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Keine Bürgerarbeit in
Schleswig-Holstein
Große Koalition erteilt von Grünen und FDP
gefordertem Modellversuch eine Absage
Kiel (SHL/08.06.).
In Schleswig-Holstein wird es vorerst keinen Modellversuch der
sogenannten Bürgerarbeit geben. Der Landtag erteilte mit den Stimmen
der Großen Koalition und des SSW einer entsprechenden Forderung der
Grünen eine klare Absage. Die Oppositionspartei hatte in Anlehnung
an ein Modellprojekt in Sachsen-Anhalt arbeitslosen Menschen ohne
Chance am ersten Arbeitsmarkt eine sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung im gemeinnützigen Bereich anbieten wollen. Der
Grundgedanke ist dabei, nicht Arbeitslosigkeit sondern Arbeit zu
finanzieren.
Die Bürgerarbeit wird seit
Herbst vergangenen Jahres in Bad Schmiedeberg (Sachsen-Anhalt)
erprobt. Dort haben 104 Personen ihre Arbeit in gemeinnützigen
Bereichen aufgenommen. Die Arbeitslosenquote der Kleinstadt konnte
dadurch von Mitte September 2006 bis Mitte März 2007 von 15,6
Prozent auf 6,4 Prozent reduziert werden. Das auf zwei Jahre
angelegte Projekt in Sachsen-Anhalt sei noch nicht beendet und
ausgewertet, begründeten die Vertreter der Regierungsfraktionen die
Ablehnung des Antrages der Grünen. Arbeitsminister Uwe Döring
(SPD) betonte in der Debatte, dass die Bürgerarbeit "kein
Königsweg aus der Langzeitarbeitslosigkeit" sei. Zudem weise
Sachsen-Anhalt bei einer Arbeitslosenquote von 16 Prozent eine
wesentliche schlechtere Arbeitsmarktsituation auf als das Land
Schleswig-Holstein.
CDU: Bürgerarbeit ist "Schmu-Packung"
In dieselbe Richtung argumentierte Torsten Geerdts
(CDU): Schleswig-Holstein brauche "passgenaue Projekte",
so der Vertreter der Union. Die Bürgerarbeit sei eine
"Schmu-Packung" und diene ausschließlich dazu, "die
Arbeitslosenstatistik zu bereinigen". "Die pure Übernahme
eines Modells aus einem anderen Bundesland auf Basis völlig unterschiedlicher
Rahmenbedingungen löst kein Problem",
pflichtete Wolfgang Baasch (SPD) bei. Außerdem müsse das Ziel von
Arbeitsmaßnahmen grundsätzlich die Qualifizierung für den ersten
Arbeitsmarkt sein. Dies sei beim Projekt der Bürgerarbeit nicht der
Fall. Auch der SSW wandte sich gegen einen Modellversuch
"Bürgerarbeit". Es sei eine "Illlusion" zu glauben,
dass eine flächendeckende Bürgerarbeit keinerlei Auswirkungen auf
den ersten Arbeitsmarkt hätte, konstatierte Lars Harms.
Grüne: Arbeitslose
Menschen
"vom Abstellgleis abholen"
Angelika Birk (Grüne)
verteidigte den Vorstoß ihrer Fraktion: Vor dem Hintergrund, dass
"Vollbeschäftigung wahrscheinlich nie wieder erreicht werden
kann", sei es besser in "Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu
finanzieren". Durch die Bürgerarbeit könnten Menschen ohne
Beschäftigungsaussichten vom "Abstellgleis abgeholt
werden". "Wo ist der sozial-flankierende Ansatz in der
Arbeitsmarktpolitik der Landesregierung?" fragte Heiner Garg
(FDP). Die Diskussion um das Bürgergeld biete die Möglichkeit,
sich jener Arbeitslosen anzunehmen, die vermutlich kaum oder gar
nicht mehr zu vermitteln seien.
Die Liberalen hatten einen Änderungsantrag zum
Vorstoß der Grünen eingebracht, der ebenfalls mit den Stimmen
Großen Koalition und des SSW abgelehnt wurde. Dieser hatte unter
anderem einige Mindestvoraussetzungen für das Modellprojekt
"Bürgerarbeit" beinhaltet. Unter anderem setzen sich die
Liberalen dafür ein, dass Jugendliche unter 25 Jahren in das
Projekt nicht einbezogen werden sollen und "Bürgerarbeit"
erst dann angeboten werden darf, wenn die Vermittlung in den ersten
Arbeitsmarkt ohne Erfolg verlief.
Hintergrund:
In Anlehnung an das Projekt
"Bürgerarbeit" in Sachsen-Anhalt fordern die
Grünen ein zwei-jähriges Modellprojekt in diesem Bereich
auch in Schleswig-Holstein. Landesregierung und
Arbeitsagentur sollen das Vorhaben in mindestens einer
kreisfreien Stadt und mindestens einem Landkreis noch in
diesem Jahr starten.
"Bürgerarbeit" ist ein
Pilotprojekt der Regional-Arbeitsagentur
Sachsen-Anhalt-Thüringen und des Landes Sachsen-Anhalt.
Das bedeutet: Arbeitslose Menschen, die selbst bei guter
Konjunkturlage keine Chance am ersten Arbeitsmarkt haben,
sollen dabei im gemeinnützigen Bereich
sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden. Der
Grundgedanke ist, nicht Arbeitslosigkeit sondern Arbeit zu
finanzieren.
Bis Mitte März 2007 haben sich dabei 172
vormals Langzeitarbeitslose beteiligt. Erstmals in der
Fläche erprobt wird das Konzept Bürgerarbeit seit Herbst
vergangenen Jahres in Bad Schmiedeberg (Landkreis
Wittenberg). Dort haben 104 Personen ihre Arbeit in
gemeinnützigen Bereichen aufgenommen. Die
Arbeitslosenquote der Kleinstadt konnte von Mitte
September 2006 bis Mitte März 2007 von 15,6 Prozent auf
6,4 Prozent reduziert werden.
Seit Jahresbeginn testet die Gemeinde
Barleben (Ohrekreis) Bürgerarbeit. Dort haben bisher 48
Personen ihre neue Tätigkeit aufgenommen. Die
Arbeitslosenquote des Ortes sank von Mitte Januar bis
Mitte März 2007 von 8,4 Prozent auf 5,0 Prozent. Weitere
Projekte sind zur Jahresmitte im Bezirk der Arbeitsagentur
Sangerhausen sowie in der Stadt Schmölln (Thüringen)
geplant.
In einem Änderungsantrag führt die FDP
einige Mindestvoraussetzung für das Modellprojekt
"Bürgerarbeit" auf. Unter anderem setzen sich
die Liberalen dafür ein, dass Jugendliche unter 25 Jahren
in das Projekt nicht nicht einbezogen werden sollen und
"Bürgerarbeit" erst dann angeboten werden darf,
wenn die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt ohne
Erfolg verlief. Außerdem sollen nur im öffentlichen
Interesse liegende Tätigkeiten vermittelt werden, deren
"Arbeitsergebnis der Allgemeinheit unmittelbar oder
mittelbar dient" – die gewerbliche Wirtschaft
dürfe nicht negativ beeinflusst werden.
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