"Das Wichtigste
ist, dass unsere Regionalsprachen in den Familien gesprochen
werden", mahnte Carstensen den Gebrauch von
Minderheitensprachen im Alltag an. Gleichzeitig erteilte der
Ministerpräsident weiteren Maßnahmen zum Schutz der
Minderheitensprachen mit Blick auf mögliche Kosten und wachsende
Bürokratie eine Absage.
In der Aussprache zu dem Bericht erhoben die
Fraktionen aber auch weiterführende Forderungen und Wünsche. So
warb die Union für die Entwicklung eines gesellschaftlichen Profils
im deutsch-dänischen Grenzland und für ein größeres Angebot von
Dänisch-Sprachkursen. Die Liberalen forderten eine Professur für
Friesisch und Niederdeutsch an der Universität Flensburg, und die Sozialdemokraten sahen Defizite bei der Umsetzung der Charta im
Medienbereich.
Die Grünen nutzten die Debatte, um zum verstärkten
Verständnis der Sinti und Roma aufzurufen, während
der SSW eine konsequente Gleichbehandlung der Dänischen Schulen und
der öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein anmahnte.
Nordfriesisch gehört zu den kleinsten Sprachen
in Europa
Den Bericht zur "Umsetzung der Europäischen
Charta der Regional- oder Minderheitensprachen" legt die
Landesregierung dem Landtag zur Mitte jeder Wahlperiode vor. Das
Papier beschreibt die Bedeutung der vier Sprachen Dänisch,
Friesisch, Niederdeutsch und Romanes, die neben Hochdeutsch im Lande
gesprochen werden, sowie deren Förderung durch die öffentliche
Hand. In Schleswig-Holstein zählen rund 50.000 Schleswig-Holsteiner
zur dänischen Minderheit und sprechen zum größten Teil Dänisch.
Hinzu kommen 6.350 dänische Staatsbürger, die im Lande leben. Das
Nordfriesische gehört mit 8.000 bis 10.000 Sprechern zu den
kleinsten Sprachen in Europa. Niederdeutsch oder "Platt", die traditionelle
Sprache des deutschen Nordens, wird im gesamten norddeutschen Raum
als Zweitsprache neben der Standardsprache Hochdeutsch gesprochen
– von schätzungsweise acht Millionen Menschen. Romanes ist die
Sprache der 5.000 Sinti und Roma in Schleswig-Holstein.
Der Bericht wurde an den Europausschuss und
Bildungsausschuss überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Susanne Herold (CDU): Die Sprachenvielfalt
Schleswig-Holsteins muss erhalten bleiben. Sprachen tragen zum
Verständnis des Anderen bei.
Rolf Fischer (SPD): Die Sprachencharta ist
ein Beleg für das Europa der Regionen. In Deutschland ist
Schleswig-Holstein der Motor der Umsetzung dieser Charta.
Ekkehard Klug (FDP): Schleswig-Holstein ist
ein fünfsprachiges Bundesland – das gibt es nirgendwo sonst in
Deutschland. Dies sollte eine Verpflichtung für das Land sein, sich
um eine weitere, verbesserte Umsetzung der EU-Charta bemühen.
Detlef Matthiessen (Grüne): Die Politik
sollte sich nicht nur in Sonntagsreden mit der Sprachenvielfalt
beschäftigten, sondern auch materielle Ressourcen für die Aufgaben
zur Verfügung stehen.
Anke Spoorendonk (SSW): Mit der
Sprachencharta hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt. Man
muss aber auch klar sagen, dass es immer noch offene Baustellen
gibt.