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Auf dieser Seite: Modellversuch Bürgerarbeit 

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Modellversuch Bürgerarbeit
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Änderungsantrag der Fraktion der FDP – Drs. 16/1432
Drucksache: 16/1414
-Plenarprotokoll-

Keine Bürgerarbeit in Schleswig-Holstein

Große Koalition erteilt von Grünen und FDP
gefordertem Modellversuch eine Absage

Kiel (SHL/08.06.). In Schleswig-Holstein wird es vorerst keinen Modellversuch der sogenannten Bürgerarbeit geben. Der Landtag erteilte mit den Stimmen der Großen Koalition und des SSW einer entsprechenden Forderung der Grünen eine klare Absage. Die Oppositionspartei hatte in Anlehnung an ein Modellprojekt in Sachsen-Anhalt arbeitslosen Menschen ohne Chance am ersten Arbeitsmarkt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im gemeinnützigen Bereich anbieten wollen. Der Grundgedanke ist dabei, nicht Arbeitslosigkeit sondern Arbeit zu finanzieren.

Die Bürgerarbeit wird seit Herbst vergangenen Jahres in Bad Schmiedeberg (Sachsen-Anhalt) erprobt. Dort haben 104 Personen ihre Arbeit in gemeinnützigen Bereichen aufgenommen. Die Arbeitslosenquote der Kleinstadt konnte dadurch von Mitte September 2006 bis Mitte März 2007 von 15,6 Prozent auf 6,4 Prozent reduziert werden. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt in Sachsen-Anhalt sei noch nicht beendet und ausgewertet, begründeten die Vertreter der Regierungsfraktionen die Ablehnung des Antrages der Grünen. Arbeitsminister Uwe Döring (SPD) betonte in der Debatte, dass die Bürgerarbeit "kein Königsweg aus der Langzeitarbeitslosigkeit" sei. Zudem weise Sachsen-Anhalt bei einer Arbeitslosenquote von 16 Prozent eine wesentliche schlechtere Arbeitsmarktsituation auf als das Land Schleswig-Holstein.

CDU: Bürgerarbeit ist "Schmu-Packung"

In dieselbe Richtung argumentierte Torsten Geerdts (CDU): Schleswig-Holstein brauche "passgenaue Projekte", so der Vertreter der Union. Die Bürgerarbeit sei eine "Schmu-Packung" und diene ausschließlich dazu, "die Arbeitslosenstatistik zu bereinigen". "Die pure Übernahme eines Modells aus einem anderen Bundesland auf Basis völlig unterschiedlicher Rahmenbedingungen löst kein Problem", pflichtete Wolfgang Baasch (SPD) bei. Außerdem müsse das Ziel von Arbeitsmaßnahmen grundsätzlich die Qualifizierung für den ersten Arbeitsmarkt sein. Dies sei beim Projekt der Bürgerarbeit nicht der Fall. Auch der SSW wandte sich gegen einen Modellversuch "Bürgerarbeit". Es sei eine "Illlusion" zu glauben, dass eine flächendeckende Bürgerarbeit keinerlei Auswirkungen auf den ersten Arbeitsmarkt hätte, konstatierte Lars Harms.

Grüne: Arbeitslose Menschen
"vom Abstellgleis abholen"

Angelika Birk (Grüne) verteidigte den Vorstoß ihrer Fraktion: Vor dem Hintergrund, dass "Vollbeschäftigung wahrscheinlich nie wieder erreicht werden kann", sei es besser in "Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren". Durch die Bürgerarbeit könnten Menschen ohne Beschäftigungsaussichten vom "Abstellgleis abgeholt werden". "Wo ist der sozial-flankierende Ansatz in der Arbeitsmarktpolitik der Landesregierung?" fragte Heiner Garg (FDP). Die Diskussion um das Bürgergeld biete die Möglichkeit, sich jener Arbeitslosen anzunehmen, die vermutlich kaum oder gar nicht mehr zu vermitteln seien.

Die Liberalen hatten einen Änderungsantrag zum Vorstoß der Grünen eingebracht, der ebenfalls mit den Stimmen Großen Koalition und des SSW abgelehnt wurde. Dieser hatte unter anderem einige Mindestvoraussetzungen für das Modellprojekt "Bürgerarbeit" beinhaltet. Unter anderem setzen sich die Liberalen dafür ein, dass Jugendliche unter 25 Jahren in das Projekt nicht einbezogen werden sollen und "Bürgerarbeit" erst dann angeboten werden darf, wenn die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt ohne Erfolg verlief.

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Hintergrund:
   In Anlehnung an das Projekt "Bürgerarbeit" in Sachsen-Anhalt fordern die Grünen ein zwei-jähriges Modellprojekt in diesem Bereich auch in Schleswig-Holstein. Landesregierung und Arbeitsagentur sollen das Vorhaben in mindestens einer kreisfreien Stadt und mindestens einem Landkreis noch in diesem Jahr starten.
   "Bürgerarbeit" ist ein Pilotprojekt der Regional-Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen und des Landes Sachsen-Anhalt. Das bedeutet: Arbeitslose Menschen, die selbst bei guter Konjunkturlage keine Chance am ersten Arbeitsmarkt haben, sollen dabei im gemeinnützigen Bereich sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden. Der Grundgedanke ist, nicht Arbeitslosigkeit sondern Arbeit zu finanzieren.
   Bis Mitte März 2007 haben sich dabei 172 vormals Langzeitarbeitslose beteiligt. Erstmals in der Fläche erprobt wird das Konzept Bürgerarbeit seit Herbst vergangenen Jahres in Bad Schmiedeberg (Landkreis Wittenberg). Dort haben 104 Personen ihre Arbeit in gemeinnützigen Bereichen aufgenommen. Die Arbeitslosenquote der Kleinstadt konnte von Mitte September 2006 bis Mitte März 2007 von 15,6 Prozent auf 6,4 Prozent reduziert werden.
   Seit Jahresbeginn testet die Gemeinde Barleben (Ohrekreis) Bürgerarbeit. Dort haben bisher 48 Personen ihre neue Tätigkeit aufgenommen. Die Arbeitslosenquote des Ortes sank von Mitte Januar bis Mitte März 2007 von 8,4 Prozent auf 5,0 Prozent. Weitere Projekte sind zur Jahresmitte im Bezirk der Arbeitsagentur Sangerhausen sowie in der Stadt Schmölln (Thüringen) geplant.
   In einem Änderungsantrag führt die FDP einige Mindestvoraussetzung für das Modellprojekt "Bürgerarbeit" auf. Unter anderem setzen sich die Liberalen dafür ein, dass Jugendliche unter 25 Jahren in das Projekt nicht nicht einbezogen werden sollen und "Bürgerarbeit" erst dann angeboten werden darf, wenn die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt ohne Erfolg verlief. Außerdem sollen nur im öffentlichen Interesse liegende Tätigkeiten vermittelt werden, deren "Arbeitsergebnis der Allgemeinheit unmittelbar oder mittelbar dient" – die gewerbliche Wirtschaft dürfe nicht negativ beeinflusst werden.

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