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Schulreform: Viel
Kritik am Bildungsministerium
Erdsiek-Rave
spricht von lebhafter, sachlicher Diskussion im
Land
Kiel (SHL/07.06.;
Neufassung v. 08.06.)
Die neuen Regional- und Gemeinschaftsschule stoßen in
Schleswig-Holstein nach Ansicht von Bildungsministerin Ute
Erdsiek-Rave (SPD/Foto links)
überwiegend auf eine positive Resonanz. Mit Blick auf die
aktuellen Debatten um die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen
sprach sie bei der Beantwortung zweier Anfragen von SSW und
Grünen von einer "lebhaften Diskussion" im Lande, die
"in großer Sachlichkeit" geführt werde und deren
Ergebnis in vielen Bereichen
noch offen sei. Konkreter wurde die CDU-Abgeordnete Susanne Herold
(Foto
rechts) in der Aussprache. Sie forderte, die auf
Bestreben der Union eingeführte Regionalschule müsse die gleiche
Ausstattung wie die von den Sozialdemokraten favorisierte
Gemeinschaftsschule haben: "Die Unterrichtsverpflichtung für
Lehrer, die an der Regionalschule oder an der Gemeinschaftsschule
arbeiten, wird einheitlich sein. Es gibt einen gemeinsamen
verbindlichen Klassenteiler. Fördermaßnahmen werden an beiden
Schularten gleichmäßig verteilt", so Herold.
Zugleich betonte die
Christdemokratin, dass es "keinen CDU-Feldzug" gegen die
Gemeinschaftsschule. Sie reagierte damit auf den Vorwurf von Anke
Spoorendonk (SSW), die der CDU vorwarf, ihre Mehrheiten in den
Kreisen als "ideologische Blockade" zur Verhinderung der
Gemeinschaftsschulen einzusetzen. Auch aus diesem Grund, so
Spoorendonk, verlaufe die Debatte um die Einführung der
Gemeinschaftsschulen, die aus der Sicht des SSW "das
Zukunftsmodell schlechthin" sind, alles anderen als
reibungslos. Detlef Buder (SPD) warnte davor, ideologische
"Schlachten von gestern" noch einmal zu schlagen. Die
Schulträger, also in der Regel die Kreise, sollten sich ihrer
Verantwortung bewusst werden. Grüne und FDP übten grundsätzliche
Kritik am Umgang des Bildungsministeriums mit Eltern und Lehrern
bei der Umsetzung der im Januar beschlossenen Reform.
Zum 1. August werden laut dem Regierungsbericht
die ersten sieben Gemeinschaftsschulen, in denen die Schüler bis
zur 10. Klasse zusammen lernen, als offene Ganztagsschulen ihre
Arbeit aufnehmen. Sie befinden sich auf Fehmarn, in Flensburg, in
Halstenbek (Kreis Pinneberg), in Handewitt (Kreis
Schleswig-Flensburg), in Itzstedt (Kreis Segeberg), in
Kellinghusen (Kreis Steinburg) und in Schafflund (Kreis
Schleswig-Flensburg). Hier kann nach insgesamt 13 Jahren das
Abitur abgelegt werden. In althergebrachten Gymnasien wird ab dem
Schuljahr 2008/2009 das zwölfjährige Abi eingeführt.
Die Einführung der Regionalschule als zweite neue
Schulform in Schleswig-Holstein steht zum Schuljahr 2008/2009 an.
Bis 2010/2011 sollen dann alle Haupt- und Realschulen
zusammengeführt werden. Hier werden alle Schüler in einer
zweijährigen Orientierungsstufe gemeinsam unterrichtet. Mit
diesem Paket werde auf das Ziel hingearbeitet, längeres
gemeinsames Lernen zu ermöglichen und so mehr Schüler mit
höherem Abschluss auszubilden, so Ministerin Erdsiek-Rave.
Hier vertrat Herold ebenfalls eine andere Position
als die Bildungsministerin. Die hatte sich gegen verbindliche
Schulartempfehlungen ausgesprochen. Aus Sicht der Christdemokratin
haben diese Empfehlungen aber "ihre volle Berechtigung",
um "möglichst homogene Lerngruppen zu bilden".
FDP und Grüne kritisieren Umgang
mit Eltern und Lehrern
Grüne
und FDP übten grundsätzliche Kritik am Umgang des
Bildungsministeriums mit Eltern und Lehrern bei der Umsetzung der
Reform. FDP-Bildungsexperte Ekkehard Klug (Foto)
machte ein allgemeines "Misstrauen" im Lande gegen die
Politik der Regierung aus. Beleg dafür seien die Anmeldezahlen
bei den Gymnasien, die "teils um mehr als 25 Prozent"
über den Vorjahreswerten lägen. Offensichtlich würden viele
Eltern die neuen Schulen meiden, so Klug. Dem Bildungsministerium
warf er ein "autoritäres, obrigkeitliches" Klima
gegenüber Lehrern vor, die sich kritisch zu der Reform
äußerten.
