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Auf dieser Seite: Sprachenchartabericht 2007 

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Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen in Schleswig-Holstein – Sprachenchartabericht 2007
Federführend ist der Ministerpräsident
Drucksache: 16/1400
-Plenarprotokoll-

Schleswig-Holstein – 
ein fünfsprachiges Bundesland

Plenum ruft dazu auf, Minderheitensprachen
zu pflegen und weiter zu fördern

Kiel (SHL/06.06.). Schleswig-Holstein befindet sich bei der "Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" auf einem guten Weg. Schon jetzt erfülle das Land einen Großteil der von der EU vorgegebenen Kriterien zum Schutz des Dänischen, Niederdeutschen und Friesischen sowie des Romanes – der Sprache der Sinti und Roma. Zu dieser positiven Bilanz kommt Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) mit Blick auf den Sprachenchartabericht 2007. Unisono schlossen sich die Landtagsabgeordneten der Einschätzung des Regierungschefs an und lobten die Maßnahmen des Landes zum Schutz der Minderheitensprachen.

"Das Wichtigste ist, dass unsere Regionalsprachen in den Familien gesprochen werden", mahnte Carstensen den Gebrauch von Minderheitensprachen im Alltag an. Gleichzeitig erteilte der Ministerpräsident weiteren Maßnahmen zum Schutz der Minderheitensprachen mit Blick auf mögliche Kosten und wachsende Bürokratie eine Absage.

In der Aussprache zu dem Bericht erhoben die Fraktionen aber auch weiterführende Forderungen und Wünsche. So warb die Union für die Entwicklung eines gesellschaftlichen Profils im deutsch-dänischen Grenzland und für ein größeres Angebot von Dänisch-Sprachkursen. Die Liberalen forderten eine Professur für Friesisch und Niederdeutsch an der Universität Flensburg, und die Sozialdemokraten sahen Defizite bei der Umsetzung der Charta im Medienbereich. 

Die Grünen nutzten die Debatte, um zum verstärkten Verständnis der Sinti und Roma aufzurufen, während der SSW eine konsequente Gleichbehandlung der Dänischen Schulen und der öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein anmahnte.

Nordfriesisch gehört zu den kleinsten Sprachen in Europa

Den Bericht zur "Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" legt die Landesregierung dem Landtag zur Mitte jeder Wahlperiode vor. Das Papier beschreibt die Bedeutung der vier Sprachen Dänisch, Friesisch, Niederdeutsch und Romanes, die neben Hochdeutsch im Lande gesprochen werden, sowie deren Förderung durch die öffentliche Hand. In Schleswig-Holstein zählen rund 50.000 Schleswig-Holsteiner zur dänischen Minderheit und sprechen zum größten Teil Dänisch. Hinzu kommen 6.350 dänische Staatsbürger, die im Lande leben. Das Nordfriesische gehört mit 8.000 bis 10.000 Sprechern zu den kleinsten Sprachen in Europa. Niederdeutsch oder "Platt", die traditionelle Sprache des deutschen Nordens, wird im gesamten norddeutschen Raum als Zweitsprache neben der Standardsprache Hochdeutsch gesprochen – von schätzungsweise acht Millionen Menschen. Romanes ist die Sprache der 5.000 Sinti und Roma in Schleswig-Holstein.

Der Bericht wurde an den Europausschuss und Bildungsausschuss überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Susanne Herold (CDU): Die Sprachenvielfalt Schleswig-Holsteins muss erhalten bleiben. Sprachen tragen zum Verständnis des Anderen bei.

Rolf Fischer (SPD): Die Sprachencharta ist ein Beleg für das Europa der Regionen. In Deutschland ist Schleswig-Holstein der Motor der Umsetzung dieser Charta.

Ekkehard Klug (FDP): Schleswig-Holstein ist ein fünfsprachiges Bundesland – das gibt es nirgendwo sonst in Deutschland. Dies sollte eine Verpflichtung für das Land sein, sich um eine weitere, verbesserte Umsetzung der EU-Charta bemühen.

