Druckversion
zurück zur Textseite


Top 20:
Bericht über die aktuelle Umsetzung des Schulgesetzes
Landtagsbeschluss vom 23. März 2007 – Drs. 16/1260neu
Federführend ist das Ministerium für Bildung und Frauen – Drucksache 16/1407

       Aufruf gemeinsam mit 
Top 23 :
Schulanmeldungen
Landtagsbeschluss vom 11. Mai 2007 – Drs. 16/1374neu
Federführend ist das Ministerium für Bildung und Frauen – Drucksache 16/1410

Schulreform: Viel Kritik am Bildungsministerium

Erdsiek-Rave spricht von lebhafter,
sachlicher Diskussion im Land

 Kiel (SHL/Neufassung, 08.06.) Die neuen Regional- und Gemeinschaftsschule stoßen in Schleswig-Holstein nach Ansicht von Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) überwiegend auf eine positive Resonanz. Mit Blick auf die aktuellen Debatten um die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen sprach sie bei der Beantwortung zweier Anfragen von SSW und Grünen von einer "lebhaften Diskussion" im Lande, die "in großer Sachlichkeit" geführt werde und deren Ergebnis in vielen Bereichen noch offen sei. Konkreter wurde die CDU-Abgeordnete Susanne Herold in der Aussprache. Sie forderte, die auf Bestreben der Union eingeführte Regionalschule müsse die gleiche Ausstattung wie die von den Sozialdemokraten favorisierte Gemeinschaftsschule haben: "Die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer, die an der Regionalschule oder an der Gemeinschaftsschule arbeiten, wird einheitlich sein. Es gibt einen gemeinsamen verbindlichen Klassenteiler. Fördermaßnahmen werden an beiden Schularten gleichmäßig verteilt", so Herold.

Zugleich betonte die Christdemokratin, dass es "keinen CDU-Feldzug" gegen die Gemeinschaftsschule. Sie reagierte damit auf den Vorwurf von Anke Spoorendonk (SSW), die der CDU vorwarf, ihre Mehrheiten in den Kreisen als "ideologische Blockade" zur Verhinderung der Gemeinschaftsschulen einzusetzen. Auch aus diesem Grund, so Spoorendonk, verlaufe die Debatte um die Einführung der Gemeinschaftsschulen, die aus der Sicht des SSW "das Zukunftsmodell schlechthin" sind, alles anderen als reibungslos. Detlef Buder (SPD) warnte davor, ideologische "Schlachten von gestern" noch einmal zu schlagen. Die Schulträger, also in der Regel die Kreise, sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Grüne und FDP übten grundsätzliche Kritik am Umgang des Bildungsministeriums mit Eltern und Lehrern bei der Umsetzung der im Januar beschlossenen Reform.

Zum 1. August werden laut dem Regierungsbericht die ersten sieben Gemeinschaftsschulen, in denen die Schüler bis zur 10. Klasse zusammen lernen, als offene Ganztagsschulen ihre Arbeit aufnehmen. Sie befinden sich auf Fehmarn, in Flensburg, in Halstenbek (Kreis Pinneberg), in Handewitt (Kreis Schleswig-Flensburg), in Itzstedt (Kreis Segeberg), in Kellinghusen (Kreis Steinburg) und in Schafflund (Kreis Schleswig-Flensburg). Hier kann nach insgesamt 13 Jahren das Abitur abgelegt werden. In althergebrachten Gymnasien wird ab dem Schuljahr 2008/2009 das zwölfjährige Abi eingeführt.

Die Einführung der Regionalschule als zweite neue Schulform in Schleswig-Holstein steht zum Schuljahr 2008/2009 an. Bis 2010/2011 sollen dann alle Haupt- und Realschulen zusammengeführt werden. Hier werden alle Schüler in einer zweijährigen Orientierungsstufe gemeinsam unterrichtet. Mit diesem Paket werde auf das Ziel hingearbeitet, längeres gemeinsames Lernen zu ermöglichen und so mehr Schüler mit höherem Abschluss auszubilden, so Ministerin Erdsiek-Rave.

Hier vertrat Herold ebenfalls eine andere Position als die Bildungsministerin. Die hatte sich gegen verbindliche Schulartempfehlungen ausgesprochen. Aus Sicht der Christdemokratin haben diese Empfehlungen aber "ihre volle Berechtigung", um "möglichst homogene Lerngruppen zu bilden".

FDP und Grüne kritisieren Umgang
mit Eltern und Lehrern

Grüne und FDP übten grundsätzliche Kritik am Umgang des Bildungsministeriums mit Eltern und Lehrern bei der Umsetzung der Reform. FDP-Bildungsexperte Ekkehard Klug machte ein allgemeines "Misstrauen" im Lande gegen die Politik der Regierung aus. Beleg dafür seien die Anmeldezahlen bei den Gymnasien, die "teils um mehr als 25 Prozent" über den Vorjahreswerten lägen. Offensichtlich würden viele Eltern die neuen Schulen meiden, so Klug. Dem Bildungsministerium warf er ein "autoritäres, obrigkeitliches" Klima gegenüber Lehrern vor, die sich kritisch zu der Reform äußerten.

Angelika Birk (Grüne) kritisierte, das Ministerium habe "fünf Wochen vor Beginn der Sommerferien" noch immer keine konkreten Anmeldezahlen für das neue Schuljahr vorgelegt. Die Eltern hätten ein Anrecht auf die "Schule ihrer Wahl", würden aber in der Luft hängen gelassen.

Der Bildungsausschuss berät die Berichte abschließend.


zurück zur Textseite

* * * * *