Angelika Birk (Grüne) kritisierte, das
Ministerium habe "fünf Wochen vor Beginn der
Sommerferien" noch immer keine konkreten Anmeldezahlen für
das neue Schuljahr vorgelegt. Die Eltern hätten ein Anrecht auf
die "Schule ihrer Wahl", würden aber in der Luft
hängen gelassen.
Der Bildungsausschuss berät die Berichte
abschließend.
Hintergrund:
Auf der Grundlage zweier
Regierungsberichte, die Grüne und SSW angefordert haben,
befasst sich der Landtag mit der Umsetzung des neuen
Schulgesetzes.
Ein Kernelement der Schulreform ist die
Einführung von Gemeinschaftsschulen, die das gemeinsame
Lernen der Schüler bis Ende der 10. Klasse ermöglichen.
Anfang Juni hat das Bildungsministerium die ersten sieben
Gemeinschaftsschulen im Lande mit zusammen 750 Schülern
genehmigt. Sie werden zum 1. August ihre Arbeit aufnehmen
und offene Ganztagsschulen sein. Die Schulen befinden sich
auf Fehmarn, in Flensburg, in Halstenbek (Kreis
Pinneberg), in Handewitt (Kreis Schleswig-Flensburg), in
Itzstedt (Kreis Segeberg), in Kellinghusen (Kreis
Steinburg) und in Schafflund (Kreis Schleswig-Flensburg).
Auch für das Schuljahr 2008/09 liegen nach Angaben des
Ministeriums bereits sieben weitere Anträge vor; weitere
würden erwartet. Eine Besonderheit dieser am
skandinavischen Vorbild orientierten Schulform: Erst ab
Jahrgangsstufe 8 sind Notenzeugnisse vorgeschrieben.
Die Einführung der Regionalschule als zweite
neue Schulform in Schleswig-Holstein steht laut dem neuen
Schulgesetz erst zum 1. August 2008 an. Damit werden dann
Haupt- und Realschulen zu einer Schulform
zusammengeführt. Derzeit, so das Bildungsministerium,
wird das Ergebnis der Anhörung zur
Regionalschulverordnung ausgewertet.
Im Regierungsbericht wird betont, dass sowohl
der Schulbau, als auch die Schulentwicklungsplanung
Aufgaben der kommunalen Schulträger bleiben. Noch bis
einschließlich 2012 stehen im kommunalen Schulbaufonds
Investitionsmittel zur Verfügung. Darüber hinaus besteht
noch bis 2009 die Möglichkeit, Investitionen für offene
Ganztagsschulen zu fördern. Im Bildungsministerium geht
man davon aus, dass die Kreise spätestens Anfang 2008
ihre Schulentwicklungspläne vorlegen werden. Das
Ministerium unterstützt die Schulträger bei den
Planungen und gibt Hinweise zur Umsetzung des neuen
Schulgesetzes.
Ein weiterer Beitrag zur Umsetzung des
Schulgesetzes ist noch bis 2010 die Fortbildungsoffensive
"Lernen fördern – Leistung fordern". Sie
konzentriert sich auf die Themen Führung und
Veränderungsmanagement, zielorientierte
Organisationsentwicklung sowie individuelle Förderung im
Unterricht. Darüber hinaus werden fünf verschiedene
Schulbegleitprojekte zur "Unterrichtskultur"
angeboten.
Aktuelle Zahlen über die Anmeldungen bei den
weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2007/08 hat
das Ministerium noch nicht veröffentlicht. Die Auswertung
der im Mai erhobenen Daten sei erst im Laufe des Juni
fertig, heißt es. Fest stehe aber bereits, dass die
Gesamtschulen 5.484 Anmeldungen für das kommende
Schuljahr zu verzeichnen hatten. Davon können sie jedoch
nur die Hälfte der Schüler aufnehmen, was nach Angaben
des Ministeriums in dieser Relation dem langjährigen
Mittel entspricht.
Laut dem Statistikamt Nord werden im
laufenden Schuljahr an Schleswig-Holsteins Schulen rund
340.000 Schüler unterrichtet. Davon besuchen 80.679
Kinder und Jugendliche ein Gymnasium. Zurzeit gibt es
1.026 öffentliche und 74 private Schulen im Land.
mehr Informationen: plenum-online,
Januar 2007
(www.sh-landtag.de/plenumonline/januar2007/texte/02_19_schulreform.htm)
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