Detlef Matthiessen (Grüne): Die Politik sollte sich nicht nur in Sonntagsreden mit der Sprachenvielfalt beschäftigten, sondern auch materielle Ressourcen für die Aufgaben zur Verfügung stehen.

Anke Spoorendonk (SSW): Mit der Sprachencharta hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt. Man muss aber auch klar sagen, dass es immer noch offene Baustellen gibt.

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Hintergrund:
   Zur Mitte jeder Wahlperiode legt die Landesregierung dem Landtag ihren Bericht über die "Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" vor. Das 160 Seiten starke Werk beschreibt die Bedeutung der vier Sprachen, die neben Hochdeutsch im Lande gesprochen werden, sowie deren Förderung durch die öffentliche Hand.
  • Dänisch: Etwa 50.000 Schleswig-Holsteiner zählen sich zur dänischen Minderheit und sprechen zum größten Teil Dänisch. Hinzu kommen 6.350 dänische Staatsbürger, die im Lande leben. Die Sprache wird insbesondere in den dänischen Kultureinrichtungen im Norden des Landes gepflegt und gefördert, vor allem in den 49 Schulen und den 55 Kindergärten des Dänischen Schulvereins. Das Land fördert das dänische Schulwesen in diesem Jahr mit 26,2 Millionen Euro und im nächsten Jahr mit 26,6 Millionen. Zudem bieten zahlreiche öffentliche Schulen Dänisch-Unterricht an, der dem Regierungsbericht zufolge im Schuljahr 2005/2006 von 4.312 Schülern wahrgenommen wurde.
  • Nordfriesisch: Das Nordfriesische gehört mit 8.000 bis 10.000 Sprechern zu den kleinsten Sprachen in Europa. Die Sprache teilt sich in zwei Dialektgruppen (Festland- und Inselfriesisch) und neun Mundarten auf, von denen drei, die von weniger als 150 Menschen gesprochen werden, akut vom Aussterben bedroht sind. 16 Kindergärten und 18 Schulen im Kreis Nordfriesland bieten Friesisch-Unterricht an. Das Nordfriesische Institut (Nordfriisk Instituut) in Bredstedt veranstaltet Lesungen und Seminare und unterhält eine Bibliothek zum Thema. Der Landtag hat im Vorjahr ein Friesisch-Gesetz erlassen, das unter anderem die Verwendung der friesischen Sprache beim Kontakt mit Behörden und die Beurkundung friesischer Schriftstücke vorsieht.
  • Niederdeutsch: "Platt", die traditionelle Sprache des deutschen Nordens, wird im gesamten norddeutschen Raum als Zweitsprache neben der Standardsprache Hochdeutsch gesprochen – von schätzungsweise acht Millionen Menschen. Aktuelle Zahlen über die Verwendung der Sprache liegen dem Bericht zufolge nicht vor. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 1984 konnten 56 Prozent der Norddeutschen die Sprache sprechen und 89 Prozent sie verstehen. Die Landesregierung geht davon aus, dass diese Werte inzwischen gesunken sind. Das Land unterhält zwei Zentren für Niederdeutsch in Leck und Ratzeburg, die unter anderem Erzieher in den Kindergärten Unterstützung bei der Vermittlung der Sprache anbieten. Plattdeutsch ist gemäß des Niederdeutsch-Erlasses von 1992 Bestandteil der Lehrerausbildung und der Lehrpläne an Schulen.
  • Romanes: Die Sprache der 5.000 Sinti und Roma in Schleswig-Holstein entstammt dem Sanskrit. Die Sinti und Roma im Lande sind hauptsächlich in Kiel, Lübeck sowie im Hamburger Rand ansässig. Laut dem Regierungspapier wünschen sie "keine allgemeine Zugangsmöglichkeit von Menschen außerhalb der Minderheit zu ihrer Sprache". Deshalb wird Romanes nicht an Schulen oder Hochschulen unterrichtet.

mehr Informationen: plenum-online, Mai/Juni 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/mai2-2006/
texte/16_08_kommunikation_niederdeutsch.htm)
plenum-online (Friesisch-Gesetz): November 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/november2004/texte/07_42_frisk_foederalismus.htm)

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