprungspläne in Bezug auf die Gruppengröße einen Tag vor der Sitzung geändert hat. Ein Ausbau von Betreuungsangeboten für Kleinkinder unter drei Jahren dürfe nicht zu Qualitätseinbußen bei Bildung und Betreuung in den Kindertagesstätten führen, machten Ekkehard Klug (FDP) und Monika Heinold (Grüne) im Plenum deutlich. Beide erklärten ihr klares Nein zur Regelung der Gruppengrößen. Die Kita-Standardgröße von 20 Kindern verringert sich dem Entwurf zufolge um einen Platz für jedes aufgenommene Kleinkind unter drei Jahren in den dann so genannten altersgemischten Gruppen.

Das Papier aus dem Bildungsministerium sah zunächst auch vor, in diesen Gruppen erst ab dem fünften statt wie bisher ab dem dritten Kind unter drei Jahren eine zweite Fachkraft einzusetzen. Am Vortag der Debatte im Landtag hatte das Kabinett diesen Vorstoß nach massiven Protesten von Eltern, Erziehern und Wohlfahrtsverbänden wieder einkassiert.

Die Liberalen warfen der Landesregierung dennoch vor, sie nehme den Kindern einen Teil der ihnen zustehenden Förderung und Zuwendung weg und strebe für die Betreuung der unter Drei-Jährigen "eine Billiglösung" an. Dies sei, so Klug, "ein Sparmodell, das darauf ausgerichtet ist, den Bedarf an Krippenplätzen durch Auffüllung vorhandener Kindergartengruppen zu decken". Die Grünen-Politikerin Heinold äußerte zudem Bedenken zu Plänen, die Tagespflege in Räumen der Kindertagesstätten durchzuführen. Das könnten die Kommunen nutzen, "um die pädagogisch qualitative Pflege von Kindern auszuhöhlen".

Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) wies im Einklang mit den Fraktionen von CDU und SPD in der Debatte die Kritik zurück. Die Verordnung "ist ein Schritt zur Verbesserung des Platzangebots und damit ein Schritt in Richtung Wahlfreiheit für die Familien im Land", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Das Modell sei zudem pädagogisch vertretbar. Es schaffe gute Voraussetzungen, um – wie auch von der Bundesregierung angestrebt – die Zahl der Betreuungsplätze im Land von derzeit 8 auf 35 Prozent bis zum Jahr 2013 zu steigern.

Diskussion auch ums Betreuungsgeld

Bei dem ab 2013 geplanten Betreuungsgeld für Eltern, die keinen Kindertagesstättenplatz in Anspruch nehmen, stand die CDU dagegen auf verlorenem Posten. "Würde man auf das Betreuungsgeld verzichten, benachteiligt man gerade die Familien, die dadurch, dass ein Elternteil zu Hause bleibt, bereits einen Einkommensverlust für die Betreuung in Kauf nehmen müssen", meinte Heike Franzen (CDU). Astrid Höfs (SPD) äußerte dagegen Bedenken, dass das zusätzliche Geld – im Gespräch sind 150 Euro pro Monat – für den Familienkonsum verbraucht wird. "Die Kinder werden dann einfach vor dem Fernseher geparkt." Auch Ministerin Erdsiek-Rave nannte das Betreuungsgeld "kontraproduktiv": Es setze einen "falschen Anreiz und ist kaum finanzierbar". Auf Bundesebene werde von den Jugendministern derzeit ein Gutscheinmodell diskutiert, berichtete sie. Für Lars Harms (SSW) ist das Betreuungsgeld schlicht „zielloses Geld-Verplempern". Die Mittel sollten besser in den Kindertagesstättenbereich fließen.

Ein Antrag der FDP zu dem Thema wurde an den Bildungs- sowie den Sozialausschuss überwiesen. Ein Antrag der Grünen wurde mit den Stimmen der Großen Koalition abgelehnt.

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Hintergrund:
   FDP und Grüne kritisieren den Entwurf der Landesregierung für eine neue Kindertagsstätten-Verordnung. Eine Hauptforderung der Opposition, den bisherigen Betreuungsschlüssel für altersgemischte Gruppen mit Kindern unter drei Jahren beizubehalten, hat das Landeskabinett einen Tag vor der Plenarsitzung aufgenommen und ihren Ursprungsentwurf geändert.
   Unter anderem sind in der von Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) öffentlich vorgestellten Neufassung sind ab dem dritten Kind unter drei Jahre in altersgemischten Gruppen nach wie vor zwei Fachkräfte vorgeschrieben. In der ersten Fassung vom März dieses Jahres sollte dieser Wert auf fünf Kleinkinder angehoben werden. Hiergegen hatten die Landtagsopposition wie auch Erzieher, Wohlfahrtsverbände und Eltern protestiert.
   An der Gruppengröße bei altersgemischten Gruppen ändert sich nichts: Die Kita-Standardgröße von 20 verringert sich um 1 Platz für jedes Kleinkind unter drei Jahren in der Gruppe. Eine Gruppe mit fünf kleinen Kindern dürfte also maximal 15 Mitglieder haben. Mit der ursprünglich angedachten Herabsetzung des Betreuungsstandards wollte die Landesregierung auf die Vorgaben der Bundesregierung zum Ausbau der Krippenplätze reagieren.
   Die Berliner Koalitionsspitzen haben sich Mitte Mai darauf geeinigt, das Krippen-Angebot bis 2013 so auszubauen, dass 35 Prozent jedes Jahrgangs einen Betreuungsplatz bekommen. Hierauf soll es einen Rechtsanspruch geben. Die Landtags-Grünen bemängeln dies als "zu vage und bezüglich der Finanzierung unzureichend". In Schleswig-Holstein lag die Versorgungsquote im Vorjahr bei 7,6 Prozent (5.500 Plätze).
   Die Grünen nehmen auch das vom Bund für 2013 geplante Betreuungsgeld aufs Korn. Demnach sollen Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, einen Zuschuss von 150 Euro pro Kind und Monat erhalten. Dies sei "überflüssig und volkswirtschaftlich kontraproduktiv", heißt es.

mehr Informationen: plenum-online, März 2007
(www.sh-landtag.de/plenumonline/maerz2007/texte/18_betreuung.htm)

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